Aus Liebe zum Detail und zum US-Sport

Deshalb enthält Österreichs begehrtes WM-Fantrikot “das Kaisertrikot” Vorarlberger Fertigungsqualität.
Dornbirn Es ist acht Uhr morgens, am Tag vor dem Eröffnungsspiel der WM 2026, und in Dornbirn herrscht rege Betriebsamkeit. Denn in den Büroräumlichkeiten der Firma K.Noah inmitten eines Wohngebiets werden ganz besondere Fantrikots verpackt. Das rot-weiß-rote “Kaisertrikot” erfreut sich reger Nachfrage, zumal die Stückzahl limitiert ist. Dass ausgerechnet eine Vorarlberger, Football-affine Firma hinter einem der gefragtesten Fanartikel des Sommers steht, ist eine Geschichte voller Zufälle, Leidenschaft und Unternehmergeist.
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Benjamin Pfanner wollte schon früh sein eigener Chef sein. Nach einem abgebrochenen HTL-Besuch absolvierte er eine Lehre beim Dornbirner Werkzeugbüro Ulmer und schaffte es rasch in den Außendienst. Mit Anfang 20 war er einer der jüngsten Außendienstmitarbeiter des Unternehmens, verfügte über ein Firmenauto und einen sicheren Job. Doch zufrieden war er damit nicht. “Ich wusste nur, dass ich irgendwann etwas Eigenes machen möchte”, erinnert sich Pfanner.
US-Sport als Inspiration
Die entscheidende Inspiration brachte er von seinen vielen USA-Reisen mit. Während in Europa Basketball und American Football noch Nischensportarten waren, verfolgte Pfanner bereits die Spiele von Michael Jordan und den aufkommenden Boom der amerikanischen Profiligen. Freunde baten ihn regelmäßig, Trikots, Caps und Sammelstücke von seinen USA-Reisen mitzubringen. Aus dieser Nachfrage entstand Ende der 1990er-Jahre ein kleines Geschäft in der Dornbirner Bahnhofstraße. Dort verkaufte Pfanner originale Merchandise-Produkte aus den Vereinigten Staaten – lange bevor Online-Shops den Markt revolutionierten.
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Parallel dazu beobachtete der heute 51-Jährige die sich in Europa entwickelnde Football-Szene. Vereine entstanden, Ligen wurden gegründet, und plötzlich wurden nicht nur Fanartikel, sondern auch Ausrüstungen benötigt. Pfanner importierte zunächst Equipment und Trikots, erkannte jedoch bald eine Marktlücke. “Irgendwann wollten wir nicht mehr nur handeln, sondern selbst produzieren.”
Fertigungsproduktion in Bangkok
Die Suche nach einer geeigneten Fertigung führte ihn nach Bangkok. Dort fand er nach vierjähriger Suche einen kleinen, hochspezialisierten Betrieb, der zuvor Prototypen für internationale Marken wie Nike oder Reebok gefertigt hatte. Entscheidend für Pfanner war die hohe Qualität, die Möglichkeit einer kleinen Stückzahl und maximale Flexibilität. Heute beschäftigt die Produktion in Thailand 22 Mitarbeiter:innen, die ausschließlich für die Marke K.Noah arbeiten. Während in Dornbirn Vertrieb, Design und Kundenbetreuung abgewickelt werden, entstehen in Bangkok maßgeschneiderte Football-Trikots für Vereine in ganz Europa und teilweise sogar in den USA – und aktuell auch das Kaisertrikot. Der Name K.Noah geht dabei auf eine Familiengeschichte zurück. Eigentlich wollte Pfanner seine Marke unter dem Namen “Noah Athletics” registrieren lassen. Weil der ehemalige Tennisstar Yannick Noah bereits Rechte an einem ähnlichen Namen besaß, musste eine Alternative her. Die Lösung war ebenso einfach wie persönlich: Das “K” seines Sohnes Kai (26) wurde vorangestellt, und K.Noah war geboren.

Der Hype um das Trikot
Mittlerweile arbeitet Kai Pfanner selbst im Unternehmen und prägt die kreative Richtung entscheidend mit. Der Eishockeyspieler bringt neue Ideen, moderne Designs und ein Gespür für aktuelle Trends ein. Viele der Entwürfe stammen heute aus seiner Feder. Und die Bekanntschaft zu Lawrence Gimeno ebnete den Weg zum Kaisertrikot. Schafften es die Pfanners doch, der Idee des Gründers der Austrian College Sports League (ACSL), einem ausgewiesenen Sportfan, Leben einzuhauchen. War anfangs noch von einigen 100 Trikots die Rede, so schnellten die Bestellungen schnell in die Höhe. Inzwischen sind es mehrere Tausend und der Dornbirner erzählt von einem “regelrechten Hype” rund um das Produkt. Weil die Produktionszahlen bewusst begrenzt sind, wurde das Kaisertrikot rasch zu einem begehrten Sammlerstück. Einzelne Exemplare werden inzwischen um ein Vielfaches des ursprünglichen Verkaufspreises weiterverkauft. Trotz des Erfolgs denken die Pfanners nicht daran, ihre Wurzeln zu verlassen. K.Noah bleibt eine Football-Marke – spezialisiert auf Passform, Materialien und Designs für eine Sportart, die höchste Ansprüche stellt. Gerade diese Konzentration habe das Unternehmen stark gemacht, wie Benjamin Pfanner sagt.

Die Geschichte des Kaisertrikots zeigt aber auch, was möglich ist, wenn Leidenschaft, handwerkliche Qualität und der Mut zu ungewöhnlichen Ideen zusammentreffen. Aus einem kleinen Laden für US-Sportfans in Dornbirn ist eine europaweit anerkannte Premiummarke entstanden. Und aus einer spontanen Zusage wurde rechtzeitig zur Fußball-WM eines der begehrtesten Trikots des Landes.