Der 7,5-Millionen-Euro-Mann

Sport / 23.04.2021 • 22:29 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
VN-Redakteur Markus Krautberger beim Lokalaugenschein im fast menschenleeren Deutsche Bank Park vor der Partie Eintracht Frankfurt gegen FC Augsburg.privat
VN-Redakteur Markus Krautberger beim Lokalaugenschein im fast menschenleeren Deutsche Bank Park vor der Partie Eintracht Frankfurt gegen FC Augsburg.privat

Die VN besuchten Adi Hütter, teuerster Trainer der Bundesligageschichte, in Frankfurt.

Frankfurt Es war ein gelöster, fast euphorisierter Adi Hütter, den die VN nach dem 2:0-Heimspielsieg der Frankfurter Eintracht über den FC Augsburg in den Katakomben des Deutsche Bank Parks antrafen. Nur allzu verständlich, prasselte ja nach dem Bekanntwerden des bevorstehenden Transfers zu Borussia Mönchengladbach innerhalb kürzester Zeit enorm viel Kritik auf den Altacher ein. Grund für Häme aus deutschen Medien und dem Umfeld des Traditionsverein aus Hessen, die Aussage von Hütter vom 28. Februar bei Sky 90: „Ich bleibe.“ Am Dienstag, 13. April, folgte dann aber die Bekanntgabe, nach Mönchengladbach zu wechseln. Um die Rekord-Ablöse für einen deutschen Bundesligatrainer von 7,5 Millionen Euro. „Es war viel los in den letzten Wochen. Zuerst meine Bekanntgabe, dann das 0:4 gegen Gladbach und der Rummel um meinen Transfer“, blickt Hütter auf die medial wohl intensivste Zeit als Trainer zurück. Zu Details und Hintergründen, wie die Chose ihren Lauf nahm, nimmt der 51-Jährige nicht Stellung, bleibt er dabei: „Es wird sicher irgendwann die Zeit kommen, in der ich meine Sicht der Dinge darstelle.“

Verspätete Rückendeckung

Einer, der im Rahmen des 29. Spieltages in der Halbzeitpause schon einmal einige Dinge ins rechte Licht rückte, war Frankfurts Vorstandsmitglied Axel Hellmann. Im Interview bei Sky erklärte er, „dass ich Adi jetzt aus der Schusslinie nehmen möchte. Wir als Klub wollten im Februar ein klares Bekenntnis von Adi, um Ruhe im Klub zu haben. Das gab er auch und hat damit dem Klub sehr geholfen.“ Hütter ergänzt nur: „Fakt ist: Wir haben danach so viele Punkte geholt, dass wir es nun in der eigenen Hand haben, die Champions League zu erreichen.“

Starkes Team

Stellvertretend für die Mannschaft der Eintracht, die mit 56 Punkten aus 30 Spielen den Vereinsrekord gebrochen hat, ließ es sich Tormann Kevin Trapp nicht nehmen, den Medienschaffenden aus der Finanzstadt am Main den 2:0-Sieg unter die Nase zu reiben. Er könne „es nicht verstehen, dass man nach nur einer Niederlage in den letzten sieben Spielen vieles infrage stellt und gefühlt von einer Krise spricht“. Für Hütter Beleg, wie gefestigt sein Team ist, sich trotz Querschüssen wehrt und liefert. „Es gefällt mir, wenn ein solch erfahrener Spieler wie Trapp die Dinge richtig einordnet. Wer mir in den letzten Tagen einreden wollte, es gäbe Risse zwischen mir und der Mannschaft, der irrt. Zwischen die Mannschaft und mich passt kein Blatt Papier“.

