Schlag für Schlag zurück zu neuer Stärke

Mit viel Geduld, neu gewonnener Leichtigkeit und tiefem Vertrauen dem sportlichen Comeback entgegen.
Bregenz Im “Doppelzweier” mit einer Olympiasiegerin und zweifachen Weltmeisterin. Ein Wunschgedanke, der vor einem Jahr noch undenkbar war, weil das Rudern ein knallharter Sport ist und Katharina Liensberger 2025 zur Saisonvorbereitung diente, doch nun dank der herzlichen Einladung der Göfnerin Realität wurde. Ohne das Gleichgewicht zu verlieren, kam das Gespräch mit der 29-Jährigen sehr schnell auf die Eingangsfrage: “Wie geht es dir?”
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
In diesem Zusammenhang sei der schmerzhafte Blick zurück gestattet. Der Blick auf jenen verhängnisvollen 2. Jänner 2026, an dem sich die Liensberger im Riesentorlauftraining bei einem Sturz schwer verletzte. Die verhängnisvolle Diagnose: Schienbeinkopfbruch (Fraktur des Schienbeinkopfs), Meniskusriss und Innenbandriss im rechten Knie. Damit endete die Saison abrupt und schlimmer noch, die Slalom-Spezialistin musste sich, auch gedanklich, auf eine lange Reha-Zeit einstellen.

“Ich habe lernen dürfen, dass die Richtung wegweisend ist. Ich darf vertrauen, dass alles gut kommt”, sagt Liensberger beim Eintreffen am Gelände des RV Wiking. Der See, der Verein – all das hat Vorarlbergs Skistar zu schätzen gelernt. Sie kommt gerne nach Bregenz und zum Training in einem der Rennboote. Zumal auch das zuvor erwähnte Vertrauen mit jedem kleinen Fortschritt wächst. Und Rückschläge? Die großen blieben ihr nach der Operation glücklicherweise erspart. Dennoch weiß sie, dass der Heilungsprozess keine Gerade ist.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
“Ich darf Gott sei Dank sagen, dass ich seit der Operation wirklich das Gefühl habe, es ist immer bergauf gegangen”, sagt sie. Liensberger im Sommer 2026? All die Erfahrungen der letzten Monate haben sie noch einmal reifen lassen, als Mensch, als Sportlerin. Ihre Energie, ihr Trainingseifer, ihr Drang nach Perfektionismus – all das ist weiter spürbar. Und doch, Liensberger kann inzwischen mal loslassen und sich zuweilen auch mal treiben lassen. “Mein Körper heilt am schnellsten ohne Druck. Darum will ich ihm alle Zeit der Welt geben.”

Vertrauen zu haben, zu spüren, ist für Liensberger ein wichtiger Faktor in ihrer Lebensphilosophie. Dazu zählen auch ihre langjährigen Partnerschaften, auf die sie als Sportlerin vertrauen darf. Ihre Dankbarkeit darüber kommt von Herzen und ist auch ihren Worten zu entnehmen. “Es ist schön, dass Coldamaris mich weiterhin unterstützt.” Zumal die Medizinprodukte für Nase und Rachen, die vor allem aus Rotalgen-Wirkstoffen oder Meersalz bestehen, gut in ihre Lebensphilosophie passen.

Dass sich in all ihren Jahren als Weltcupläuferin – die Göfnerin feierte ihr Weltcupdebüt am 12. Jänner 2016 beim Slalom in Flachau – viel verändert hat, merkt man nicht nur auf dem Wasser. Denn auch abseits des Sports hat Liensberger neue Kraftquellen für sich entdeckt. Da ist das Pumpfoilen, das sie vorsichtig ausprobiert hat. “Es war schon alles mit Bedacht”, erzählt sie lachend. “Ich muss ja nicht gleich alles herausfordern. Es geht nicht um Leistung, sondern auch um Schönheit.”

Zu diesen schönen Dingen zählt für sie vor allem ihre Harfe. “Das Harfespielen gibt mir wieder eine neue Sichtweise auf manche Dinge. Gerade in dieser Zeit gibt es mir Ruhe und schenkt mir neue Energie.” Und auch neue Erlebnisse. “Einmal, als ich gespielt habe, ist eine Katze hereinmarschiert. Sie hat mich beobachtet, ist bei mir sitzen geblieben und hat meiner Musik gelauscht.” Eine kleine Geschichte, die aufzeigt, dass die Monate der Reha für sie auch eine Reise zu sich selbst war und ist.
Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Youtube angezeigt.
“Vor ein paar Jahren hätte ich gesagt, Geduld ist nicht so meine Stärke. Jetzt habe ich die Perspektive wechseln können.” Statt ausschließlich dem nächsten Erfolg hinterherzujagen, lernt sie heute, auch vermeintliche Stillstände einzuordnen. Ich spüre inzwischen, dass Stille eigentlich die Fülle ist. Ruhe ist entscheidend für den nächsten Schritt.” Eine veränderte Sichtweise, die bestens zu ihrem Motto, das sie über Jahre hinweg begleitet, passt: Believe. Fly. Achieve. Der Glaube schenkt Vertrauen. Das “Fly” steht für neue Leichtigkeit und Loslassen. Erst darauf kann das “Achieve”, das Erreichen eines Ziels, entstehen. “Man setzt sich Ziele, aber dann muss man sie auch passieren lassen.”

Natürlich wäre es einfacher, nach Erfolgen an dieses Motto zu glauben. Das weiß auch Liensberger. „Erfolgsmomente geben Selbstvertrauen. Doch meistens sind es die schwierigen Zeiten, die einem Entwicklungsmöglichkeiten schenken und so neue Kraft spenden.“ Kraft für das sportliche Comeback. Und so schließt unser Gespräch zwangsläufig mit der Frage nach ihren Plänen für das Comeback. Eine konkrete Antwort vermeidet sie ganz bewusst. Nicht, weil ihr die Ziele fehlen, sondern weil sie ihrer eigenen Philosophie treu bleibt. „Wenn ich wieder am Start stehen kann und volles Vertrauen in meinen Körper habe, dann ist es der richtige Zeitpunkt.“ Bis dahin, so weiß sie, wird sie noch öfter in ein Ruderboot steigen und über den See gleiten. Schlag für Schlag. Ruhig und gleichmäßig und ganz bewusst mit einem klaren Ziel vor Augen: den ersten Tag zurück auf den Skiern so richtig zu genießen.