Wenn Olympia für ein absolutes Novum sorgt

Alessandro Hämmerle (32) erwartet physisch fordernden Kampf um Edelmetall.
Gaschurn-Livigno Sotschi, Pyeongchang, Peking und nun Cortina/Milano – für Alessandro Hämmerle sind es die vierten Olympischen Winterspiele. Für die sportverrückte Familie Hämmerle aus Gaschurn Grund genug, um für ein absolutes Novum zu sorgen. Als sich die Eltern Caterina und Hanno Hämmerle gestern ins Auto Richtung Livorno setzten, überkam sie ein “komisches Gefühl” (Caterina). “Es ist das erste Mal, dass wir im Winter unser Haus (Anm. d. Red.: Pension Rudolph) zusperren.


Vier Tage, dann ist wieder offen”, schmunzelt Caterina und erzählt, dass ihr Mann vor ein paar Tagen dem etwas kränkelnden “Izzi” auch dank einer Hühnersuppe wieder auf die Beine half. Während der Renntage wohnen die Hämmerles im Hotel Albana in Silvaplana, das von der Familie Bosshard geführt wird. Daniel Bosshard hatte mit Hanno den diplomierten Hotelier gemacht und als Göte „Gino“ das „erste Snowboard geschenkt“ (Caterina).

Am Donnerstag wird es für Alessandro Hämmerle ernst. In der Qualifikation (10 Uhr) geht es für ihn zunächst darum, sich eine möglichst gute Ausgangsposition zu sichern, ehe in den Finalläufen des 32er-Feldes (13.45 Uhr) die Medaillen vergeben werden. Als Olympiasieger von Peking zählt der 32-Jährige auch in Livigno zum Favoritenkreis.
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Die Formkurve zeigt nach oben
Das Selbstvertrauen bei Österreichs SBX-Aushängeschild passt. Bei der Weltcup-Generalprobe im chinesischen Dongbeiya belegte “Izzi” Rang zwei hinter seinem Teamkollegen Jakob Dusek und unterstrich damit seine gute Form unmittelbar vor den Spielen. Eine Erkältung hatte ihn in der Vorwoche noch gebremst, inzwischen scheint er jedoch wieder im Rhythmus zu sein. “Fahrerisch passt alles”, zeigte sich Hämmerle im VN-Gespräch zuletzt zuversichtlich. Nun gilt es, dies auf der Olympiabühne umzusetzen.

Anspruchsvoller Kurs
Doch der Olympiakurs im Livigno-Snowpark stellt nicht nur ihn vor eine besondere Herausforderung. Mit einer Laufzeit von rund 1:10 Minuten ist die Strecke deutlich länger als jene zuletzt im Weltcup. Schon nach den ersten Trainingsfahrten war klar, dass über die gesamte Distanz gearbeitet werden muss. “Die erste Fahrt war brutal streng”, hatte Hämmerle nach dem Auftakt erklärt. Die Charakteristik der Strecke kommt dem Montafoner jedoch entgegen. “Es ist eine Strecke, wo man für die Geschwindigkeit arbeiten muss”, analysierte er. Große Elemente, lange Geraden und hohe Wellen prägen den Kurs. Vor allem die “kinnhohen” Wellen nach der Startpassage hätten es in sich. “Da kann man den Körper ein bisschen spielen lassen”, schmunzelt Hämmerle. In ihrer Grundstruktur bringe die Strecke alles mit, was ein moderner Crosskurs brauche.

Starke Konkurrenz
Neben Hämmerle stehen mit Jakob Dusek, Lukas Pachner und David Pickl drei weitere Österreicher am Start. “Wenn man den besten Snowboard-Crosser der letzten Jahre im Team hat, kann man sich da nur selbst pushen”, streute der ebenfalls zum Kreis der Medaillenanwärter zählende Niederösterreicher “Izzi” im Vorfeld Rosen. Auch international ist das Feld stark besetzt. Mit dem Kanadier Eliot Grondin, dem Australier Adam Lambert sowie den französischen Brüdern Jonas und Aidan Chollet wartet hochkarätige Konkurrenz. Grondin, der sich bereits in Peking nach einem Fotofinish knapp gegen Hämmerle geschlagen geben musste und Silber holte, präsentierte sich in den Trainings in guter Verfassung. “Der ist heiß”, meinte Dusek. “Er ist für mich der große Favorit.” cha-wak