Nach dem Hammer-Urteil: Rollt Rätia Bludenz den großen Eklat neu auf?

Sport / 27.06.2026 • 19:19 Uhr
Rätselraten ob Rätia Bludenz einen Protest zu den Urteilen einreichen wird. APA
Es bleibt spannend rund um das Urteil gegen Rätia Bludenz. APA

Nur drei Tage bleiben dem Meister für einen Protest gegen das Rekordurteil.

Bludenz Mit den drastischen Urteilen des Straf- und Meldeausschusses des Vorarlberger Fußballverbandes ist der Fußball-Eklat von Bludenz möglicherweise noch nicht endgültig abgeschlossen. Dem FC Rätia Bludenz bleiben nach der offiziellen Zustellung der Entscheidungen am Freitag lediglich drei Tage Zeit, gegen die ausgesprochenen Strafen Protest einzulegen. Ob der Meister der 3. Landesklasse diesen Schritt tatsächlich gehen wird, ist derzeit allerdings völlig offen.

Bereits bei der ersten mehrstündigen Sitzung des STRUMA mit Vertretern der beiden Vereine hatten sich neue Erkenntnisse ergeben. Nach Informationen aus dem Umfeld der Verhandlung tauchten zusätzliche Videoaufnahmen auf, die gemeinsam mit den Aussagen der Funktionäre und der Sachlage maßgeblich zur Urteilsfindung beitrugen. Auf Basis dieser neuen Beweismittel konnten die Mitglieder des Ausschusses weitere richtungsweisende Entscheidungen treffen.

Trotz der äußerst harten Sanktionen verzichtete die STRUMA auf die höchstmöglichen Sperren. Bei Tätlichkeiten sieht das Regulativ des Fußballverbandes Sperren von bis zu 48 Pflichtspielen unbedingt vor. Diese Höchststrafe wurde in keinem der Fälle ausgeschöpft.

Nach Angaben aus dem Verband hat es im Vorarlberger Amateurfußball bislang keinen vergleichbaren Fall gegeben, bei dem nach einem Spielabbruch mit Ausschreitungen und Tumulten derart hohe Strafen ausgesprochen wurden. Allein gegen vier Spieler des FC Rätia Bludenz wurden insgesamt 135 Pflichtspiele an unbedingten Sperren verhängt. Dazu kommen sechs Minuspunkte für den Aufsteiger in die 2. Landesklasse sowie eine Ordnungsstrafe in Höhe von 5000 Euro.

Am Freitag werden die schriftlichen Entscheidungen den Vereinen offiziell zugestellt und vom Vorarlberger Fußballverband verlautbart. Erst mit dieser Zustellung beginnt die dreitägige Protestfrist. Will Rätia Bludenz gegen das Urteil vorgehen, muss der Protest schriftlich eingebracht und gleichzeitig eine Protestgebühr von 250 Euro einbezahlt werden. Anschließend erhält der Verein die ausführliche schriftliche Urteilsbegründung.

In weiterer Folge würde sich das Protestkomitee des Vorarlberger Fußballverbandes mit dem Fall befassen. Dieses Gremium mit Wolfgang Schwarz, Hans-Peter Lorenz und Olivia Lerch würde sämtliche Aussagen, Videoaufnahmen und Unterlagen nochmals vollständig prüfen und den gesamten Fall neu beurteilen. Das Protestkomitee könnte die Entscheidungen der STRUMA bestätigen, einzelne Strafen reduzieren oder das Urteil teilweise abändern.

Ob Rätia Bludenz diesen Weg tatsächlich einschlagen wird, bleibt offen. Vereinsobmann Rene Kurzemann hält sich weiterhin bedeckt. “Ein Statement an die Medien wird es nicht geben”, erklärte der Klubchef.

Auch beim Vorarlberger Fußballverband bedauert man die Entwicklung. Geschäftsführer Horst Elsner sagte: “Es ist sehr schade, dass ausgerechnet zum Saisonabschluss so eine negative Sache auf dem Platz noch passiert ist. Es ist eigentlich um nichts mehr gegangen. Durch diese Causa wurde die ganze Meisterschaft am Schluss noch verfälscht, obwohl sie ansonsten mit ganz wenigen Ausnahmen normal verlaufen ist.”

Damit ist das sportrechtliche Kapitel möglicherweise noch nicht beendet. Sollte Rätia Bludenz tatsächlich Protest einlegen, würde einer der spektakulärsten Disziplinarfälle der jüngeren Geschichte des Vorarlberger Amateurfußballs in die nächste Instanz gehen. Andernfalls werden die Rekordstrafen rechtskräftig und der Aufsteiger startet mit einer schweren Hypothek in die Saison 2026/27. VN-TK