“Österreich muss groß denken”

VEU-Legende und VN-Experte Conny Dorn ordnet Österreichs Chancen bei der WM in der Schweiz ein.
Feldkirch, Zürich Für die anstehende Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz mit den Spielorten Zürich und Fribourg haben sich die Vorarlberger Nachrichten Unterstützung von einem Experten geholt. Conny Dorn, VEU Feldkirch-Legende, zweifacher Teilnehmer mit Österreich bei Olympischen Spielen (1984 in Sarajevo und 1988 in Calgary), achtfacher österreichischer Meister und 106-facher Nationalspieler wird die Leser während der WM, die am Samstag startet, mit seinen Analysen am Laufenden halten.
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Bevor Österreich am Samstag mit dem Spiel in der Swiss Life Arena in Zürich gegen Großbritannien (12.20 Uhr) die WM startet, gibt Dorn einen Ausblick, wobei die Ländle-Cracks Ramon Schnetzer, Simeon Schwinger, Dominic Zwerger und der erst kürzlich dazu gestoßene Vinzenz Rohrer im Fokus stehen.
Conny Dorn über Österreichs Team bei der WM
Unbestritten eine junge Truppe, angeführt von guten Routiniers wie Peter Schneider, Dominic Zwerger oder Paul Huber. Ich sehe im Kader aber ein kleines Problem darin, dass der Großteil der Spieler im Nationalteam eine andere Rolle spielt als in ihren Klubs. In den Special Teams (Powerplay, Penaltykilling) agieren in der österreichischen ICE Hockey League meistens die Legionäre oder Spieler, die nicht für das Nationalteam aufgeboten sind (zb. Manuel Ganahl oder Lukas Haudum) und nicht die Nationalspieler. Und jetzt müssen aber eben die nominierten Cracks die für sie ungewohnte Rolle ausfüllen. Dadurch lastet auf diesen Akteuren ein großer Druck bei der Weltmeisterschaft.
… über die Schlüsselspieler im Team
Die Torleute sind immer ein wichtiger Faktor. Da sehe ich David Kickert aufgrund seiner gezeigten Leistungen im letzten Jahr im Vorteil, gehe davon aus, dass er spielt. Die größte Herausforderung sehe ich in der Verteidigung, da eben, wie vorher beschrieben, diese Spieler im Nationalteam eine andere Rolle spielen müssen. Das größte Plus sehe ich im Dabeisein von Vinzenz Rohrer, der mit seiner Spielart, mit seiner Energie und Freude die ganze Mannschaft mitreißen kann. Dazu kommt noch Dominic Zwerger, der der in den letzten Jahren seine internationale Klasse unter Beweis gestellt hat. Genauso wie Peter Schneider, der in meinen Augen völlig zurecht Österreichs Nationalteam als Kapitän aufs Eis führt.
… über die Zielsetzung
Ich bin kein Fan von Tiefstapelei, vor allem, wenn man sich in Erinnerung ruft, was Österreich bei der letzten WM (Viertelfinale) erreicht hat. Ich kann verstehen, dass man den Klassenerhalt als erstes Ziel ausruft, aber ich wünsche mir, dass die Zielsetzung der Teamführung darüber hinausgeht. Ich traue dieser Mannschaft, auch wenn mit David Reinbacher, Marco Rossi oder Marco Kasper richtig starke Spieler fehlen, durchaus die K.o.-Phase bei dieser WM zu. Österreich muss groß denken.
… über die Wichtigkeit der ersten beiden Spiele gegen Großbritannien und Ungarn
Für das erste Spiel gegen die Briten darf das Nationalteam nichts unversucht lassen, um es zu gewinnen. Jedes Teammitglied muss bis in die Haarspitzen motiviert und fokussiert sein, um diesen Match erfolgreich zu gestalten. Über einen Ausrutscher zum Start darf man nicht einmal einen Gedanken verschwenden.
Gegen unseren Nachbar Ungarn gilt dasselbe. Das dürfte normalerweise kein Problem für unsere Cracks sein, da die beiden ungarischen Vertreter Fehervar und Budapest in dieser Saison keine große Rolle in der ICE Hockey League spielten.
… über die WM-Gruppe
Die ist für einen Eishockeyspieler ein wahrer Traum. Spiele gegen Deutschland sind immer besonders. Dazu das Duell gegen den Veranstalter Schweiz und am Ende die Partie gegen die USA, dem amtierenden Olympiasieger. Das bringt das Hockey-Herz zum Lachen, darauf können sich Österreichs Eishockeyspieler -und Fans freuen.
… über Vinzenz Rohrer

In meinen Augen das Um und Auf für Österreichs Nationalteam bei dieser WM. Ein großer Vorteil, dass Vinzenz doch noch auf den WM-Zug aufspringen konnte. Vor allem deshalb, weil ich weiß, wie gern er für Österreich spielt. Mit seiner Energie und seiner Freude auf und neben dem Eis kann er in meinen Augen Berge versetzen und seine Mitspieler mitreißen. Ich sehe auch keine Probleme für ihn, dass er im letzten Monat mit den ZSC Lions aber auch mit den Laval Rockets Play-offs gespielt hat, weil Vinzenz diese Strapazen problemlos wegstecken kann. Vinnie ist ein Spieler für alle Fälle: Face-off, Powerplay, Penaltykilling – er deckt alle Komponenten des Spiels ab. Dazu kommt noch seine hohe Qualität als Scorer. Entweder selbst als Torschütze oder als Assistgeber. Auffallend zudem seine Schnelligkeit, die viele Gegner vor Probleme stellen kann und sein körperbetontes Spiel.
… über Dominik Zwerger

Ich sehe ihn ihm einfach einen großartigen Eishockeyspieler. Hervorzuheben ist sein unglaublich hoher Eishockey-IQ, den ich schon in seinen jungen Jahren bei ihm gesehen habe. Er ist unverzichtbar für das Nationalteam, wie er bei der letzten Weltmeisterschaften eindrücklich unter Beweis gestellt hat. Es wird in der Schweiz sehr viel auf seine Leistungen ankommen. Mir hat Dominic in der ersten Linie mit Peter Schneider und Benjamin Nissner sehr gut gefallen, man hat gesehen, dass alle drei gleich denken.
… über Simeon Schwinger

Er hat sich über die Jahre sehr gut entwickelt, spielt dabei immer seine Geschwindigkeit und seine Körperlichkeit aus. Simeon ist für jede Mannschaft eine Bereicherung, da er immer 100 Prozent gibt und sich für keine Arbeit am Eis zu schade ist. Jedes Mal, wenn ich ihn spielen gesehen habe, ist er mir positiv in Erinnerung geblieben. Es passiert immer etwas, wenn der Dornbirner auf dem Eis steht.
… über Ramon Schnetzer

Er hat in den letzten Jahren im Kreise der Nationalmannschaft einen großen Entwicklungsschritt gemacht und sich zu einem verlässlichen Verteidiger etabliert. Wenn er an die Leistungen aus dem letzten Jahr anknüpft, wird er dem Nationalteam eine große Hilfe sein.
… über den Faktor Fans
Österreich hat immer schon eine gute Fan-Basis gehabt, die überall für gute Stimmung gesorgt hat. Durch die Nähe des Austragungsortes erwarte ich mir, dass auch viele Vorarlberger den Weg in die wunderschöne Swiss Life Arena finden werden, um Österreich zu unterstützen.