Ein Trio für Österreich

Isabel Posch, Lisa Redlinger und Theresia Mohr vertreten Vorarlberg bei der Leichtathletik-EM in Birmingham. Für Mohr wird der Auftritt sogar historisch.
Birmingham Drei Vorarlbergerinnen, drei völlig unterschiedliche Disziplinen und eine große gemeinsame Bühne. Wenn von Montag bis Sonntag bei der Leichtathletik-EM in Birmingham Europas Elite um Medaillen und Spitzenplätze kämpfen wird, werden Theresia Mohr, Isabel Posch und Lisa Redlinger mittendrin statt nur dabei sein. Das Trio gehört zum 24-köpfigen ÖLV-Aufgebot, das im 20.000 Zuschauer fassenden Alexander Stadium und auf den Straßen Birminghams auf insgesamt 1645 Athletinnen und Athleten aus 49 Nationen treffen wird.

„Es ist eine große Freude für alle, dass Großbritannien Ausrichtungsort ist. Wir kennen die Sportbegeisterung, die Stimmung soll auch unsere Athletinnen und Athleten beflügeln“, sagt ÖLV-Generalsekretär Helmut Baudis. Drei österreichische Top-Acht-Platzierungen sind das erklärte Ziel.
Mohr schreibt Geschichte
Aus Vorarlberger Sicht wird vor allem Theresia Mohr für ein Novum sorgen. Die 20-jährige Andelsbucherin wird am 15. August um 7.30 Uhr Ortszeit im Halbmarathon-Gehen als erste österreichische Geherin überhaupt bei einer Leichtathletik-EM antreten. Und das in einer Sportart, in die sie eher zufällig hineingerutscht ist.
„Wenn Gehen nicht so belächelt werden würde, wäre das fix meine liebste Sportart. An sich gefällt mir die Kombination von der Technik und Ausdauer richtig gut“, sagt Mohr.

Begonnen hat alles nach einer Knochenmarkentzündung im Schienbein, die einen Start über die Mittelstrecke verhinderte. Mohr probierte sich stattdessen im Gehen. „Ich dachte mir, Gehen kann ich, das habe ich im Fernsehen gesehen, das kann ich megaeinfach, das schaut witzig aus. Voll zum Spaß. Ich habe die Technik gleich können und gleich gewonnen. Man hat mich danach angeschrieben, ich habe so eine schöne Technik, ob ich das nicht weiterverfolgen möchte.“
Mittlerweile ist aus dem Spaß längst EM-Ernst geworden. Wobei Mohr ohne großen Druck nach Birmingham reisen wird. Die Bregenzerwälderin arbeitet Vollzeit als Raumausstatterin im elterlichen Betrieb und ist finanziell nicht vom Sport abhängig. „Das hilft mir voll, dass es egal ist, wie ich abliefere, ich muss mich nicht auf irgendwelche Förderungen verlassen. Ich bin so voll frei im Kopf und kann locker reingehen, denn verlieren kann ich nichts. Dabei bin ich.“
Training neben der Werkstatt
Ihre Einheiten baut Mohr rund um den Arbeitstag auf, trainiert nach Feierabend oder in der Mittagspause. Oft geht es direkt nebenan aufs Laufband. „Anfangs war ich am Laufband, weil ich draußen beim Gehen komisch angeschaut wurde. Aber jetzt bin ich am Band, weil es einfach auch fein und unkompliziert ist und ich nicht eine halbe Stunde nach Dornbirn zur nächsten Laufbahn fahren muss.“

Selbst die EM-Strecke wird vorab nicht bis ins letzte Detail analysiert. „Ich weiß nicht, warum, ich glaube, ich verkopfe dann. Und das will ich nicht. Ich laufe vorher eh einmal die Runde, wenn ich dort bin und schaue sie mir an. Aber ich kann eh nichts mehr ändern.“ Trainerin Claudia Lüthi, ihre Mutter und ihre Tante werden Mohr vor Ort anfeuern.
Posch eröffnet Ländle-Auftritte

Noch vor Mohrs historischem Start werden ihre beiden Landsfrauen gefordert sein. Isabel Posch von der TS Lustenau wird bereits am Montag um 11.25 Uhr im 100-Meter-Vorlauf aus den Startblöcken kommen. Das Semifinale wird um 20.10 Uhr stattfinden, das Finale um 21.50 Uhr. Zudem gehört Posch zur österreichischen Frauen-Sprintstaffel.

Einen Tag später wird Lisa Redlinger (TS Lustenau) auf die Bahn gehen. Am Dienstag um 19.25 Uhr wird die Vorarlbergerin über 5000 Meter im Einsatz sein. Damit werden Posch, Redlinger und Mohr Vorarlberg vom Sprint über die Langstrecke bis zum Halbmarathon-Gehen auf der großen europäischen Leichtathletik-Bühne vertreten.