Gold im Herzen, neue Ziele im Kopf

Sport / 23.07.2026 • 16:25 Uhr
Gold im Herzen, neue Ziele im Kopf
Nur wenige Schritte sind es für Ariane Rädler von ihrem Elternhaus zum Luggi-Leitner-Lift. Paulitsch

Olympiasiegerin Ariane Rädler über Weiterentwicklung und den “Hunger” nach Weltcup-Podestplätzen.

Möggers Fernab des Trubels, inmitten der Natur und einfach nur die Ariane sein. Hier in Möggers fühlt sich Olympiasiegerin Ariane Rädler wohl, hier ist sie zu Hause und hier schöpft sie ihre Kraft. Sie ist ein “Stehaufmännchen” im Skizirkus. Zurückgeworfen durch Verletzungen – vier Kreuzbandrisse (!) – und private Schicksalsschläge durfte sie im Februar 2026 bei den Olympischen Winterspielen Cortina/Milano die Ernte einfahren. Olympiagold an der Seite von Katharina Huber in der Team-Kombination.

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164 Tage später, an einem sommerlichen Julitag, erinnert am Ortseingang der 565-Seelen-Gemeinde im Leiblachtal ein überdimensionales Bild der beiden Skirennläuferinnen an den großen Moment. So wird auch die 31-Jährige stets daran erinnert, wenn sie aktuell von ihren Trainingseinheiten im Olympiazentrum in die heimatliche Ruhe zurückkehrt. Dabei liefen die vergangenen Monate für sie wie ein Film ab. Viele Ehrungen und Termine sowie Interviews, fast schon rückten die abschließenden Weltcupbewerbe ein wenig in den Hintergrund. Allein, es sind nicht zuletzt diese Rennen und diese Ergebnisse, aus denen die Speedfahrerin ihre Motivation für die kommenden Saisonen schöpft.

Gold im Herzen, neue Ziele im Kopf
VN-Sportchef Christian Adam sprach mit Olympiasiegerin Ariane Rädler bei einem Rundgang durch ihre Heimatgemeinde Möggers.Roland Paulitsch

Dabei blickt sie, ohne es wirklich auszusprechen, in die Zukunft – und will sich diesbezüglich alles offenlassen. “Komisch, aber die Frage, wie lange ich noch fahren werde, höre ich immer öfter. Meine Antwort ist immer dieselbe: Ich habe noch sportliche Ziele. Ob ich bei den nächsten Winterspielen noch dabei bin, kann ich heute nicht sagen. Das hängt auch davon ab, wie mein Körper mitmacht. Im Moment konzentriere ich mich allein auf die nächsten beiden Saisonen.”

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Ariane Rädler bestens gelaunt.Roland Paulitsch

Motivation ist hoch

“Natürlich ist der Olympiasieg immer noch präsent, das Plakat erinnert mich daran”, sagt sie und erzählt mit ruhiger Stimme: “Klar, ich bin nach wie vor stolz darauf, auf das, was ich erreicht habe. Es ist eine unglaublich schöne Geschichte. Aber jetzt bin ich wieder ganz im Sommeralltag angekommen, sprich im Krafttraining. Mein Fokus ist auf die neue Saison gerichtet.”

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Im Frühling erhielt die in Ausbildung stehende Justizwachebeamtin das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich überreicht. gepa

Motivationsprobleme kennt Rädler nicht, vielmehr treibt sie der eigene Ehrgeiz an. “Noch besser werden”, sagt die Olympiasiegerin. “In Cortina ist alles perfekt gelaufen. Im Weltcup habe ich dieses Niveau noch nicht erreicht. Ich kenne die Ränge sechs, sieben, acht mittlerweile gut. Aber ich möchte mehr.” Es sind die Podestplätze, die für sie aktuell den Reiz ausmachen, noch besser zu werden. Für sie als Skirennläuferin, die inzwischen auf den Abfahrten bzw. im Super-G nicht nur in den Kurven zur absoluten Weltspitze gehört, sondern vielmehr auch auf Gleitpassagen mithalten kann.

