“Bin ja nicht als Tourist da”

Sport / 03.03.2025 • 15:07 Uhr

So will Altach-Oldie Alex Gorgon (36) Entscheidendes zum Ligaerhalt der Rheindörfler beitragen.

Wien Die 0:5 Abfuhr bei Rapid in einem Spiel, das lange auf der Kippe stand, war für Altach natürlich bitter. So richtig ans Eingemachte geht es für den Tabellenletzten jedoch erst nach der Punkteteilung. Einer, der mit seiner Routine entscheidend mithelfen soll, ist Alexander Gorgon. Mit 36 Jahren und vier Monaten der zweitälteste Bundesliga-Spieler, der dieses Frühjahr zum Einsatz kam. Nur Marco Perchtold vom GAK ist noch ein Monat älter. Im VN-Interview verrät Gorgon, was ihn Richtung Klassenerhalt zuversichtlich stimmt und warum er noch nicht ans Karriereende denkt.

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Alex, du bist der zweitälteste Bundesliga-Spieler. Wie groß war die Skepsis wegen deines Alters?
Es macht mich sehr froh und stolz, dass ich Altach trotz meines Alters überzeugt habe, dass sie mich holen. Natürlich hat auch mein, mittlerweile sehr guter, Freund Benedikt Zech, mit dem ich bei Stettin gespielt habe, einiges beigetragen. Er hat viel Werbung für mich gemacht. Ich bin der Meinung, dass ich noch viel helfen kann. Ich brauche jetzt noch Spiele von Anfang an, damit ich richtig auf Touren komme. Ich fühle mich dynamisch und denke noch nicht ans Aufhören.

Du bist ein ganz anderer Spielertyp als noch vor neun Jahren bei der Wiener Austria – spielst jetzt zentral und verteilst die Bälle.
Man hat mich damals bei der Austria als Flügelspieler abgestempelt und mir immer eingeredet, die Seite wäre meins. Damit war ich aber nie richtig happy. Ich habs halt immer schon etwas andere interpretiert und bin in die Mitte ausgewichen. In Polen hab ich dann vor allem unter Trainer Kosta Runjaic diese zentrale Rolle eingenommen, wo ich mich jetzt extrem wohl fühle. Wenn das schon früher ein Trainer gesehen hätte, wäre meine Karriere vielleicht noch etwas anders verlaufen. Ich fühle mich in der Mitte pudelwohl.

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Überzeugt vom Klassenerhalt, Alexander Gorgon. gepa

Wie siehst du das Niveau der Bundesliga im Vergleich zu früher?
Es hat sich extrem verändert. Es ist eine richtige Pressingliga geworden, dadurch dass Salzburg das so vorgelebt hat. Die polnische Liga ist vom Charakter ganz anders, dort wird nicht so wild angelaufen die ganze Zeit, dafür spielen alle von hinten heraus. Es ist sehr ausgeglichen, eine große interessante Liga. Sie hat viel Spaß gemacht, war aber auch sehr fordernd.

Trotz des bitteren 0:5 gegen Rapid. Was macht dich zuversichtlich, dass ihr heuer den Klassenerhalt schafft?
Ich hab in den letzten Wochen gesehen, was für Qualität in der Mannschaft steckt. Wir brauchen uns nicht verstecken. Es ist weit weg von einem Kick&Rush-Fußball. Wir wollen einen kontinuierlichen Aufbau versuchen, das hat man bei einigen guten Aktionen gesehen. Es hat gegen Rapid echt nicht viel gefehlt, dass es vielleicht in eine andere Richtung geht, auch wenn sich das bei einem 0:5 blöd anhört. Ich glaube extrem an die Mannschaft.

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Erste Halbzeit habt ihr nicht ausgesehen, wie ein Absteiger, zweite Halbzeit jedoch schon.
Das war bitter. Freilich können wir als Altacher nicht die großen Punkte gegen die Mannschaften ganz oben erwarten. Auch wenn etwas zu holen war, so kaltschnäuzig sind wir als Mannschaft noch nicht. Wir müssen die Punkte gegen unsere Tabellennachbarn machen. Deshalb kann für uns nur gelten: Mund abputzen. Jetzt kommt das schwierige Spiel gegen Salzburg. Danach wird es schon wieder extrem interessant, mit Klagenfurt und den Play-off-Spielen.

Wie gefällt es Dir in Vorarlberg?
Es ist ein sehr schönes Fleckerl Erde. Der Frühling und Sommer wird sicher wunderbar mit Bodensee und so. Ich bin aber nicht als Tourist da, ich will Altach wirklich helfen, dass wir oben bleiben. Das hat sich jeder im Verein verdient. Das sind alles ehrliche Charaktere, die hier arbeiten. Altachs Clubspitze führt den Verein nach bestem Wissen und Gewissen.

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Wie geht es deiner Familie?
Sie ist bis Sommer noch in Polen. Meine Kinder gehen dort in eine International School, ich wollte sie da nicht rausreißen. Wir vermissen uns schon sehr, waren wir doch noch nie so lange getrennt. Sohn Mateo kickt auch schon, er spielt in Stettin, Tochter Mila ist so wie die Mama Reiterin und sehr pferdenarrisch. Bei uns ist deshalb alles von Montag bis Sonntag voll durchgeplant. Christoph König