Wackers Absturz und die Austria zittert

Sport / 05.05.2022 • 21:35 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

Innsbrucker Traditionsverein steigt fix ab. In Lustenau hofft man, dass die Tiroler die Saison zu Ende spielen.

Innsbruck, Lustenau Seit gestern 17 Uhr ist der Abstieg und Abschied des FC Wacker Innsbruck aus dem Profifußball offiziell. Der finanzmarode Zweitligist verzichtet auf die Anfechtung der Zulassungsverweigerung vor einem Schiedsgericht. „Nun geht es einzig und allein um die Rettung des Vereins“, sagte Präsident Kevin Radi. Die Schulden der Innsbrucker Profi-Abteilung werden mit zwei Millionen, jene des Vereins mit einer knappen Million Euro beziffert.

Am Verein hängen etwa die Amateure samt Nachwuchsabteilung und das Frauenteam. Diese will die Tiroler Politik laut Eigenaussage „nicht im Regen stehen lassen“, allerdings fehlte ihr für die Auszahlung von Subventionen zuletzt „Transparenz seitens des Vereins“. Durch die Rettung des Vereins wäre ein Neustart des Amateurteams nur eine Liga tiefer in der Regionalliga möglich, bei Insolvenz ist ein Start – ganz unten – in der 2. Klasse unausweichlich.

Austria plötzlich hinter FAC

Die massiven finanziellen Probleme bringen aber nicht nur den Traditionsklub selbst in Turbulenzen. Im schlimmsten Fall könnte die missliche Lage der Tiroler sogar den Kampf um den Aufstieg in die Bundesliga beeinflussen. Und zwar dann, wenn Wacker die Zweitliga-Saison wegen akuten Geldmangels nicht ordnungsgemäß zu Ende spielen kann.

Sollte dieses Szenario eintreten, würden gemäß Bundesliga-Regularien sämtliche Resultate der Innsbrucker in dieser Spielzeit gestrichen, und damit auch die dabei erspielten Punkte der Gegner. Dies hätte wiederum Folgen für das Rennen um Platz eins, in dem derzeit Austria Lustenau zwei Punkte vor dem FAC liegt. Die Vorarlberger holten aus den zwei Spielen gegen Wacker drei Zähler, die Wiener nur einen – wenn nun alle Innsbruck-Partien als „Nuller“ für die jeweiligen Gegner gewertet werden, wären Lustenau und der FAC nach aktuellem Stand punktegleich. Das entscheidende Kriterium in diesem Fall wäre der direkte Vergleich, in dem der FAC die Nase vorne hat.

Im Lager der Austria behält man ob der Botschaften aus Tirol noch die Ruhe. „Im Moment fällt alles, ob Wacker weiterspielt oder nicht, in das Reich der Spekulationen. daran werden wir uns nicht beteiligen“, gibt Austrias Vorstandssprecher Bernd Bösch zu Protokoll. Viel mehr will man sich auf die bevorstehenden Aufgaben konzentrieren, „denn das sind die einzigen Dinge, die wir selbst beeinflussen können. Der größte Fehler, den man jetzt machen kann, ist, hysterisch zu werden“, erklärt Bösch weiter, der überzeugt davon ist, dass Wacker die Saison zu Ende spielen wird: „Wenn sie es wollen, werden sie es auch hinbringen.“ Ob man im Fall der Fälle selbst Anwälte einschalten möchte, lässt man bei der Austria offen. Getreu dem Motto: Alle Aufmerksamkeit jetzt nur auf uns.

Stand gestern verfügten die Tiroler immerhin noch über 15 Feldspieler und zwei Torhüter, was für ein Antreten zu einem Zweitliga-Match ausreicht.

Gegen Horn wird gespielt

Allerdings beläuft sich die Durchführung einer Heimpartie in der zweithöchsten Spielklasse allein schon durch Aufwendungen für Betriebskosten, Ordner oder Security auf etwa 20.000 bis 30.000 Euro. Trotzdem wird die heutige Partie am Tivoli gegen Horn ausgetragen, wie Wacker bekanntgab. Fix ist: Der VIP-Klub im Tivoli-Stadion wird nicht aufgesperrt. Woher das Geld, um das Spiel über die Bühne zu bringen, kommt, darüber gab es keine Informationen, sehr zum Missfallen von Gernot Zirngast, dem Vorsitzenden der Spielergewerkschaft VdF.

Verschleppte Insolvenz

Der Steirer hält in diesem Zusammenhang den Strafbestand einer verschleppten Insolvenz für nicht ausgeschlossen. „Spieler bekommen monatelang ihr Geld nicht, aber für die Durchführung eines Heimspiels ist Geld da, da stimmt etwas nicht“, sagte Zirngast. Der Gewerkschafter wünscht sich aber auch, dass Wacker die Saison samt letztem Heimspiel am 22. Mai gegen den FC Dornbirn ordnungsgemäß über die Bühne bringt, ansonsten droht tatsächlich das Szenario, dass der FAC am Grünen Tisch zwei Punkte auf Lustenau gutmacht. „Es werden noch harte Wochen“, meinte Zirngast. Aus Innsbruck hört man, dass das letzte Heimspiel gegen Dornbirn ohne Zuschauer stattfinden soll, um sich damit die Security zu sparen.

Die VdF rät den in Innsbruck verbliebenen Spielern, weiter für Wacker aufzulaufen. „Wir versuchen ihnen zu sagen, dass es im Sinne des Sports positiv wäre, zu spielen. Sie können sich dadurch auch für andere Vereine in die Auslage spielen“, meinte Zirngast. Der VdF-Chef zeigte sich beeindruckt davon, wie viele Spieler und Angestellte dem Tiroler Verein nach wie vor die Treue halten. „Davor kann man nur den Hut ziehen“, erklärte Zirngast.

Wackers

Signale aus der Kabine

Zahlreiche Wacker-Profis machten in den letzten turbulenten Wochen von ihrem Recht Gebrauch und verließen Wacker ablösefrei unter Wahrung ihrer Ansprüche. Dennoch hat sich der noch verbleibende Rest zum Ziel gesetzt, die Saison zu Ende zu spielen. So gab Mannschaftsprecher Alexander Joppich grünes Licht dafür aus der Kabine des Traditionsklubs. „Wir sind, trotz der ganzen Umstände, bereit, die letzten drei Runden in der 2. Liga zu spielen“, erklärt Joppich, der damit als ehemaliger Kicker von Austria Lustenau seinem Ex-Klub Schützenhilfe geben könnte.

Bleibt nur zu hoffen, dass es in den nächsten Wochen nicht zu einer Insolvenzeröffnung kommt. Denn dann würde es laut Aussendung der Österreichischen Bundesliga zu einer Annullierung der Ergebnisse der gesamten Saison kommen.

„Wir als Mannschaft sind bereit, wollen die Saison unbedingt zu Ende spielen.“