Die Heimat hinter den Handschuhen

Altachs Torhüter Dejan Stojanovic (32) zum zweiten Mal als Vorarlbergs „Fußballer der Saison“ ausgezeichnet.
Bregenz Vorarlberg, ein Fußballland der “großen Torhüter”. So jedenfalls verwundert es nicht, dass mit Dejan Stojanovic erneut ein Goalie die Auszeichnung für den “besten Fußballer der Saison 2025/26” entgegennehmen durfte. Mario Krassnitzer (50) siegte 2006, der heutige Coach der SCRA-Torleute, Martin Kobras (40), gewann gleich dreimal in Folge, und Ex-Deutschland-Legionär Ramazan Özcan (41) durfte sich, wie auch Stojanovic, zweimal über die Ehrung freuen.
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Prägende Zeit
Der gebürtige Feldkircher, heute Vater zweier Kinder, hat sehr früh gelernt, selbstständig zu sein. Als 18-Jähriger ging er nach Italien und verbrachte danach zwölf Jahre im Ausland. “Ich denke schon, dass mich diese Zeit geprägt hat”, sagte er anlässlich der “Nacht des Fußballs 2026” im Casino Bregenz. “Das hat schon was mit mir gemacht und mir sicherlich geholfen, erwachsen zu werden.”
Manchmal sind es gerade Torhüter, die die längsten Wege zurücklegen müssen. Stojanovic, ehemals in der AKA Vorarlberg ausgebildet, ist dafür das beste Beispiel: Italien, England, die Schweiz, Deutschland, Österreich – viele Stationen, viele Erfahrungen, viele Herausforderungen. Heute wirkt es so, als wäre der 32-Jährige genau dort angekommen, wo er immer hinwollte: in Altach. Als vierter Torhüter in Vorarlberg die Auszeichnung entgegennehmen zu dürfen, ist für den Keeper zudem die Bestätigung dafür, dass er in den vergangenen Jahren nicht nur sportlich, sondern auch persönlich seinen Platz gefunden hat.

Zumal 2026 für den Feldkircher kaum schöner verlaufen hätte können. Einzug ins ÖFB-Cupfinale mit dem SCR Altach, dann die vorzeitige Verlängerung seines Vertrages um drei Jahre bis 2029 und schließlich im Urlaub die feierliche Hochzeit mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Magdalena. Wer Stojanovic heute erlebt, spürt schnell: Familie ist für ihn längst mehr als ein Rückzugsort. Sie ist sein Lebensmittelpunkt.
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Ein besonderer Tag
Einen Tag wird der Torhüter wohl nie vergessen. Es war am 5. Mai 2013, als er als noch nicht einmal 20-Jähriger sein Debüt in der italienischen Serie A gab. Sein Trainer Stefano Pioli, der später u. a. Coach bei Lazio, Inter, AC Milan, Al-Nasr und der Fiorentina war, hatte Stojanovic im Spiel bei Lazio aufgeboten. Das allein war schon bemerkenswert; dass er dann beim 0:6 noch fünf Treffer des späteren Altach-Trainers Miroslav Klose kassieren sollte, spannt den Bogen zu heute.
Über Bologna führte sein Weg weiter zum FC Middlesbrough nach England. Dort wartete die nächste Herausforderung. Die Corona-Pandemie bestimmte den Alltag, der Fußball rückte zeitweise in den Hintergrund, das Leben fern der Heimat wurde noch schwieriger. Dennoch sammelte Stojanovic Erfahrungen, die ihn bis heute prägen.


“Jedes Land hat mich verändert”, sagt der Torhüter rückblickend. Italien vermittelte ihm taktische Disziplin, England eine andere Intensität, die Schweiz Stabilität und Deutschland neue Perspektiven. Heute profitiert er von all diesen Eindrücken.

Endlich angekommen
Auch international hätte seine Geschichte noch eine weitere Richtung nehmen können. Der Sohn einer Familie mit nordmazedonischen Wurzeln absolvierte Einsätze für die U21 Nordmazedoniens. Viele hätten ihn später gerne auch im Kreis einer A-Nationalmannschaft gesehen. Konkrete Gespräche ergaben sich jedoch nie. Inzwischen beschäftigt ihn dieses Thema kaum noch. Sein Fokus gilt Altach. Und dort ist Stojanovic längst weit mehr als nur ein sicherer Rückhalt.
Die Saison 2025/26 von Dejan Stojanovic in Zahlen.
Er zählt zu den besten Torhütern der österreichischen Bundesliga, steht kurz vor seinem 100. Pflichtspiel für den SCRA und hat sich zu einer Identifikationsfigur entwickelt. Was ihm zumindest so viel bedeutet wie eine sportliche Auszeichnung. Stojanovic hat nach all den Jahren des Reisens endgültig seine sportliche Heimat gefunden und das Ländle zum Lebensmittelpunkt erkoren.