„Mein Leben hat sich sehr verändert“

Sport / 03.09.2021 • 20:44 Uhr
Markus Mader im Jahr 2010, topmodisch auf der Bank des FC Hard. hofmeister
Markus Mader im Jahr 2010, topmodisch auf der Bank des FC Hard. hofmeister

In nur 64 Tagen Amtszeit führte Markus Mader Austria Lustenau an die Tabellenspitze.

Lustenau Den Wechsel von Markus Mader vom FC Dornbirn im Sommer zum Ligakonkurrenten Austria Lustenau konnte man im Ländle getrost als „Transferbombe“ einordnen. Denn noch im Frühjahr hat nicht viel darauf hingedeutet, dass der 53-Jährige die Vereinsfarben wechseln sollte. Zumal er mit den Rothosen in der Tabelle die Austria klar auf Distanz halten konnte und die Messestädter zum zweitbesten Team im Ländle, nach dem SCR Altach, gemacht hatte. Dass er aber in kürzester Zeit die marode Austria, die in der Saison 2020/21 erst in den letzten beiden Spielen die Schande des letzten Platzes abwehren konnte, zum Tabellenführer machen würde, damit haben wohl die Wenigsten im Ländle gerechnet.

Herr Mader, bitte um ein kurzes Resümee zum Saisonstart (sechs Spiele, fünf Siege) mit der Austria.

Mader Der ist in meinen Augen mehr als erfreulich verlaufen (lacht). Hätte mir diesen Verlauf jemand vor Saisonstart prophezeit, ich hätte ihn einen Träumer geschimpft. Noch mehr Wert hat der Auftakt für mich, da wir es in den ersten sechs Runden mit dem GAK, Wacker Innsbruck, SV Lafnitz und FC Liefering zu tun hatten und besiegen konnten. Alles Teams, die am Ende der Saison sicher weit oben in der Tabelle stehen werden.

In nur 64 Tagen Amtszeit machten Sie die Austria zum Tabellenführer. Was hat sich denn für Sie persönlich alles verändert in dieser kurzen Zeit?

Mader Zu Beginn eigentlich nicht viel. Denn bei Trainingsstart im Juni musste ich ja noch neben dem Job als Austria-Trainer meiner hauptberuflichen Tätigkeit als Immobilienmakler nachgehen. Die Doppelbelastung war die gleiche wie in den letzten 20 Jahren davor. Ich musste noch vor der Kündigung bei Andreas Hofer Immobilien meine ganzen Projekte fertig machen bzw. ordentlich übergeben, erst ab dem 1. Juli änderte sich in meinem Leben so ziemlich alles. Plötzlich hatte ich Zeit, mich ausschließlich auf den Fußball zu konzentrieren. In dieser Form habe ich es davor noch nie erlebt. Ah ja, meine Frau musste sich auch erst daran gewöhnen, dass ich schon um 18 Uhr zuhause bin. Nicht so wie früher erst um 21 Uhr.

Die Austria ist Ihre erste Station als Profitrainer. Warum hat es so lange gedauert?

Mader Ganz einfach: Ich hatte davor nie die Gelegenheit dazu bekommen. Selbst hatte ich es eigentlich auch viele Jahre gar nicht auf dem Radar. Erst durch den Aufstieg mit dem FC Dornbirn und die damit verbundene Möglichkeit, die UEFA Pro Lizenz zu machen, habe ich mich mit diesem Gedanken befasst. Aber die Möglichkeiten im Ländle, als Profitrainer zu arbeiten sind rar, deswegen habe ich bei dem Angebot der Austria nicht gezögert und zugeschlagen. Weil ich diese Erfahrung, Cheftrainer einer Profitruppe zu sein, machen wollte.

Fühlten Sie sich gar unterschätzt?

Mader Ich denke, in Vorarlberg werden viele heimische Trainer unterschätzt. Schaut man sich die nahe, aber auch die längere Vergangenheit an, sieht man, dass nicht viele Vorarlberger je einen heimischen Profiklub trainieren durften. Dabei haben wir im Land viele gute Trainer. Außerdem darf man nicht vergessen: Auch die Vorarlberger müssen die gleichen Trainerkurse absolvieren wie Leute aus dem Rest von Österreich oder gar aus dem Ausland. Dass Vorarlberger als Cheftrainer durchaus Karriere machen können, sieht man am Beispiel von Adi Hütter.

Wann haben Sie gespürt, das Zeug zum Trainer einer professionell geführten Mannschaft zu haben?

Mader Schwer zu sagen. Ich konnte mich immer gut einschätzen, hatte aber keine Vorstellung davon, wie es ist, mit Spielern zu arbeiten, die ausschließlich vom Fußball leben. Daher war ich zum Start mit der Austria schon sehr gespannt, auch etwas nervös. Weil ich ja nun die Verantwortung für eine Gruppe von Menschen hatte, bei der sich ebenfalls alles um den Fußball dreht. Da hat keiner das „Sicherheitsnetz“ als Bankangestellter, Versicherungsmakler oder Therapeut. Doch ich bin schnell draufgekommen, dass alles geht, dass ich natürlich Verantwortung habe und mir der auch bewusst bin.

