Der Mann, der keinen Zweikampf scheut

Sport / 15.03.2022 • 21:45 Uhr
Der Mann, der keinen Zweikampf scheut
Lukas Herburger trug nicht nur bei der Heim-EURO 2020 zum überragenden Gesamterfolg des ÖHB-Teams bei. GEPA

Handball-Ass Lukas Herburger tanzt mit Schaffhausen und dem Nationalteam noch auf vier Hochzeiten.

Hard Wenn Österreichs Nationalteam der Männer am Donnerstag (19 Uhr) in der Handballarena Rieden in Bregenz einlaufen wird, wird es bei der Nummer 26 sicher einen tosenden Applaus von den Rängen geben. Der Harder Lukas Herburger gehört seit acht Jahren zum Stammpersonal des ÖHB-Männerteams und ist ein absoluter Stimmungsmacher und wegen seines bedingungslosen Einsatzes ein Publikumsliebling und Vorbild. Der 27-Jährige scheut keinen Zweikampf und geht dorthin, wo es auch weh tun kann. Bedingungsloser Kampf und voller Einsatz von der ersten bis zur letzten Minute sind seine Tugenden und haben dafür gesorgt, dass der 1,98 m große und 100 kg schwere Modellathlet im Verlauf seiner Karriere bereits etliche Pokale und Meisterschaften feiern durfte. Mit dem Alpla HC Hard holte er zwischen 2012 und 2017 fünf Mal in Serie den Meistertitel und durfte sich zusätzlich über je zwei Erfolge im ÖHB-Pokal und im Supercup im Trikot der Roten Teufel vom Bodensee freuen.

A-Team-Debüt 2014 in Island

Nach zahlreichen Einsätzen im Jugend- und Juniorenteam, darunter die sechsten Ränge bei der Unter-18-EM 2012 in Hard und Bregenz sowie der Unter-20-EM 2014 in Linz, feierte er im selben Jahr am 4. April gegen Island sein A-Team-Debüt und erzielte einen Tag später beim 36:27-Kantersieg in Hafnarfjordur sein erstes von mittlerweile 34 Länderspieltoren.

Seit der EURO 2018 war Herburger bei allen fünf Großevents dabei und wurde bei der EURO 2022 im Gruppenspiel gegen Deutschland für sein 50. Länderspiel geehrt. Nach seiner ersten EM-Endrunde wagte Herburger den Sprung ins benachbarte Ausland und steht seit damals als Legionär bei den Kadetten Schaffhausen unter Vertrag. Seit dem Wechsel zum Traditionsverein in der nördlichsten Stadt der Schweiz ist Herburger nicht nur mit dem Nationalteam, sondern auch auf Vereinsebene im Europacup auf höchster Ebene vertreten. Der Tanz auf vielen Hochzeiten sorgt auch dazu, dass Herburger pro Saison ein Monsterprogramm zwischen 55 und 65 Bewerbsspielen zu bewältigen hat. „Bis jetzt hatte ich das Glück, dass ich von schwerwiegenden Verletzungen verschont blieb. Natürlich hoffe ich, dass dies so bleibt und ich noch einige Jahre auf diesem Niveau spielen kann“, so der Harder, dessen Vertrag bei den Kadetten bis Sommer 2023 läuft. „Die Voraussetzungen, um den Sport professionell auszuüben, sind in Schaffhausen optimal. Ich fühle mich wohl, meine persönlichen Ziele und jene des Vereins passen gut zusammen. Ich möchte mich als Führungsspieler in der Mannschaft weiterentwickeln. Erklärtes Ziel ist natürlich, Titel zu gewinnen und international zu spielen.“

Der Mann, der keinen Zweikampf scheut
Mit den Kadetten Schaffhausen wurde Lukas Herburger 2019 Schweizer Meister und führt aktuell die Liga mit zwölf Punkten Vorsprung an und steht im Europacup-Achtelfinale. Verein

Aktuell sieht es vielversprechend danach aus, dass Herburger seine Erfolgsbilanz aufpolieren kann. Nach 22 Runden führen die Kadetten mit 20 Siegen und zwei Remis mit zwölf Punkten Vorsprung die Tabelle in der Quickline League an. Daneben steht der Klub des Harders im Halbfinale des nationalen Cups und hat sich in der European Leauge für das Achtelfinale qualifiziert. „Langsam geht der Tanz auf mehreren Hochzeiten aber an die Substanz. Wir haben in dieser Saison neben 25 Partien auf nationaler Ebene (22 in der Liga und drei im Cup) bereits 14 Europacupspiele absolviert. Dazu kommen noch die Länderspiele. Doch wenn man um Titel und Erfolge mitspielen will, muss man diese hohe Belastung bewältigen.“

Der Mann, der keinen Zweikampf scheut
Mit den Kadetten Schaffhausen wurde Lukas Herburger (stehend 2. v. r.) 2019 Schweizer Meister und Supercupsieger und 2021 Cupsieger. Verein

Bereits am 24. März gastieren Herburger und Co. im Cup-Halbfinale bei Pfadi Winterthur, und am 29. März und 5. April stehen die Duelle in der European League gegen Sävehof (Swe) auf dem Programm.

Projekt ,Handball macht Schule’

Parallel zu seiner sportlichen Karriere arbeitet der Absolvent des Bachelorstudiums für Mathematik und Sport an der Pädagogischen Hochschule Vorarlberg an der Karriere nach der Karriere. „Als ausgebildeter Sportlehrer leite ich das Projekt ,Handball macht Schule‘. Ich besuche Schulen in der Region Schaffhausen und versuche bei den gemeinsamen Trainings, den Kindern die Freude am Spiel und der regelmäßigen Bewegung zu vermitteln. Das Projekt macht riesigen Spaß und ist eine willkommene Abwechslung zum Alltag als Profisportler.“

Im Play-off wartet Island

Der Mann, der keinen Zweikampf scheut
Nach dem 50. Länderspiel bei der EURO 2022 im zweiten Vorrundenspiel gegen Deutschland wurde Herburger von Corona gestoppt. APA

Priorität hat aber zumindest in den nächsten Jahren noch die eigene sportliche Karriere. „Mein Hunger nach weiteren Erfolgen auf dem Handballparkett ist noch lange nicht gestillt. Wenn man so wie ich seit fünf Jahren im Ausland spielt, freut man sich natürlich doppelt auf ein Spiel in der Heimat. Die Partie gegen Estland hat deshalb einen zusätzlichen besonderen Stellenwert für mich und ich will dazu beitragen, dass wir die erste Hürde in der Mission WM-Endrunde 2023 nehmen. Wir werden alles geben, damit wir den Sprung ins Play-off-Duell im April gegen Island schaffen.“