Marc Girardelli

Kommentar

Marc Girardelli

Vorarlberg bald wieder ­vorne mit dabei

Sport / 20.12.2021 • 22:09 Uhr

Der Riesenslalom am Sonntag in Alta Badia war für mich ein ganz besonderes Rennen. Nicht nur weil mit Manuel Feller als Dritter und Patrick Feurstein als Vierter zwei Österreicher ganz vorne platziert waren. Auch weil ein junger Vorarlberger eine unglaubliche Leistung erbrachte. Feurstein, nicht zu verwechseln mit dem Juniorenweltmeister und Cousin Lukas, fuhr im zweiten Durchgang wie auf einem anderen Planeten. Dass es am folgenden Tag nicht so gut lief, ändert daran gar nichts. Da hatten arriviertere Läufer als Patrick ähnliche Schwierigkeiten, auf dem Kurs die Ideallinie zu finden.

Überragende Performance

Am Sonntag allerdings war gegen den 23-jährigen Mellauer – gegen dessen Vater „Wes“ Wernfred bin ich noch Rennen gefahren – kein Kraut gewachsen. In einem der schwersten Rennen der gesamten Weltcupsaison stürzte er sich mit vollem Risiko in den Starthang. Er fand nicht nur die richtige Linie auf der ruppigen Eispiste, sondern traf den Druckpunkt für die Schwungansätze so perfekt und vortrefflich, dass er im ersten Abschnitt allen Konkurrenten viel Zeit abnehmen konnte. Jeder Laie erkennt das am TV-Bildschirm selbst, wenn es schon vor dem Tor aufstaubt, als ob der Läufer abschwingen möchte. Manche sagen „Andriften“ dazu.

Die reinste Bremse, wenn man schnell sein will.

Bei Patrick war nichts dergleichen zu sehen. Er meisterte den halben Lauf fast perfekt, danach ging ihm langsam die Kraft aus.

Das alles klingt sehr einfach, doch muss man dafür ziemlich viel Courage aufbringen, um es in die Praxis umzusetzen.

Patrick hat mir und sicherlich auch seinen Betreuern gezeigt, dass er in der Lage ist, noch mehr davon zu zeigen.

Wenn er das schafft, werden wir in Zukunft noch viele tolle Momente mit ihm im Skiweltcup miterleben.

„Er fand nicht nur sofort die richtige Linie auf der ruppigen Eispiste, sondern traf den Drehpunkt für die Schwungansätze perfekt und vortrefflich.“

Marc Girardelli

sport@vn.at

Marc Girardelli (58) zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.