Was konnten Sie denn aus Ihrer Zeit als Goalgetter ins Trainerdasein mitnehmen?

Mader Goalgetter in unteren Ligen wohlgemerkt (lacht). Die Wichtigste Erkenntnis aus meiner aktiven Zeit ist sicher, dass man als Spieler immer mit Freude zum Training gehen soll. Und dafür hat man als Trainer eine ganz wichtige Funktion. Heute will ich es schaffen, dass meine Spieler immer mit Lust zum Training kommen. Damit hat man in meinen Augen schon viel gewonnen. Wenn es andersrum läuft, kann es sehr schnell stressig werden.

Topstürmer Tabakovic bleibt, Brandon Baiye verstärkt ab sofort das Team wieder. Wie froh sind Sie über den Verlauf der Transferzeit?

Mader Da gilt es ein großes Kompliment an unseren Sportlichen Leiter Alexander Schneider und den Verein auszusprechen. Die haben alle top Arbeit abgeliefert und sind verantwortlich, dass ich mit einem tollen Kader arbeiten kann. Wir sind beinahe auf allen Positionen doppelt mit viel Qualität besetzt, das macht einen Trainer immer happy. Aber ich weiß auch, dass, gepaart mit dem tollen Saisonstart, die Erwartungshaltung steigt. Meine Erfahrung ist, dass ein starker Kader auch Gefahren bringen kann. Daher ist es für mich und mein Trainerteam die Herausforderung, als großes Ganzes zu funktionieren. Die Mannschaft, auch diejenigen die am Wochenende nicht in der Startelf stehen oder gar auf der Tribüne sind, soll immer an einem Strang ziehen.

Ist die Austria jetzt ein Mitfavorit auf den Aufstieg?

Mader Das Wort „Aufstieg“ nehmen wir hier sicher nicht in den Mund. Was wir aber klar definiert haben: Wir wollen am Ende der Saison unter den besten fünf Teams der Liga stehen. Das gibt der aktuelle Kader her und ist für uns machbar.

Sie feierten mit FC Schwarzach und dem FC Dornbirn Meistertitel, konnten die Rothosen mit vielen Halbprofis in der 2. Liga festigen. Jetzt stehen Sie mit der Austria auf Platz 1. Was ist Ihr Geheimnis?

Mader Ich weiß, auf was Sie hinauswollen, habe auch eine Vorstellung davon – aber ich werde es nicht verraten (lacht). Fakt ist, dass ich im Laufe der Jahre sicher einen Reifeprozess durchlaufen habe. Als junger Coach habe ich vieles von Spielerseite zu persönlich genommen. Heute weiß ich: Kein Spieler spielt absichtlich schlecht und will so vielleicht den Trainer schädigen. Ich kann mich mittlerweile besser in die Kicker hineindenken. Doch die lehrreichsten Erfahrungen für meine Trainerlaufbahn habe ich mit Teams wie dem FC Hard oder BW Feldkirch gemacht. Dort musste ich schnell lernen, wie man mit sehr wenig ganz viel schafft. Da geht es nicht mehr nur um Training und Spiel, sondern ich habe mich auch um ganz viele Dinge rund um die Mannschaft gekümmert. Bei Klubs, die finanziell limitiert sind, muss man am gesamten Konstrukt feilen, um Erfolg zu haben. Wie beim FC Dornbirn: Mit einem wahrlichen Minibudget zweimal die Liga gehalten. Was auch in Hard und in Feldkirch gelang. Aus dieser Zeit nehme ich vieles für heute mit.

Markus Mader im Jahr 2010, topmodisch auf der Bank des FC Hard. hofmeister
Markus Mader im Jahr 2010, topmodisch auf der Bank des FC Hard. hofmeister

Zur Person

Markus Mader

ist seit jeher auf allen Fußballplätzen in Vorarlberg bekannt. Früher als aktiver Goalgetter, heute als Cheftrainer von Austria Lustenau.

Geboren 19. Mai 1968

Ausbildung Immobilienmakler, UEFA Pro Lizenz (Trainer)

Vereine als Aktiver IG Bregenz/Dornbirn, SW Bregenz, FC Hard, FC Wolfurt, Admira Dornbirn, FC Langenegg, BW Feldkirch, FC Egg (Karriereende 2005)

Vereine als Trainer FC Egg (2006 bis 2008), BW Feldkirch (2008/09), FC Hard (2010 bis 2012), Langenegg (2012 bis 2015), Hatlerdorf (2015/16), FC Schwarzach (2016/17/Meister), FC Dornbirn (2017-2021/Meister), Austria Lustenau (seit Juli 2021)

Familie Gattin Martina, zwei Töchter (24 Jahre)