Eine außergewöhnliche Familie

Sport / 30.06.2026 • 17:53 Uhr
Eine außergewöhnliche Familie
Manuel Lutz (links) mit Dr. Hannes Richter, Deputy Director of the Austrian Press and Information Service. VN

Die Drexels schrieben Weltgeschichte. Ein Blick auf eine Ausstellung in Washington.

Washington Vorarlberg ist das kleinste Bundesland Österreichs – doch einige seiner Söhne und Töchter hinterließen Spuren weit über die Landesgrenzen hinaus. In der Ausstellung “The Sound of Ambition – Austrians in the American Semiquincentennial” in der österreichischen Botschaft in Washington D. C. sticht dabei ein Name besonders heraus: Drexel. Die Ausstellung zeigt gleich drei außergewöhnliche Mitglieder dieser Familie.

Eine außergewöhnliche Familie
Franz Martin Drexel mit Familie, Selbstporträt.

Ursprung liegt in Dornbirn

Angefangen hat alles mit Franz Martin Drexel, der 1792 in Dornbirn als Sohn eines Händlers zur Welt kam und sich bereits in jungen Jahren als Porträtmaler sein Geld verdiente. In den Zeiten Napoleons in die Schweiz fliehend, wanderte er 1817 schließlich in die USA aus und landete in Philadelphia. Dort konnte er mit seiner Malerei erste Erfolge erzielen und ein erfolgreiches Leben aufbauen. Eine Gerichtsverhandlung rund um seinen Schwager veränderte alles. Um diesen zu schützen, verweigerte Drexel die Aussage, und um daraus entstehenden rechtlichen Schwierigkeiten zu entgehen, suchte er sein Glück in Lateinamerika. Dort stieg er in Zeiten vieler Unabhängigkeitsbewegungen zu einem beliebten Porträtmaler von Generälen und Staatsmännern auf. So war es schließlich ein Vorarlberger, der einige der berühmtesten Porträts des damaligen Südamerikas malte und sich damit auf seine Weise einen Platz in den Geschichtsbüchern und Museen des Kontinents erarbeitete.

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Franz Martin Drexel.

Zu seinen bekanntesten Werken zählten Bilder von Simón Bolívar – dem Gründervater Boliviens – und Bernardo O’Higgins, dem ersten Staatsoberhaupt des unabhängigen Chiles.

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Gründer einer Universität

Nachdem sich die Lage in den USA wieder beruhigt hatte, kehrte er zurück und gründete im Alter von 47 Jahren die Bank “Drexel and Company” in Louisville, Kentucky. Damit schuf er die Grundlage für den Erfolg der nächsten Generation der Familie Drexel.

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Anthony Joseph Drexel.

Sein zweitgeborener Sohn, Anthony Joseph Drexel (geboren 1826), begann nämlich im Alter von 13 Jahren in der Bank seines Vaters zu arbeiten. Hier zeigte er früh seinen außerordentlichen Geschäftssinn und wurde daher mit 21 Jahren bereits Teilhaber der Bank. 1871 gründete er schließlich “Drexel, Morgan & Company” zusammen mit einem noch unbekannten John P. Morgan. Dabei übernahm Morgan sämtliche öffentliche Auftritte, da Drexel seine Privatsphäre heilig war. Zusammen schafften sie es, die Bank zu einem der größten Geldinstitute des Landes wachsen zu lassen. Drexel blieb dennoch stets im Hintergrund tätig. Seinen Reichtum benützte er aber, um den weniger Begünstigten zu helfen. So gründete er 1891 das “Drexel Institute of Art, Science and Industry” in Philadelphia. Das Besondere daran: Untypisch für die damalige Zeit stand die Universität allen Menschen offen, egal, welcher Einkommensschicht, Hautfarbe oder Religion sie entstammten.

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Die Gedenkstatue vor der Drexel-Universität in Philadelphia.

Leider verstarb Anthony Drexel 1893 überraschend an einem Herzinfarkt, gerade als er und Morgan anfingen, während der Eisenbahnkrise in mehrere Gesellschaften des Güterverkehres zu investieren. Nach seinem Ableben wurde die Bank in “J. P. Morgan and Company” umbenannt, und der Name “Drexel” drohte in Vergessenheit zu geraten.

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Katharine Drexel.

Hilfe für Bedürftige

Doch es gab noch Katherine Drexel, die Nichte von Anthony und Enkelin von Franz Martin Drexel. Geboren in Philadelphia, im Jahre 1858, trat sie im Alter von 31 Jahren als Postulantin den Barmherzigen Schwestern bei und kümmerte sich in ihrer Arbeit als Helferin und Seelsorgerin vor allem um damals noch nicht gleichgestellte Minderheiten wie Indianer und Schwarze. 1891 gründete sie die Kongregation der “Schwestern vom Allerheiligsten Sakrament”. Vom christlichen Gedanken des Altruismus getrieben, spendete sie große Teile ihres Vermögens für wohltätige Zwecke und gründete mehrere Schulen und Universitäten. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1955 wurden dank ihr amerikaweit 62 Schulen gebaut, und sie selbst wurde 1987 von Papst Johannes Paul II. selig- und im Jahr 2000 sogar heiliggesprochen.

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So spannt sich der Bogen von Vorarlberg in die Welt: vom Porträtmaler zum Bankengründer, vom großen Vermögen zur großen Selbstlosigkeit – und zu einer Familiengeschichte, deren Spuren bis heute reichen.

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Manuel Lutz ist ein in den USA ansässiger, österreichischer Journalist und Videograf. Er befasst sich insbesondere mit den Themen Sport, Geschichte und Kultur mit Fokus auf österreichisch-amerikanische Perspektiven und Verbindungen.