Weit mehr als eine Zahl

Allein deshalb ist das Spiel der Austria beim FAC etwas Besonderes für Domenik Schierl.
Lustenau Wenn Domenik Schierl auf dem engen FAC-Platz sein “Revier”, sprich seinen Fünfmeterraum, absteckt, dann tut er das heute zum 200. Mal im Dress der Lustenauer Austria. Nicht nur für den 31-Jährigen selbst ein besonderer Moment, auch den Fans ist “ihr Torhüter” längst Religion. Dabei war der Start von Schierl im Trikot der Grün-Weißen gar nicht so einfach. Als er 2019 von Wr. Neustadt nach Lustenau wechselte, war für ihn die Position zwei in der Torhüter-Hierarchie vorgesehen. Der damalige Coach Gernot Plassnegger vertraute damals dem Deutschen Kevin Kunz, Schierl musste sich mit dem ÖFB-Cup begnügen, zudem plagten ihn Knieprobleme.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
Admiral 2. Liga
22. Spieltag
Floridsdorfer AC Wien vs SC Austria Lustenau Freitag
Wien-Floridsdorf, FAC-Platz, 20.30 Uhr, SR Jakob Semler (ST)
ORF Sport+ überträgt die Partie live
“Keine leichte Zeit”, sagt er heute. Erst durch den Trainerwechsel – Roman Mählich löste im September 2019 Plassnegger ab – stieg Schierl zur Nummer eins auf. Eine Rolle, die ihm auf den Leib geschneidert war. Denn mit seiner Impulsivität, seiner Art, das Tormannspiel zu interpretieren, hat er diese Position nicht nur bis heute inne, er ist inzwischen für die Fans zur Kultfigur aufgestiegen. Neben Kapitän Matthias Maak (33) und Mittelfeldmann Pius Grabher (32) ist er das “Gesicht” der Mannschaft.

Reifer, aber immer noch emotional
Inzwischen, so sagt er von sich, sei er reifer und ruhiger geworden. Seine Emotionalität jedoch kann und will er nicht ablegen. “Das bin ich eben. Manchmal sage ich Dinge, die ich vielleicht lieber nicht gesagt hätte. Aber aus der Emotion heraus musste es eben sein.” Schierl ist sich treu geblieben, auch wenn er in seiner Zeit nicht weniger als zwölf verschiedene Trainernamen, inklusive Interimstrainer, kennenlernen durfte. “Ja, es macht mich schon stolz, diese Zahl. Das ist ein Beweis für meine Konstanz und bestätigt mich auf meinem Weg.
Diesem folgte er auch stets bei Angeboten anderer Clubs. “Irgendwie”, sagt er, “fühle ich, dass meine Mission hier in Lustenau noch nicht beendet ist.” Genau deshalb hat er dem Club auch in schweren Zeiten die Treue gehalten und genau deshalb ist sein erklärtes Ziel der Wiederaufstieg in die Bundesliga. Denn die Bilder von Horn, als die Austria im Frühjahr 2022 den Aufstieg in die höchste Spielklasse fixierte, sind bei ihm noch omnipräsent. Und so will er sich seinen “großen Traum” erneut erfüllen. Zumal er sich topfit fühlt und in körperlicher Hinsicht vom vielleicht “besten Schierl aller Zeiten” spricht. Und das gut sechseinhalb Jahre nach seiner Ligapremiere für die Austria – am 3. November 2019 gegen FC Wacker (2:3).

In Lustenau also dauerte es, sein Umstieg vom Jugend- zum Erwachsenenfußball hingegen vollzog sich rasch. Ausgebildet in der Red-Bull-Akademie, war er bei seinem Debüt in Liga 2 als Torhüter des FC Liefering gerade einmal 19 Jahre alt. Nur 13 Monate später debütierte er im Dress von Wr. Neustadt in der Bundesliga.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.
Heimvorteil spricht für die Austria
Heute ist Schierl der Torhüter mit den meisten Einsätzen für die Austria, noch vor Mario Krassnitzer (196) oder Martin Unger (166). Mit heute steigt der Salzburger in den elitären Club jener Austria-Spieler mit 200 oder mehr Spielen für Grün-Weiß. Schierl ist damit die Nummer sieben in der Rangliste, die von Harald Dürr (444) angeführt wird. In puncto Einsatzminuten rangiert er sogar auf Platz fünf. “Ganz so viel kann ich nicht falsch gemacht haben”, sagt er mit einem Lächeln, um jedoch sofort wieder fokussiert zu sein. Denn auf den Torhüter und seine Vorderleute wartet heute das Topspiel der Runde. Punkte beim Tabellenzweiten FAC wären im Titelkampf doppelt wichtig. Er selbst ist positiv und hat auf die Frage nach dem Vorteil für die Austria im Titelrennen sofort eine Antwort parat. “Wir haben danach die entscheidenden Spiele allesamt zu Hause.”