
Weit mehr als nur ein Moment zum Einrahmen
Magdalena Egger nach dem ersten Weltcup-Podestplatz voller Glückshormone.
St. Moritz 26, 31, 25, 25, 31, 18, 2 – all das ist kein Geheimcode, sondern vielmehr alle bisherigen Weltcupplatzierungen von Magdalena Egger in der Abfahrt. Und so erlebte die 24-Jährige vom SC Arlberg am 12. Dezember 2025, bei tiefblauem Himmel und warmen Temperaturen im Bergpanorama von St. Moritz, einen Tag, der laut ihren Worten “mehr als nur ein Moment zum Einrahmen” war.
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Verständlich deshalb der Jubel der einstigen, sechsfachen Juniorenweltmeisterin im Ziel, als sie mit Startnummer 27 ins Rennen gegangen war und die 2 (!) aufleuchten sah. Als einziger Läuferin im 61 Starterinnen umfassenden Feld gelang es Egger, den Rückstand auf die souveräne Siegerin Lindsey Vonn unter einer Sekunde (+0,98) zu halten.

Selbst bei ihren Interviews danach war Egger voller Adrenalin, als sie verriet: “Es ist ein absoluter Meilenstein in meiner Karriere. Mein erster Weltcup-Podestplatz. Das werde ich nie vergessen.” Sensation oder nicht, das wollte Egger, deren bisher beste Weltcup-Platzierung ein 18. Rang bei der Abfahrt in Kvitfjell (1. März 2025) war, gar nicht überlegen. Pikant dabei: Damals teilte sie ihre Platzierung mit Mirjam Puchner, in St. Moritz verwies sie nun Puchner um 18 Hundertstel auf Rang drei.

“Ich habe vor dem Start mitbekommen, dass Lindsey ganz weit vorne ist und es ab dem Zeitpunkt ein ganz neues Rennen ist. Mir war bewusst, dass die Strecke wenig Fehler verzeihen wird.” Dabei war alles angerichtet für die Abfahrerinnen: “So ein Tag lässt unser aller Herzen höherschlagen”, verriet die Lecherin. “Ich habe auch gewusst, dass es ganz viel Mut braucht, Vertrauen in mein Skifahren und einen guten Plan. Das habe ich durchgezogen.. .” Der Plan war ein guter, wie es sich später herauskristallisieren sollte. Für Egger ein Produkt einer guten Vorbereitung, in der “ich viel Vertrauen gewinnen konnte und viele Aha-Erlebnisse hatte”. Dementsprechend hatte sie sich für diese Saison schon ein paar “positive Ausreißer” zugetraut. “Unglaublich aber, dass es gleich beim ersten Rennen so funktioniert.”

Im Gespräch verriet Egger zudem, dass es für sie nicht so leicht war, nach all den Erfolgen im Juniorenbereich Fuß zu fassen, weil: “Zum Zeitpunkt meiner Erfolge (Anm. d. Red.: 2020, 2021, 2022) war ich noch nicht einmal im Europacup im Speedbereich etabliert. Weil ich erst wenige Speedtage in den Beinen hatte.” Und so zieht Egger mit der Erfahrung von nunmehr 31 Weltcuprennen einen interessanten Vergleich: “Wer in der Volksschule gut ist, wird in der Hauptschule nicht automatisch eine Klasse überspringen. Es muss sich Schritt für Schritt entwickeln. Deshalb hatte ich trotz der Erfolge im Juniorenbereich noch sehr viel zu lernen. Es ist einfach im Weltcup etwas ganz anderes als im Europacup oder bei FIS-Rennen. Das Niveau, die Ansprüche, die Anforderungen sind andere. Deshalb habe ich für mich einige Zeit gebraucht.”

Zeit ist auch das Stichwort für Nina Ortlieb, die sich nach ihrem Comebackrennen in Angriffslaune präsentierte. “In Summe darf und muss ich zufrieden sein. Aber mit einer Sicherheitslinie da und dort reicht es einfach nicht nach ganz vorne.” Dabei zeigte die mit Nummer eins gestartete Oberlecherin eine mehr als solide Fahrt, die am Ende mit dem elften Top-Ten-Ergebnis in einer Weltcup-Abfahrt belohnt wurde. Für heute will die 29-Jährige vor allem kurz nach der Zwischenzeit, wenn es ins Steilere hineingeht, die Position besser halten. “Da war ich zu aufrecht.” Wichtig für Ortlieb vor allem: Sie ist fit und sie ist in Schlagdistanz mit den Besten.

Versöhnung ist vollzogen
Eine “Versöhnung” mit St. Moritz feierte Ariane Rädler. Nach den Rängen 31, 30 und 16 bei ihren bisherigen vier Starts verpasste sie als Elfte einen Top-Ten-Rang nur um sechs Hundertstel. Zufrieden war sie vor allem, weil sie sich gegenüber dem Training steigern konnte. “Ich bin sicherlich besser Ski gefahren und kann morgen befreit ins Rennen gehen. Ein Fehler im unteren Teil ärgert mich dennoch, weil ich da viel Speed verloren habe.”

Mit der Auerin Victoria Olivier (21) sowie der Montafonerin Emily Schöpf (25) verpassten zwei Ländle-Damen Punkteränge. Erstere kam in ihrer zweiten Weltcup-Abfahrt auf Rang 42, knapp vor Schöpf (43), die ihr sechstes Rennen bestritt.
