Die Formel-1-Luft wird dünn für Mick

Sport / 21.10.2022 • 23:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Mick Schumacher tauchte in Austin mit einem T-Shirt, das das Konterfei von Teamchef Günther Steiner zeigt, auf. APA
Mick Schumacher tauchte in Austin mit einem T-Shirt, das das Konterfei von Teamchef Günther Steiner zeigt, auf. APA

Schumacher jun. braucht Glanzleistungen, um seinen Platz bei Haas zu behalten. Am besten gleich im Grand Prix der USA.

Austin Für das einzige amerikanische Team der Formel 1 ist der Grand Prix der USA am Sonntag (Start 21 MESZ) natürlich der wichtigste. Auf dem Circuit of the Americas (COTA), wo vor 10 Jahren erstmals um WM-Punkte gefahren wurde und sein Vater Michael in seiner letzten Saison überrundeter 16. im Mercedes wurde, könnte es aber auch für Mick Schumacher eine Weichenstellung geben.

Will der Deutsche in der Formel 1 bleiben, hat er nur noch zwei Chancen: Eine Vertragsverlängerung bei Haas für eine dritte Saison oder einen Wechsel zu Williams. Doch dort scheint man Gefallen am jungen Amerikaner Logan Sargeant (21) zu finden, der derzeit Dritter der Formel 2 ist und Freitag im ersten freien Training zum Einsatz kam.

Haas ist wenig begeistert

Doch im Team des Industriellen Gene Haas, der mit seiner Werkzeugfabrikation mit 1800 Mitarbeitern über eine Milliarde Dollar Umsatz macht, hielt sich bisher die Begeisterung für Schumi jun. in Grenzen – zu viel hatte der 23-Jährige allein in dieser Saison zerstört. In Jeddah verursachte er bei einem Trainingsunfall einen derart großen Schaden am Auto, dass er im Grand Prix von Saudi-Arabien nicht starten konnte, blieb aber selbst unverletzt. Seine allerersten WM-Punkte vergab er in Miami durch eine Kollision mit seinem Freund und Förderer Sebastian Vettel. In Monaco crashte er so heftig, dass der Haas-Bolide entzweibrach und das Rennen gestoppt wurde.

In einem Interview mit AP erklärte der Teambesitzer: „Mick kostet uns ein Vermögen und hat viele Autos zerstört. Das ist Geld, das wir nicht haben. Wenn du Verstappen bist und regelmäßig Punkte holst, kann man damit umgehen. Nicht aber, wenn du hinten bist und das Auto ruinierst, da wird es schwierig.“ Das klingt nicht nach einem aufrechten Vertrauensverhältnis.

Während Haas im Vorjahr früh die Entwicklung einstellte und sich auf die heurige Saison mit dem neuen Auto konzentrierte, lief es für die Amerikaner nun besser: Der nach dem Rausschmiss von Nikita Mazepin eilig ins Team geholte Ex-F1-Pilot Kevin Magnussen trat auf, als wäre er nie weggewesen und holte bisher 22 Punkte, während Schumacher erst in Großbritannien (Achter) und dann in Österreich (Sechster) seine ersten Zähler erreichte. Etwas wenig für die Teamführung. Schumacher war in den Nachwuchsklassen im zweiten Jahr immer top (2018 Formel-3-Meister, 2020 Formel 2), doch im zweiten F1-Jahr war die Steigerung wesentlich geringer.

Erfahrene Piloten gefragt

„Haas braucht zwei erfahrene Piloten, um vorwärts zu kommen“, befand jüngst Ex-Weltmeister Damon Hill und sprach sich für Schumachers virtuellen Rivalen Nico Hülkenberg aus. Der Landsmann, seit 2021 TV-Experte bei Servus, hat 181 Rennen Erfahrung in der Topklasse und überzeugte seit dem Ausscheiden bei Renault (2019) als aushelfender Ersatzmann bei Racing Point (2020) und Aston Martin (2022). Doch auch der frühere Alfa-Sauber-Pilot Antonio Giovinazzi, der für Haas ebenfalls Freitag das erste Training bestritt, steht zur Diskussion. Der aus Meran stammende Teamchef Günther Steiner gab sich bis zuletzt in der Fahrerfrage bedeckt: „Wir überlegen, was das Beste für die Entwicklung des Teams ist. Schauen wir nur auf die Technik oder auch das fahrerische Element? Ich sage ehrlich, wir wissen nicht, ob Mick (Schumacher) bleiben wird oder nicht. Er hat in Kanada, England und Österreich sehr gute Rennen geliefert. Ihm fehlt aber die Konstanz, er müsste öfters starke Leistungen bringen.“

Schumacher, der vor Austin auf der Ranch seiner Eltern in Gordonville nördlich von Dallas Kraft tankte, gibt sich weiter zuversichtlich: „Das Layout des COTA sollte zu unserem Auto passen. Die vergangenen Rennen waren schwierig, wir hatten kein Glück. Ich hoffe, das ändert sich jetzt beim Heimrennen.“   GK

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