Augenpflege statt WM-Geschichte

Sport / 08.07.2026 • 16:33 Uhr
Fußball
In den Testspielen zeigte für die Austria zeigte sich Dion Kacuri hellwach, den WM-Erfog seiner Heimat verschlief der 22-Jährige aber. VN

Austria Lustenaus Neuzugang Dion Kacuri musste harten Training Tribut zollen während sein Heimatland Schweiz Fußballgeschichte schrieb.

Lustenau Kurioserweise hat Dion Kacuri den größten Moment der Schweizer Fußballgeschichte verschlafen. Während die „Nati“ mit einem dramatischen Elfmeterschießen erstmals seit 1954 in ein WM-Viertelfinale einzog, lag der Neuzugang von Austria Lustenau bereits im Bett. „Ich war so müde vom Training, dass ich ein bisschen früher schlafen gegangen bin“, erzählt der 21-Jährige lachend. Den Ausgang der Partie erfuhr er erst am nächsten Morgen. „Als ich gesehen habe, dass wir gewonnen haben im Penaltyschießen, wollte ich mir noch kurz die Highlights anschauen. Das werde ich noch nachholen.“

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Stolz auf Höhenflug

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Dion Kacuri im Testspiel mit der Austria gegen YB Bern.

Trotz des verpassten Finales des Krimis verfolgt Kacuri den Höhenflug seines Heimatlandes mit großem Stolz. Schließlich kennt der Mittelfeldspieler viele Akteure des aktuellen Kaders persönlich. Mit Luca Jaquez, Aurèle Amenda, Marvin Keller, Fabian Rieder und Johan Manzambi stand er gemeinsam für die Schweizer U-21-Nationalmannschaft auf dem Platz. „Mit manchen ist man weniger in Kontakt, mit manchen ein bisschen mehr. Aber man hört sich immer wieder mal und quatscht auch ein bisschen.“

Besonders freut ihn der rasante Aufstieg von Johan Manzambi. Der Offensivspieler zählt bislang zu den größten Entdeckungen des Turniers – für Kacuri allerdings keine Überraschung. „Ich habe ihn das erste Mal in der U20-Nati gesehen. Dort war er schon ein überragender Spieler, vor allem in seinem jungen Alter. Er kann alles, offensiv wie defensiv, am Ball überragend, ist auch ein super Typ, extrem lieb und sehr positiv.“ Dass Manzambi einmal auf dieser Bühne glänzen würde, habe damals zwar niemand vorhersehen können. „Aber ich gönne es ihm von ganzem Herzen. Wirklich ein super Spieler.“

Erfolg keine Überraschung

Für Kacuri kommt der Erfolg der Schweiz insgesamt nicht überraschend. Die Mannschaft habe von Beginn an klar kommuniziert, Geschichte schreiben zu wollen – und genau das sei ihr nun gelungen. „In allen Spielen waren sie wirklich sehr dominant. Sehr gut gespielt. Und sie haben unglaubliche Qualität.“ Vor allem die Mischung aus erfahrenen Führungsspielern wie Granit Xhaka, Gregor Kobel oder Manuel Akanji und den vielen jungen Talenten beeindruckt ihn. „Das ist wirklich unglaublich. Unglaubliche Qualität, die da auf dem Platz steht.“

Sieg in der Verlängerung

Im Viertelfinale wartet jetzt Weltmeister Argentinien. Auch wenn Lionel Messi und Co. als Favorit gelten, rechnet Kacuri seiner Mannschaft durchaus Chancen aus. „Argentinien ist Weltmeister und spielt auch jetzt eine überragende WM. Es wird natürlich nicht einfach.“ Dennoch verweist er auf die Qualität der Schweizer. „In 90 Minuten kann alles passieren. Wir haben auch unglaublich gute Spieler, viel Qualität auf dem Platz, und ich drücke ihnen die Daumen.“ Sein optimistischer Tipp: „Im Tippspiel bin ich bislang schlecht, aber ich sage, es geht mit 2:2 in die Verlängerung. Dort gewinnen wir 3:2.“

Augenpflege statt WM-Geschichte
Kacuri schafft es beim FC Basel bis in die erste Mannschaft. gepa

Kein Vergleich mit Österreich

Den Erfolg der Schweiz möchte Kacuri allerdings nicht mit Österreich vergleichen. „Schwer zu sagen. Will ich auch gar nicht vergleichen. Ehrlich gesagt, ich finde beide Mannschaften wirklich sehr, sehr gut. Beide haben ihre Qualitäten.“

Einen Unterschied sieht der gebürtige Schweizer jedoch in der Nachwuchsarbeit. Aus eigener Erfahrung weiß Kacuri, welchen Stellenwert die Talenteförderung in seiner Heimat genießt. „Die Arbeit in der Schweiz wird sehr, sehr gut gemacht, was Nachwuchsspieler angeht.“ In der Super League würden zahlreiche Eigenbauspieler den Sprung zu den Profis schaffen, auch im Nationalteam stünden viele Akteure aus den eigenen Nachwuchsprogrammen.

Entscheidend sei dabei vor allem eines: Junge Spieler hätten das Gefühl, dass sich Leistung tatsächlich auszahle. „Jedem ist bewusst, wenn er Leistung zeigt und auch auf gutem Niveau spielt, dann ist man natürlich auf der Liste und muss einfach auf die Chance warten. Aber die Chance wird mit Sicherheit kommen.“ Genau dieses Vertrauen in die nächste Generation sei aus seiner Sicht ein wesentlicher Baustein für den aktuellen Höhenflug des Schweizer Fußballs.