
Die neue Lockerheit
In einem sehr persönlichen Gespräch verrät Katharina Liensberger (27) ihre Gedanken über die bevorstehende WM-Saison und blickt zurück auf ihre ersten Schwünge im Ski Weltcup.
Dornbirn Noch ein paar letzte Tage in der Heimat genießen und dann voller Fokus auf den Saisonstart im Alpinen Ski-Weltcup am 26. Oktober in Sölden. Damit endet für Katharina Liensberger eine weitere Sommervorbereitung mit vielen Konditionstrainings und einem vierwöchigen Argentinien-Aufenthalt, wo die ÖSV-Läuferin nicht das erste Mal in Ushuaia mit dem Team die ersten Schwünge für die WM-Saison im Schnee zog. Vieles schon Routine für die 27-Jährige und dennoch war der Sommer 2024 ein spezieller. Darüber und auch über Erinnerungen sowie Erwartungen sprach die Göfnerin in lockerer Atmosphäre mit den VN über . . .

. . . das erste Weltcuprennen? Das bleibt immer in Erinnerung. Es war ein wunderschöner Wintertag (Anm. d. Red.: 12. Jänner 2016), es hat geschneit und ich habe irgendeine Startnummer über 60 gehabt. Ich bin mit meinen zwei Paar Ski angereist und habe meine Nervosität gespürt. Es war ja ein Heimrennen und ein spektakulärer Hang (Anm. d. Red.: Flachau) und ich wollte mein Bestes geben. Am Start dann habe ich die Wannen zwischen den Toren gesehen, die einfach nur riesig wirkten und ich habe mir nur gedacht: ,Kathi, genieß es’. Es hat dann nicht für den zweiten Durchgang gereicht, doch ich habe es wirklich genießen können, auch wenn es ein wilder Ritt war. Im Ziel waren meine Gedanken nur: , Einfach cool, das will ich öfter erleben’. Es war alles neu für mich. Die vielen Zuschauer, die ersten Interviews, ich war noch so unerfahren.
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. . . Entwicklung? Natürlich habe ich in all den Jahren viel dazulernen dürfen und bin durch gewisse Herausforderungen gewachsen, auch in persönlicher Hinsicht. Immer wieder an dieselben Orte zu kommen und Abläufe zu kennen, vermittelt mir eine gewisse Ruhe und Sicherheit. Daraus kann ich Kraft schöpfen.

. . . ihr Tanzvideo? Tanzen verfolgt mich schon seit meiner Kindheit. Ich erinnere mich an meine Erstkommunion, als jedes Kind in der Kirche etwas vorgeführt hat. Ich habe damals meinen Radio vorgestellt und dazu getanzt. Tanzen hat für mich viel mit Bewegung zu tun. Es ist schön, den eigenen Rhythmus zu spüren. Es tut mir gut, Tanzbewegungen auf die Skier zu transportieren, die Lockerheit zu haben. Dementsprechend ist es für mich ein toller Ausgleich.
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Lehrgang für Sportmanagement
Neue Wege hat Liensberger im Sommer nicht in ihren Trainingsalltag integriert. So hat die Göfnerin ein Sportmanagement-Studium auf der Universität in St. Gallen begonnen. “Es hat gut getan, neue Perspektiven kennenzulernen”, blickt die Olympiasiegerin von Bejing 2022 auf eine spannende Zeit, die “vom Umfang her überschaubar” war, zurück. In geistiger Hinsicht auf eine neue Art gefordert zu werden, hat ihr neue, interessante Perspektiven eröffnet. Dazu zählen für sie auch die Studientage mit vielen ehemaligen Sportlern. “Es war wirklich eine Bereicherung”, erzählt Liensberger. Gleichzeitig erteilt sie möglichen Spekulationen über eine “Karriere danach” eine klare Absage. Zu sehr liebt sie ihren Sport, zu sehr strebt sie nach der Perfektion und zu sehr haben die konstanten Leistungen in den Slaloms des Vorwinters ihren Ehrgeiz nach mehr geweckt.

