Altachs vorzeitiger Klassenerhalt: “Es ist so viel Druck, der abfällt”

Sport / 09.05.2026 • 22:02 Uhr
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Glückliche Gesichter: Altach erspart sich eine Zitterpartie am letzten Spieltag. GEPA

Ein Sieg beim GAK wird noch aus der Hand gegeben – egal. Zaric: “Für mich zählt nur, dass wir die Liga gehalten haben.”

Graz Die ganz großen Jubelstürme blieben mit dem Schlusspfiff aus. Manche – wie Abwehrchef Benedikt Zech – waren sich noch unsicher ob der Bedeutung des eigenen Ergebnisses, manche einfach leer ob der Erleichterung und des Drucks, der von ihnen fiel. Der SCR Altach wird auch in der kommenden Saison in der Bundesliga spielen. Um den Klassenerhalt zu fixieren, reichte den Rheindörflern ein 2:2 beim GAK. “Für mich zählt nur, dass wir die Liga gehalten haben”, sagte Trainer Ognjen Zaric nach dem Spiel. Auch er wirkte zufrieden, aber nicht euphorisch.

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Das mag auch daran liegen, dass der GAK die Partie in den Schlussminuten doch noch einmal spannend gemacht hatte. Einen 0:2-Rückstand egalisierten die Grazer durch Tore von Daniel Maderner (88.) und Murat Satin (90./+8) spät, ein weiteres Tor hätte den Gastgebern den Klassenerhalt gebracht und Altach hätte weiter zittern müssen. Es blieb ein hypothetisches Szenario. Dass es überhaupt so weit kommen konnte, regte die Akteure auf Altacher Seite hingegen auf.

Premier-League-Verhältnisse

“Ich habe dieses Jahr fast jedes Spiel in Österreich geschaut – acht Minuten Nachspielzeit sehe ich in der Premier League, nicht in Österreich. Keine Ahnung, wie der Schiedsrichter darauf kommt”, sagte Vesel Demaku. “Man macht es unnötig spannend”, sagte auch Zaric. “Mit den acht Minuten Nachspielzeit bin ich gar nicht einverstanden. Da geht es mir um eine sachliche Kritik: Es gab eine VAR-Intervention und sonst gar nichts.”

Den Videoschiedsrichter brauchte es bei einer Rettungsaktion von Tormann Dejan Stojanovic, der GAK-Angreifer Ramiz Harakaté umgrätschte (63.) – dabei allerdings den Ball spielte. Elfmeter gab es keinen, sondern einen Schiedsrichterball. Generell stand der Unparteiische Isa Simsek öfters im Mittelpunkt. Die Partie war hitzig, es ging um viel – und obendrein waren die Verhältnisse äußert widrig.

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Wie beim Planschen: Ist das noch Fußball? GEPA

Direkt vor dem Aufwärmen prasselte ein Regenschwall auf Graz nieder, der bis zur Halbzeitpause auch kaum schwächer wurde. Phasen- und zonenweise rollte der Ball gar nicht mehr wirklich, Dribblings und flache Bälle waren zum Scheitern verurteilt. “Es hat gar keinen Spaß gemacht”, meinte Demaku. Der Platz sei eigentlich in einem guten Zustand gewesen – die Regenmassen konnte er so schnell aber nicht schlucken. Demaku sagte: “Mir tut es fast ein bissl leid für jeden, der heute hergekommen ist – das war ja kein Fußballspiel.” Auch trotz des schwierigen Terrains befand Trainer Zaric: “Wir haben es heute den Umständen entsprechend richtig gut gemacht.”

Greil ganz grandios

Mehr als nur richtig gut war der Führungstreffer von Patrick Greil. Altachs Zauberer ließ seine Magie wieder einmal zur Entfaltung kommen, zog nahe der linken Auslinie ab, weil er sah, dass GAK-Tormann Franz Stolz etwas zu weit vor dem Tor stand – er überhob diesen traumhaft und traf via Latte und Pfosten ins Tor. “Der heilige Greil!”, scherzte Zaric: “Sensationell!” In der Anfangsphase war Greil noch an Stolz gescheitert, Zaric hatte ihm gesagt, dass er noch eine Chance bekommen werde. “Die hat er sich dann selbst kreiert. Ein unglaubliches Tor, eines der besten, das ich live miterlebt habe.”

Altachs vorzeitiger Klassenerhalt: "Es ist so viel Druck, der abfällt"
Ich war das: Patrick Greil erzielte ein Tor, wie nur wenige es können. GEPA

In der 59. Minute legte Vesel Demaku nach, platzierte einen Schuss aus 20 Metern humorlos im Eck. Für ihn war es der zweite Saisontreffer – und der zweite innerhalb weniger Tage. Bereits im Cupfinale gegen den LASK vor acht Tagen war er erfolgreich. “Die Jungs ziehen mich immer auf, dass ich kein Goalgetter bin. Ich sag ihnen immer, dass ich gar keinen so schlechten Schuss habe – aber ich schieße eigentlich nie. Die letzten Wochen hat das nicht so schlecht geklappt”, sagte er lachend.

“Fühle mit allen mit, die noch schwitzen müssen”

Zwischen den beiden Treffern der Altacher lag die Halbzeitpause – die ungeplant länger dauerte. Da der Starkregen die Funkverbindung der Schiedsrichter untereinander und mit der VAR-Zentrale lahmlegte, konnte erst verspätet wieder gestartet werden. Während in den anderen Partien bereits die 64. Minute lief, war in Liebenau also Minute 46 – was wiederum das Einschätzen der eigenen Ausgangslage vereinfachte. Dass die Partie nicht gewonnen wurde, war auch deshalb am Ende nur eine Nebensache. “Es ist so viel Druck, der abfällt, der komplett unnötig gemacht worden ist. Ich bin mega stolz auf die Mannschaft”, sagte Demaku.

Altachs vorzeitiger Klassenerhalt: "Es ist so viel Druck, der abfällt"
Applaus fürs Team: Zaric fand das Spiel den Umständen entsprechend gut. APA

Auch Zaric freute sich – und dachte gleichzeitig an den GAK und Blau-Weiß Linz, die sich am kommenden Samstag im direkten Duell an der Donau den Absteiger ausmachen werden. “Viele Trainerkollegen haben mir gesagt, wenn du das mal miterlebt hast, hast du alles gesehen. Das ist nichts für schwache Nerven, dieses untere Playoff”, so Zaric. “Deshalb fühle ich mit allen mit, die nächste Woche noch schwitzen müssen.”