Er ist da, wenn man ihn braucht

Altachs Kapitän Lukas Jäger steht vor zwei Jubiläen. Eine Stammposition hat er trotzdem nicht? Ist halt so.
Wien “Er ist ein Teamplayer”, sagt Trainer Ognjen Zaric über ihn. “Bei ihm steht die Mannschaft über allem. Und das sieht man am Platz.” Gemeint ist Lukas Jäger. Altachs Kapitän steht vor gleich zwei Jubiläen. Der 32-Jährige geht einerseits in seine zehnte Saison bei den Profis des SCR Altach, andererseits fehlen ihm noch zwei Pflichtspiele zu 250 Spielen im Altacher Dress. Aus dem 17-Jährigen, der einst bei den Profis mittrainieren durfte, ist eines der Gesichter des Klubs geworden.
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Fußballerisch habe er sicher eine Entwicklung hinter sich, sagt Jäger und grinst. “Damals war ich ein anderer Spieler.” Noch lassen den Alberschwendner die runden Zahlen aber kalt. “Die kommen auf einen zu, wenn man so lange dabei ist.” Seit Sommer 2022 spielt er wieder für den SCRA, keiner im Kader ist länger dabei. In der Liste der Altacher Rekordspieler steht Jäger auf Platz elf, mit dem nächsten Einsatz zieht er mit Rudi Gussnig gleich. Zumindest Platz sechs der Liste ist durchaus realistisch, den hat Emanuel Schreiner mit 269 Partien inne. Für Jäger spielt das kaum eine Rolle. “Mein Ziel ist es, die Leistung auf den Platz zu bringen, dann kommen die Einsätze von allein.”

Feld, Bank und retour
Von allein kamen sie nicht immer. In der Saison 2024/25 etwa immer seltener, vor der Saison 2025/26 wiegelte Jäger, angesprochen auf eine mögliche Rolle als Non-Playing Captain, aber klar ab: Dafür sei er zu ehrgeizig. Sagte er, ließ Taten folgen und war wieder ein Fixpunkt in der Startelf. “Das ist Fußball: Ab und zu geht es aufwärts, ab und zu muss man durch ein Tal durch”, sagt Jäger. “Mich zeichnet auch aus, dass ich mich nie hängen habe lassen.” Auf das Tal folgte das Hoch: knapp an der Meistergruppe vorbeigeschrammt, erstmals ins Cupfinale eingezogen, am Ende Platz neun.
Und das auch wegen Jäger. “Er wird der Rolle des Kapitäns sehr gerecht”, sagt Zaric. Dass das ein Lernprozess gewesen sei, sagt Jäger. “Da habe ich in den letzten Jahren sicher meine Lehren gezogen. Ich finde aber, ich habe meinen Weg gefunden.” Jägers Weg ist am Platz mitunter laut und beim Jubel emotional: “Ich kann eine Mannschaft mitziehen.” Jägers Weg ist bei Interviews zurückhaltend, ohne kontroverse Sager, die hängen bleiben. Weniger reden, mehr machen.

Mit Vorbildfunktion
“Er gibt dem Team alles, was es benötigt”, sagt Zaric. Auch deshalb setzt er auf Jäger. Die einzigen Minuten, die er seit der Verpflichtung des Trainers verpasste, waren einer Sperre geschuldet. Jäger sagt: “Ich möchte vorleben, was ich von den Jungs erwarte.” Bei Jäger heißt das: kämpfen, laufen, passen, beißen, laufen, grätschen, blocken. Und auch treffen, wie im Cup-Halbfinale gegen Red Bull Salzburg, als die Gästefans nach dem Spiel seinen Namen sangen. Aber auch: flexibel sein, wenngleich das nicht immer angenehm ist. Ausgebildet als Innenverteidiger, spielte Jäger lange auf der Sechs, bei seiner Zeit bei Sturm Graz aber auch als Rechtsverteidiger in der Viererkette.

Heute spielt er dort, wo er gebraucht wird. In der Vorbereitung etwa als rechter Schienenspieler. “Er macht das zum Wohle des Teams. Ihm wäre es wohl auch lieber, wenn er die eine Position hätte, die er spielt”, weiß Zaric. Jäger sagt: “Diese Flexibilität kann eine Stärke sein, das kann aber auch zum eigenen Nachteil werden. Aber wenn es mich wo braucht, nehme ich die Situation an.”

Bescheidene Ziele
254 Bundesligaspiele hat Jäger in den Beinen, Stationen bei Sturm und dem 1. FC Nürnberg. Seine Erfahrung wird heuer wieder benötigt, denn Altach hat einen Umbruch hinter sich, wie Zaric betont. Zehn Neue stehen aktuell elf Abgängen gegenüber. Es gelte, die Zugänge schnell aufzunehmen, um wieder eine Einheit zu werden, so Jäger. “Da trägt jeder seinen Teil bei.” In der vergangenen Saison hätten nur Kleinigkeiten gefehlt, um noch erfolgreicher zu sein, findet er. Wie schwer es wird, das zu toppen, wird sich zeigen. Zaric sagt: “Wir haben spannende Profile, aber die müssen wir technisch-taktisch und physisch noch dorthin führen, wo wir sie haben wollen. Es wird den Faktor Zeit brauchen.” Als SCR Altach könne man sich für die Saison zwei Ziele stecken: Spieler entwickeln und in der Liga bleiben. Um die Top-Sechs zu attackieren, hätte man andere Transferausgaben tätigen müssen. “Das müssen wir ehrlich kommunizieren, die Fans in dieses Bewusstsein mitnehmen”, warnt Zaric.

Und wenn es wieder das untere Play-off werden sollte, dieses Mal ohne Punkteteilung, ist Jäger gewappnet. Für ihn wäre es die fünfte Teilnahme im UPO, und “beim vierten Mal gehst du schon anders damit um als noch beim ersten Mal”. Auch dafür braucht es Jäger. Wo auch immer er spielen wird.