Vermieten wird komplexer: Neue Regeln sorgen für Unsicherheit
Steigende Kosten, neue Gesetze und wachsender Druck: Vermieter in Vorarlberg stehen vor großen Herausforderungen. VEV-Geschäftsführerin Jennifer Reiter erklärt, warum Vermieten komplizierter wird – und wo die Politik nachschärfen sollte.
Wohnen zählt längst zu den drängendsten Themen im Land. Für Mieter ebenso wie für Eigentümer. Während die Kosten steigen und gesetzliche Vorgaben strenger werden, wächst auf beiden Seiten die Unsicherheit. Im Studio von “Vorarlberg live” spricht Jennifer Reiter, Geschäftsführerin der Vorarlberger Eigentümervereinigung (VEV), über die aktuelle Lage – und über ein System, das aus ihrer Sicht zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät.
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Zwischen Beratung und Interessenvertretung
Seit Oktober steht Reiter an der Spitze der VEV. Der Verein vertritt Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer im Land und zählt rund 8000 Mitglieder. Der Schwerpunkt liegt klar auf Beratung – vor allem im Miet- und Wohnungseigentumsrecht.
“Wir unterstützen bei Mietverträgen oder Indexberechnungen. Gerade mit der neuen Rechtslage ist das für viele kaum mehr alleine zu bewältigen”, erklärt Reiter. Gleichzeitig sieht sie ihre Rolle auch politisch: “Wir wollen wieder stärker als Sprachrohr wahrgenommen werden und die Anliegen unserer Mitglieder in die Politik tragen.”
Das ganze Interview:
Neue Regeln, mehr Komplexität
Seit 1. Jänner 2026 gilt eine neue Mietrechtsnovelle – mit spürbaren Auswirkungen. So wurde die Mindestbefristung von Mietverträgen von drei auf fünf Jahre verlängert. Eine Ausnahme gibt es für kleinere Vermieter, die weiterhin kürzere Verträge abschließen dürfen.
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Für noch mehr Unsicherheit sorgt jedoch die neue Wertsicherungsklausel. Sie regelt, wie Mieten an die Inflation angepasst werden dürfen – und ist laut Reiter deutlich komplizierter geworden.
“Das ist mittlerweile so komplex, dass es für Laien kaum mehr machbar ist”, sagt sie. Neben vertraglichen Vereinbarungen müsse nun auch eine gesetzliche Deckelung berücksichtigt werden – inklusive zusätzlicher Berechnungen.

Zwischen Bürokratie und Risiko
Die Folge: Viele Vermieter sind auf externe Hilfe angewiesen. Steuerberater, Juristen oder spezialisierte Beratungsstellen werden immer öfter notwendig.
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“Für manche ist das schlicht nicht mehr bewältigbar”, so Reiter. Gerade kleinere Eigentümer oder ältere Menschen würden dadurch zunehmend abgeschreckt.
Gleichzeitig bleibt das finanzielle Risiko bestehen. Mietausfälle oder langwierige Verfahren – etwa bei Zahlungsausfällen – können Eigentümer über Monate belasten.

Kritik an der Leerstandsabgabe
Besonders kritisch sieht die VEV die Leerstandsabgabe. Sie soll ungenutzte Wohnungen auf den Markt bringen, trifft laut Reiter aber häufig auch Eigentümer mit nachvollziehbaren Gründen.
“Es gibt viele Fälle, in denen Wohnungen leer stehen, ohne dass spekuliert wird”, erklärt sie – etwa bei geplanten Sanierungen oder künftiger Eigennutzung.
Eine von der VEV in Auftrag gegebene Studie soll hier zusätzliche Argumente liefern und wird im April präsentiert.
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Mehr Verständnis auf beiden Seiten
Trotz aller Kritik betont Reiter, dass es nicht um ein Gegeneinander gehen dürfe. “Sowohl Mieter als auch Vermieter haben berechtigte Interessen”, sagt sie. Ziel müsse es sein, Lösungen zu finden, die beiden Seiten gerecht werden.
Für die Zukunft wünscht sie sich vor allem eines: einfachere Regeln und mehr Einbindung von Praktikern in politische Entscheidungen.
Denn eines ist klar: Der Wohnungsmarkt bleibt angespannt – und einfache Antworten gibt es nicht.
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(VOL.AT)