Parallelrennen, pro und kontra

Sport / 10.11.2021 • 08:00 Uhr

Nach dem Eklat bei der Ski-Weltmeisterschaft in Cortina stand der Parallelbewerb heftig in der Kritik. Und das nicht zu Unrecht. Das Reglement für dieses Rennen war sehr unglücklich und verschob das Endresultat dramatisch. Viele Favoriten scheiterten gegen sichtbar weniger gute Athleten, weil ein Lauf deutlich langsamer war als der andere. Und die Pönale für einen Sturz oder zu grossen Rückstand im ersten Lauf war mit 0,5 Sekunden viel zu gering gewählt. Trotz alldem standen am Schluss Läufer und Läuferinnen am WM-Treppchen, die später noch Rennen gewinnen sollten. Das führte schlussendlich zu einer heißen Diskussion über die Daseinsberechtigung von Parallelrennen überhaupt.
Der lauteste Kritiker war und ist Felix Neureuther, und seine Argumente haben Gewicht: “Es kann und darf nicht sein, dass solche Minirennen als gleichwertige Bewerbe gewertet werden, wie ein Slalom in Adelboden oder ein Riesenslalom in Sölden. Parallelbewerbe haben durchaus ihre Berechtigung. Sie sollen vor allem dazu dienen, den Skirennsport mit seinen Stars in Ballungsgebieten wie München, Moskau oder New York populär zu machen.“
Da muss man dem Felix recht geben, wenn man das vom rein sportlichen Aspekt beurteilt. Es gibt aber noch andere Seiten, die auch ihre Berechtigung haben.
Das Parallelsystem ist für jeden Zuschauer leicht verständlich. Früher gab es in Amerika eine eigene Profiserie, aufgebaut auf Parallelrennen. Die Profitour lief über Jahrzehnte erfolgreich. Mann gegen Mann oder Frau gegen Frau. Der Zuschauer sieht augenblicklich, wer gewonnen hat. Der Fan kann mit seinem Star mehrmals fiebern und die Daumen drücken. Und vor allem sind die Organisationskosten für Parallelrennen um ein Vielfaches geringer als z. B. für eine Abfahrt in Wengen mit einer Länge von 4,5 Kilometer.
Was das Flexen Race am Wochenende anlangt, konnte Vorarlberg nichts Besseres passieren. Die Skisaison beginnt mit einem Knalleffekt und das wird Tourismus und Handel immens befeuern. Zudem darf man nicht vergessen: Der Rennhang ist auch das beliebteste Trainingsareal für den Nachwuchs. Nicht weniger als 140.000 (!) Trainingsfahrten wurden auf der Piste in der vergangenen Saison absolviert. Wer hätte nicht gerne noch mehr Anita Wachters, Katharina Liensbergers, Patrick Ortliebs oder Hubert Strolz bei uns im Ländle?

„Bei den Damen ist die Leistungsdichte enorm. Es gibt keine herausragende Favoritin für den Sieg.“