Daher rührt es den Altacher, wenn er daran denkt, diese Mannschaft im Sommer zu verlassen. Seit seiner Ankunft im Sommer 2018 ging es fast nur bergauf. „Man darf nicht vergessen, wie ich hier gestartet bin. Mit dem Ausscheiden in der ersten Runde im DFB-Pokal und einer 0:5-Klatsche gegen die Bayern.“ Deutsche Medien gaben Prognosen ab, dass Hütter der erste Trainer der Saison 2018/19 sein werde, der gefeuert werde. Drei Jahre später – nach einem Semifinale in der Europa League, einem siebten, einem neunten Platz und dem eventuellen Erreichen der Champions League – ist Hütter der teuerste Trainer-Transfer der Bundesliga-Historie. Da muss er sich selbst kneifen: „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Der kleine Adi aus Altach ist jetzt der teuerste Trainer-Transfer.“

Richtiger Schritt

Sein Dank für diesen Aufstieg gilt vor allem der Mannschaft, „denn wir dürfen eines nicht vergessen: Die Spieler sind es, die Matches gewinnen und so den Fans Freude bereiten. Ich als Trainer kann nur schauen, dass die Jungs einen Plan haben und in die gleiche Richtung marschieren. Daher habe ich mich auch bei den Kickern bedankt, dass sie mich zu einem besseren Trainer gemacht haben.“ Gerüchten zufolge gab es danach Standing Ovations und minutenlangen Applaus von der Mannschaft.

Lässt man Hütters Trainer-Laufbahn Revue passieren, fällt auf, dass er nur einmal entlassen wurde: am 6. April 2012 in Altach. Danach war es immer er, der die Zügel in der Hand hatte und dann die Klubs (Grödig, RB Salzburg, YB Bern) nach großen Erfolgen wieder verließ. Auf die Frage, warum er nun die Chance auf die Champions League sausen lässt, gerät Hütter ins Grübeln: „Darüber habe ich sehr intensiv nachgedacht. Mit einem Klub wie Frankfurt in der Königsklasse zu spielen, ist sicher genial. Aber ich bin überzeugt davon, auch jetzt wieder den richtigen Schritt zu machen. Und wenn die Eintracht dann zur Champions-League-Hymne einläuft, werde ich vorm TV sitzen und sicher eine kleine Träne verdrücken“, gibt der Familienvater offen zu und ergänzt: „Mönchengladbach ist ein extrem bodenständiger Verein, bei dem ich enormes Potenzial für die Zukunft sehe. Auf diese Aufgabe freue ich mich riesig.“

Was bleibt sonst noch von drei Jahren Frankfurt? Besonders stolz ist Hütter auf die Schaffung von Werten mit seinem Team. Unter ihm wurden Kicker wie Luka Jovic, Filip Kostic oder Martin Hinteregger zu Stars. Den Begriff „Spielerentwickler“ interpretiert Hütter als Lob an seine Person: „Eine einfache Rechnung: Werden die Spieler besser, wird es auch die Mannschaft. Davon profitiert am Ende jeder.“ Wie die Eintracht, die Jovic bereits um 63 Millionen Euro zu Real Madrid verkaufte.

Der nächste große Transfer mit Torjäger Andre Silva soll folgen, auch Hinteregger ist international heiß begehrt. Abschließend streut Hütter dem Verein noch Rosen: „Es ist sehr speziell, als Trainer eines so großen Klubs an der Linie zu stehen“, ergänzt aber gleich voller Euphorie, „dass mein Weg mit der Eintracht noch nicht zu Ende ist. Es gibt noch was zu schaffen.“ Heute trifft man auswärts in einem mehr als richtungsweisenden Spiel auf Bayer Leverkusen.

„Eigentlich nicht zu fassen: Der kleine Adi aus Altach als teuerster Trainer in Deutschland.“

Nach seiner Entlassung 2012 in Altach schaffte es Adi Hütter in nur neun Jahren über Stationen wie RB Salzburg bei Eintracht Frankfurt zum teuersten Coach der Bundesliga.Apa/Gepa
Nach seiner Entlassung 2012 in Altach schaffte es Adi Hütter in nur neun Jahren über Stationen wie RB Salzburg bei Eintracht Frankfurt zum teuersten Coach der Bundesliga.Apa/Gepa
Der 7,5-Millionen-Euro-Mann
Der 7,5-Millionen-Euro-Mann