. . . neue Lockerheit? Durch die Nervosität, vielleicht sogar Schüchternheit, wirkt es vielleicht so, nicht locker zu sein. Da hilft natürlich die Erfahrung und das Wissen, alles für mich mögliche getan zu haben. So kann ich mit einer gewissen Lockerheit an den Start gehen. Und dann fühlt es sich oft wie tanzen und fliegen an , , , getreu meinem Motto: Believe, fly, achieve.

So richtig genossen hat die dreifache Siegerin von Weltcupslaloms auch ihre “veränderte Rolle” während der Fußball-EM. “Normalerweise stehe ich ja auf der Bühne und so konnte ich einmal völlig entspannt eine Großveranstaltung miterleben.” Beeindruckt zeigte sich Liensberger von der Atmosphäre in den EM-Stadien. Auf eine solche hofft sie auch im Februar, wenn in Saalbach die Alpine Heim-Weltmeisterschaft über die Bühne geht. Zumal sie sich bereit fühlt, bei dieser wieder in eine Hauptrolle zu schlüpfen. Ihr voller Fokus vor Saisonbeginn ist jedenfalls in Richtung Ski-WM gerichtet, wohlwissend um all die Qualifikationshürden.

. . . Großereignisse? Es ist natürlich wichtig, sie (Anm. d. Red.: Ski WM 2025 in Saalbach, Olympische Winterspiele 2026 in Cortina d’Ampezzo) im Hinterkopf zu haben. Ich versuche einfach jeden Tag das Beste aus mir herauszukitzeln und Schritt für Schritt nach vorn zu schauen.

. . . Erfolge bzw. Misserfolge? Es ist immer schwieriger, sich für etwas zu rechtfertigen, was man selbst nicht will. Wichtig ist, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Dafür braucht es wieder die von mir zuvor angesprochene Ruhe. Positiv vorauszublicken und nicht im Negativen zu verharren, sind für mich schon entscheidende Sachen, die ich in den vergangenen Jahren lernen durfte. Es ist immer schöner, Interviews zu geben, wenn es gut läuft. Ich sage immer, wenn es keine Niederlagen gäbe, würde es auch keine Höhepunkte geben. Es ist natürlich extrem schwierig zu dem Zeitpunkt, wenn es nicht läuft. Umso schöner ist das Gefühl, wenn sich die Erfolge wieder einstellen, wenn man zurückblickt und genau weiß, was es alles braucht.
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. . . Erwartungen für die neue Saison? Natürlich gibt es die angriffslustige Katharina, heißt, ich weiß genau, was meine Ziele sind. Diese jetzt zu äußern bringt nichts, wichtig ist, sie stets im Hinterkopf zu behalten. Ich glaube, durch die kleinen Ziele auf dem Weg, kann dann das Gesamtziel entstehen. So will ich auch die Saison angehen.

. . . das persönliche Gefühl nach der Vorbereitung? Es ist schwierig, jetzt schon die richtigen Schlüsse zu ziehen. Mir ist natürlich bewusst, dass noch ein paar ,Rädchen’ gedreht werden müssen. Schlussendlich weiß ich, dass ich gut Skifahren kann, wenn es mir gelingt, die Schwünge so zu fahren, wie ich es mir vorstelle. Dann spüre ich den Zug, die Geschwindigkeit und den Ski unter mir. Je mehr dieser Schwünge mir gelingen, umso besser wird das Ergebnis sein.

. . . Sölden? Es ist Jahr für Jahr spannend, nicht zu wissen, wo steht man selbst, wo die Konkurrenz. Wichtig ist, den Fokus nicht zu sehr auf andere, sondern auf sich selbst zu richten. Zu versuchen, das eigene Limit alljährlich zu steigern und sich dann mit den anderen zu messen, das macht Sölden aus.

. . . Veränderungen in der Ski-Abstimmung? Nichts Gravierendes. Es ist gewohntes Material, dafür bin ich Rossignol sehr dankbar. Letzte, kleine Details stimme ich mit meinem Servicemann ab,