Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Königswochenende

Sport / 21.01.2021 • 22:24 Uhr

Mit etwas Glück darf heuer das Hahnenkammrennen in Kitzbühel doch noch stattfinden. Es war in den letzten Jahren immer das Heimrennen der Österreicher und mit Matthias Mayer haben wir seit langem wieder mal einen heimischen Titelverteidiger am Start.

Heuer, nach einem sehr mäßigen Saisonstart, haben sich die ÖSV-Cracks hervorragend aufgefangen. Außer im Riesenslalom sind wir die dominierende Mannschaft im Weltcup. Wer hätte das nach dem Desaster in Sölden geglaubt?

Am kommenden Wochenende finden in Kitzbühel nur Speed-Rennen statt. Zweimal preschen die Athleten über Mausefalle, Steilhang und die Hausbergkante. Adrenalin pur, denn ohne das geht hier keiner freiwillig aus dem Starthaus raus. Einige Favoriten haben sich allerdings bereits verletzungsbedingt verabschieden müssen. Aleksander Aamodt Kilde, der aktuelle Weltcupsieger, und Mauro Caviezel wären auf der Streif zwei heiße Eisen gewesen.

Die Streif wird die Athleten auch heuer nicht verschonen. Kein Rennen verlangt einem so viel ab, wie dieses. Auf der Strecke bekommt man als Läufer von dem Trubel am Streckenrand nicht viel mit. Auch wenn man von der Hausbergkante bis ins Ziel normalerweise durch ein Menschenmeer hindurchbrettert, hört und sieht man nichts von der schwarzen Zuschauermasse. Zu laut und zu brutal ist es auf dem eisigen und schattigen Ritt vom Hahnenkamm ins Tal und man ist viel zu erschöpft, um neben dem Kampf ums Überleben noch andere Dinge wahrzunehmen. Ein Rennen ohne Zuschauer, so wie am kommenden Wochenende, ändert am Empfinden eines Läufers auf der Streif also nicht sehr viel. Erst das Abschwingen im Ziel erlöst den Fahrer von seinen Leiden und Ängsten und jeder ist erst einmal glücklich, unverletzt im Ziel zu stehen.

Die Vorzeichen für ein österreichisches Festival stehen gut. Noch selten war die Mannschaft so kompakt und motiviert wie jetzt, um den Titel der heimlichen Weltmeisterschaft in Kitzbühel nach Hause zu holen.

Die Streif wird die Athleten auch heuer nicht verschonen. Kein Rennen verlangt einem so viel ab, wie dieses.“

Marc Girardelli

sport@vn.at

Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.