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Neue Erfahrung

Die Goldmedaille hat Rädler, die laut eigener Aussage schon als Kind stets gewinnen wollte, nicht verändert. Auch wenn sie nun auf der Straße öfter erkannt und um ein Autogramm gebeten wird, ist sie sich selbst treu geblieben. “Klar, viele wollten wissen: Wer ist diese Ariane Rädler? Für mich aber hat sich nicht viel verändert. Ich rede lieber über positive Dinge, spüre nach wie vor den Ehrgeiz in mir. Ich habe gelernt, dass nicht alles schlecht ist und dass es immer weitergeht. Gerade meine Verletzungen haben gezeigt, wie wichtig eine positive Einstellung ist. Zudem haben meine Eltern mir vorgelebt, dass man stets nach vorne schauen soll und es nichts bringt, ständig zurückzublicken.”

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Kontinuität

Ein wichtiger Baustein in der Vorbereitung ist für Rädler die Kontinuität. Trainingsgruppe, Trainer, Servicemann, Betreuerteam – die Vorarlbergerin darf auf Vertraute zurückgreifen. Das passt so richtig zu ihrem gesteigerten Selbstvertrauen, auch weil sie ihr vorhandenes Potenzial endlich ausschöpfen konnte. “Auch wenn ich noch dieselbe Person bin, hilft mir das als Sportlerin sehr.” Überraschend nur: Die Head-Fahrerin spricht in diesem Zusammenhang nicht über ihren Sieg bei Olympia, sondern vielmehr über ihren Weg dorthin. “Ich habe gelernt, mir selbst den Druck zu nehmen und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Der Spaß am Skifahren steht für mich im Mittelpunkt und auch die Dinge, die ich beeinflussen kann. Nicht aber die Medaille oder der Sieg. Das war für mich der Schlüssel zum Erfolg.”

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Ariane Rädler im Interview in entspannter Atmosphäre.Roland Paulitsch

Ein Erfolg, den ihr so viele von Herzen gegönnt haben, ein Erfolg aber auch, den sie für sich schnell wieder abgehakt hat. “Es bringt nichts, sich auf einer Medaille auszuruhen. Es warten neue Ziele und Herausforderungen.” Dann blickt sie im Gespräch doch noch einmal zurück – auf die WM 2025 in Saalbach. “Damals bin ich mit hohen Erwartungen an den Start gegangen. Ich hatte nur das Ziel vor Augen, eine Medaille zu gewinnen, und habe dabei vergessen, worauf es eigentlich ankommt: auf gutes Skifahren und die Konzentration auf die eigene Leistung. Dementsprechend groß war die Enttäuschung.” Auch dank der Zusammenarbeit mit einer Sportpsychologin hat sie gerade im mentalen Bereich enorm dazugelernt. Eine zusätzliche Stärke, die sich nun auf den Speedstrecken positiv auswirken soll.

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Ariane Rädler (rechts) mit Cornelia Hütter und Katharina Huber anlässlich einer Einladung durch den Skiverband Oberösterreich. gepa

Zufriedenheit

Das neue Selbstvertrauen gibt Rädler auch die Kraft, sich selbst im Training besser einzuschätzen. “Du musst nicht in jedem Training an die absolute Grenze gehen. Gerade, wenn du dich nicht 100-prozentig fit fühlst, ist es manchmal besser, einen Gang zurückzuschalten. Früher wollte ich immer Vollgas geben, im Training und im Rennen sowieso. Heute weiß ich, dass dadurch auch das Verletzungsrisiko steigt und es besser ist, auf den eigenen Körper zu hören.”

Gold im Herzen, neue Ziele im Kopf
Der Blick auf den Ariane-Rädler-Olympiahang, den Ort, an dem Ariane Rädler die ersten Schwünge in den Schnee setzte.Roland Paulitsch

Zumal auch die Mär nicht stimmt, mit einem Olympiasieg finanziell ausgesorgt zu haben. “Das glauben viele”, lacht die sympathische Speedfahrerin. “Das stimmt nicht. Im Skisport können wir uns glücklich schätzen, im Weltcup Preisgelder zu verdienen. Von Verdienstmöglichkeiten wie etwa im Tennis sind wir aber weit entfernt. Gleichzeitig ist das Verletzungsrisiko in unserem Sport sehr hoch. Aber es gibt auch Sportarten, in denen noch weniger verdient wird und trotzdem jeden Tag trainiert wird. Deshalb geht es uns im Skisport insgesamt schon gut.”