Die verkannte Disziplin
Man kann über die alpine Kombination denken, was man will. Aber im gesamten Olympia-Sportprogramm gibt es langweiligere Sportarten als die alpine Kombi. Obwohl die Damen-Kombi von gestern nicht gerade von Spannung zerbarst, hatte sie doch einige Höhepunkte parat.
Vorgestern machte ich mit einem Journalistenkollegen noch einen Scherz und sagte:
„Wir schauen mal, ob die Mikaela Shiffrin die Zahl von 25 absolvierten Toren bei dieser Olympiade schafft.“ Dass es dann so rauskommt, wagte ich nicht mal zu träumen.
Shiffrin startete sehr verhalten und nahm die ersten drei steileren Tore wie eine Vorläuferin. Dann versuchte sie im Flachen anzuziehen und es schaute aus wie immer, wenn sie Gas gibt.
Dann ein kleiner Schlag am rechten Ski und innerhalb von Sekundenbruchteilen der Ausfall. Shiffrin zum dritten Mal nach wenigen Toren gestürzt. Unheimlich!
Man sah ihr danach an, dass sie völlig von der Rolle war und dass sogar eine Shiffrin Nerven hat. Mittlerweile fühlen sogar ihre Konkurrentinnen mit ihr. Ich bin mir aber sicher, dass sie diese Katastrophe bald überwunden haben wird.
Das Rennen wurde am Schluss von den Schweizerinnen dominiert und Michelle Gisin distanzierte Wendy Holdener im Slalom klar. Wendy konnte ihre Enttäuschung nicht ganz verbergen ob der neuerlichen Niederlage in einem Rennen, das sie normalerweise gewinnen müsste. Dritte wurde Federica Brignone, was für sie ein versöhnlicher Abschluss war, auch ohne Goldmedaille.
Aus österreichischer Sicht hat es nicht ganz für das Podium gereicht.
Mit den Platzierungen 5, 6 und 7 war zumindest die mannschaftliche Solidarität sichtbar.
„Mittlerweile fühlen sogar ihre Konkurrentinnen mit Mikaela Shiffrin. Ich bin mir aber sicher, dass sie diese Katastrophe bald überwunden haben wird.“
Marc Girardelli
sport@vn.at
Marc Girardelli zählt mit fünf Gesamt-Weltcupsiegen zu den erfolgreichsten alpinen Rennläufern im Skizirkus.
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