Das Kollektiv ist die Basis für besondere Momente

Ein klares Zeichen von Altachs Trainerbank an die Mannschaft: Gegen Sturm vier Offensivspieler eingewechselt.
Altach Es war das sichtbare Zeichen eines emotional geladenen Fußballabends im Schnabelholz, als die Mannschaft auf ihrer Ehrenrunde erst den verdienten Applaus von der VIP-Tribüne abholte und danach vor der Fantribüne tanzte. Der 3:1-Cupsieg nach Verlängerung ließ trotz Temperaturen um die Null Grad niemanden kalt, schon gar nicht den Chefcoach. Auch Ognjen Zaric spürte die Energie von den Rängen, sog sie in sich auf – und sprach selbst am Tag danach noch von einer “Riesenstimmung”.

Seine Schützlinge hatten Historisches geschafft. Hatte die Mannschaft doch 7258 (!) Tage nach dem ersten Cupsieg (2:0) über Sturm den aktuellen Meister erneut in einem Heimmatch aus dem Bewerb gekickt. Erstmals steht der SCR Altach damit im Halbfinale, 2006 war man ins Viertelfinale eingezogen. Hießen damals die Protagonisten Alex Guem, Oli Schnellrieder, Dario Baldauf oder Enrico Pfister, so ließen dieses Mal Lukas Jäger, Dejan Stojanovic, Filip Milojevic, Benedikt Zech, Sandro Ingolitsch und Co. ihren Gefühlen freien Lauf. Für Letzteren hatte Zaric ein Extralob parat: “Er hat die Situation, ein Spiel gegen seinen Bruder zu bestreiten, sehr gut und extrem professionell gelöst.”

Wichtige Erkenntnisse
Zuvor erst dreimal als Zuschauer persönlich im Stadion, freute sich Altachs Chefcoach über eine perfekte Umsetzung des Spielplans. “Wir wollten aggressiv auftreten gegen Sturm, wollten den Gegner hoch pressen. Wohl wissend, dass dies gegen eine Mannschaft mit der Qualität des aktuellen Meisters nicht über die volle Spielzeit gelingt.” Und so war es die Art und Weise des Sieges, die bei Zaric ebenfalls Glückshormone freisetzte. Jetzt, so der 37-Jährige, gelte es, “das Momentum mitzunehmen”, aber “uns auch im Klaren zu sein, dass wir für so eine Leistung jeden Tag bis zum Anschlag gehen müssen”. Sobald das nicht der Fall ist, sei es im Training oder im Spiel, “wird es schwer für uns”. Und, so Zaric: “Der Hunger muss bleiben”.
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Damit führt er die Aufbauarbeit von Ex-Trainer Fabio Ingolitsch nicht nur fort, sondern verfeinert sie mit punktuellen Nuancen. Der zum SK Sturm gewechselte Coach hingegen musste bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte feststellen, wie ihn die eigenen Worte eingeholt hatten. “Wir möchten zu Hause eine Macht werden, die Gegner sollen nicht gerne zu uns kommen”, hatte Ingolitsch im Herbst seinen Spielern immer wieder mit auf den Weg gegeben – und: “Wir wollen eklig sein für den Gegner.”

Doch es waren weit mehr als diese Attribute, die Altach den verdienten Lohn nach 120 Spielminuten einsacken ließen. Zaric hob die mentale Stärke ebenso hervor wie den Zusammenhalt der gesamten Mannschaft. Hatte der Coach doch schon im Vorfeld stets das Kollektiv als sichtbares Zeichen des “neuen Altach” hervorgehoben. “Für uns ist wichtig, die Basics extrem gut zu machen und als starke Gemeinschaft aufzutreten. Dann können Spieler wie dieses Mal Greil oder Massombo ihre besonderen Momente ausleben und ihre individuelle Qualität zeigen.” Diese Mentalität könne zu einem Markenzeichen für den Club werden. “Es wird uns nicht immer in diesem Ausmaß gelingen”, weiß auch Zaric den Sieg sachlich einzuordnen. “Es ist ein Spagat und ein Prozess, an dem Tag für Tag gearbeitet werden muss.” Doch gerade gegen Sturm hat sich gezeigt, dass Altach erste Fortschritte in puncto Ballbesitz, Positionsspiel und Restverteidigung erkennen ließ. Was im Gegenzug bei Graz-Coach Fabio Ingolitsch sichtlich Spuren hinterließ. “Wir müssen ganz viel, wenn nicht alles, hinterfragen und ganz klar herausfinden, welche Spieler die richtigen sind”, analysierte der 33-Jährige nach der Niederlage
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Linksfuß dringend gesucht
Schon SCRA-Sportchef Philipp Netzer hatte in “Live aus dem Stadion” die Suche nach einem Linksverteidiger thematisiert – und auch Trainer Zaric hofft noch auf einen Neuzugang. Umso mehr, weil in den Topligen wie in England, Deutschland und Frankreich das Transferfenster nun zu ist. “Da ist die Chance größer auf einen Spieler, der nicht untergekommen ist.”

Aktuell beschäftigen ihn aber auch die Verletzungen von Ousmane Diawara (26) und Marlon Mustapha (“Er ist umgeknickt, das kann durchaus Tage dauern”). Bei Ersterem soll ein MR-Bild des Knies heute neue Aufschlüsse bringen.