Olympische Winterspiele in Peking mit Schlussfeier beendet

Sport / 20.02.2022 • 15:47 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Olympische Winterspiele in Peking mit Schlussfeier beendet

Die XXIV. Olympischen Winterspiele in Peking sind Geschichte.

Peking IOC-Präsident Thomas Bach erklärte das Großereignis am Sonntag im Rahmen einer symbolträchtigen Schlussfeier im Nationalstadion vor den Augen von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping für beendet. Die österreichische Fahne brachte Johannes Strolz begleitet von Ski-Kollegin Katharina Liensberger in die Arena. Strolz war mit zweimal Gold und einmal Silber Österreichs erfolgreichster Sportler bei diesen Spielen.

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Gefeiert wurde aber vor allem der Gastgeber. “Begrüßen wir China als Wintersportland”, sagte Bach in seiner Rede, bevor er um exakt 21.31 Uhr Ortszeit (14.31 Uhr MEZ) die offizielle Schlussformel sprach. Sechs Minuten später erlosch auch das olympische Feuer. Brennen wird es wieder für die Sommerspiele 2024 in Paris. Die Olympischen Spiele kehren damit nach mehr als zehn Jahren Pause nach Europa zurück.

Winterspiele in Italien

Die nächsten Winterspiele stehen 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo auf dem Programm. Bach übergab die olympische Flagge, die er von Pekings Stadtoberhaupt Chen Jining übernommen hatte, daher erstmals an zwei Bürgermeister. “Es waren wirklich außergewöhnliche Winterspiele”, sagte Bach über die von strengen Corona-Beschränkungen und politischen Debatten begleiteten Peking-Spiele. Der Deutsche dankte den “chinesischen Freunden”. Xi applaudierte.

Peking war als erste Stadt Schauplatz von Sommer- und Winterspielen. Wie 2008 gingen Eröffnungs- und Schlussfeier im “Vogelnest”-Stadion über die Bühne. Der vom berühmten chinesischen Regisseur Zhang Yimou arrangierte finale Akt griff auch die Symbolik der Eröffnung wieder auf. Das wechselnde Spiel mit Licht und Schnee zog sich durch die knapp 100-minütige Zeremonie. Die Stimmung im Stadion wirkte dabei aber etwas unbeschwerter als noch vor zwei Wochen.

Strolz ist zehnterfolgreichster Athlet 2022

Österreichs Sportler holten an den 16 Bewerbstagen in China 18 Medaillen, sieben in Gold, sieben in Silber und vier in Bronze. Das bedeutete am Ende Rang sieben im mit einer Rekordausbeute von Norwegen gewonnenen Medaillenspiegel. Strolz landete mit seinen beiden Titeln in der Kombination und im abschließenden Teambewerb sowie Silber im Slalom in der Rangliste der erfolgreichsten Athleten der Peking-Spiele auf Rang zehn.

<span class="copyright">APA/EXPA/JOHANN GRODER</span>
APA/EXPA/JOHANN GRODER

“Meine ersten Olympischen Winterspiele waren von Anfang bis Ende ein absoluter Traum, ich habe es wirklich genossen und alles aufgesaugt”, erklärte Strolz. “Dass ich jetzt auch noch das Team als Fahnenträger bei der Schlussfeier anführen durfte – schön langsam wird es kitschig!” Die österreichische Abordnung umfasste 20 Athleten. Neben Strolz und seiner Vorarlberger Landsfrau Liensberger, die Gold und Silber aus China mit nach Hause nahm, waren nach dem in der Früh eroberten Team-Titel auch deren Ski-Gefährten Stefan Brennsteiner, Michael Matt, Katherina Huber und Katherina Truppe zugegen.

Dazu kamen die Eiskunstläufer Olga Mikutina, Miriam Ziegler und Severin Kiefer, Eisschnellläufer Gabriel Odor, Ski-Freestyler Marco Ladner, die Bob-Anschieber Robert Eckschlager und Markus Glück sowie das gesamte Ski-Cross-Lager. Das Gros der 106 österreichischen Olympia-Athleten war nach ihren jeweiligen Bewerben bereits abgereist – auch, um dem Corona-Protokoll Rechnung zu tragen.

Dopingaffäre, Kritik und Corona

Neben den strengen Corona-Maßnahmen waren die Spiele international auch von der Doping-Affäre um Russlands 15-jährige Eiskunstlauf-Favoritin Kamila Walijewa überschattet. Die Medaillen im Teambewerb, den die Russen für sich entschieden hatte, sind daher auch bei Abschluss der Spiele noch nicht vergeben. Kritische Berichte zur Menschenrechtssituation in China hielten sich in Grenzen – zumal sich ausländische Journalisten wie Olympia-Teilnehmer und Betreuer corona-bedingt nur innerhalb des “geschlossenen Kreislaufs” bewegen durften.

Gegen das Virus zeigten die Maßnahmen aber Wirkung. Innerhalb der “Blase” gab es mit Fortdauer der Spiele immer weniger Ansteckungen. Von 1,7 Millionen Corona-Tests in vier Wochen fielen nur 437 positiv aus. China sah damit auch seine restriktive Einreisepolitik als gerechtfertigt. Hochrangige westliche Politiker waren den Spielen ohnehin ferngeblieben. Russlands Präsident Wladimir Putin machte Xi bei der Eröffnung aber die Aufwartung und demonstrierte seine Unterstützung.

Bach ging in seiner Abschluss-Rede allerdings am Rande auch auf die Kriegsgefahr in der Ukraine ein. “Ihr habt euch umarmt, auch wenn eure Länder in Konflikt stehen”, sagte der Fecht-Olympiasieger von 1976 über die Athleten, in diesem Fall den ukrainischen Ski-Freestyler Oleksandr Abramenko und seinen russischen Kontrahenten Ilja Burow. Die verbindende Kraft der Olympischen Spiele sei stärker als die Kräfte, die die Menschen trennen wollen. “Ihr gebt dem Frieden eine Chance”, betonte Bach in Richtung aller Sportler. “Hoffentlich sind die politischen Führer dieser Welt inspiriert von eurer Solidarität.”

China übertraf Erwartungen

Chinas Staatschef Xi wollte die Spiele laut eigenen Angaben nutzen, um rund 300 Millionen Menschen zum Wintersport zu bringen. Die chinesischen Sportler übertrafen die Erwartungen mit neun Goldmedaillen und Platz drei im Medaillenspiegel. Ihre Landsleute durften ihnen dabei aber nur vereinzelt zujubeln. Corona-bedingt waren nur in begrenztem Ausmaß lokale Zuschauer zugelassen, Fans aus dem Ausland waren gänzlich ausgesperrt.

Die Winterspiele von Mailand/Cortina sind von 6. bis 22. Februar 2026 angesetzt. In Peking bzw. der von enormer Kälte geprägten umliegenden Bergregion stehen davor von 4. bis 13. März unter Corona-Bedingungen noch die Winter-Paralympics auf dem Programm. Bach wird ihnen laut IOC-Angaben nicht beiwohnen, sondern von Vizepräsident Ser Miang Ng aus Singapur vertreten. Die nächsten Olympischen Spiele sind jene von Paris. Deren OK-Chef Tony Estanguet versprach für 2024 olympisches “Licht am Ende des Tunnels”. APA