Auf der Suche nach dem verlorenen Speed

Sport / 16.08.2026 • 12:30 Uhr
Estre vor seinem Porsche-Kollegen Nasr in Road America.
Estre vor seinem Porsche-Kollegen Nasr in Road America.GERHARD KUNTSCHIK

Für Ex-Weltmeister Kévin Estre läuft es in den USA nach gutem Start nicht problemlos

Bregenz Höchst – Mit dem Verzicht von Porsche Penske Motorsport auf eine Teilnahme an der Langstrecken-WM (WEC) ab dieser Saison hat sich auch das Aufgabengebiet von Kévin Estre verlagert: Der Porsche-Werksfahrer aus Höchst  fährt den 963 Prototypen jetzt in der amerikanischen Sportwagen-Meisterschaft (IMSA). Und ist dort nach einem tollen Auftakt in eine Durststrecke gekommen.

Platz vier in Daytona, Platz zwei in Sebring bei den beiden längsten Prüfungen waren ein starker Auftakt, Sieger waren jeweils die Teamkollegen Nasr/Andlauer/Heinrich. „Bis zum jüngsten Rennen in Road America war die Titelchance mathematisch noch da, aber wir haben leider sehr viele Punkte verloren. Seit Sebring sind wir nicht mehr siegfähig. Dass ich mit meinem Partner Laurens Vanthoor in Long Beach noch als Dritter aufs Podium kam, war fast ein Wunder, denn wir waren langsam, aber die Strategie passte. Seither sind wir einfach zu langsam. Vielleicht können wir im Finale über zehn Stunden in Road Atlanta durch die Taktik etwas herausholen“, sagt der 37-jährige WEC-Weltmeister von 2024.

Kévin Estre (r.) mit Laurens Vanthoor und dem Porsche 963 in Nostalgiedesign.
Kévin Estre (r.) mit Laurens Vanthoor und dem Porsche 963 in Nostalgiedesign.GERHARD KUNTSCHIK

Die sechs Stunden auf dem hügeligen Fahrerkurs von Road America endeten für Estre enttäuschend: Im Kampf um Platz zwei kollidierte er beim Re-Start elf Minuten vor Rennende mit Meisterschaftsleader Jack Aitken (Cadillac), beide fielen aus, wurden aber als Neunter und Zehnter der Prototypenklasse gewertet. Das verlorene Podium wurmte Estre sehr: Wir hatten ein großartiges Rennen, obwohl uns das Tempo etwas fehlte, und kämpften um den zweiten Platz. Ein riskantes Manöver der Startnummer 31 (Aitken) und eine kleine Fehleinschätzung meinerseits führten zu einer Berührung, die zehn Minuten vor der Zielflagge in den Leitplanken endete. Es tut mir unendlich leid für das gesamte Team. Wir hätten ein gutes Ergebnis verdient gehabt, aber so hätte es nicht passieren dürfen“, erklärte der Franzose, der einige Tage später von der Sportbehörde als Verursacher der Kollision ausgemacht wurde und nun zwei Rennen auf Bewährung fährt. Estre/Vanthoor liegen in der Meisterschaft vor den Rennen in Indianpolis (20. September, 2:40 Stunden) und Road Atlanta (3. Oktober, zehn Stunden) derzeit auf Platz sieben.

Ob er den Rennen im WEC nachtrauere? Dazu meint der Familienvater, der seit Jahren in Höchst lebt: „Ich bin einerseits froh, wieder eine Saison in der IMSA fahren zu können, die sehr viel Spaß macht. Aber das WEC ist ja doch eine Weltmeisterschaft mit Le Mans als Höhepunkt, das hat schon ein anderes Flair. Jede Serie hat Pros und Kontras. Ich denke, Porsche hätte heuer mit dem Hypercar in Le Mans eine echte Chance gehabt.“

Daheim sei „alles in Ordnung. Ich genieße die Zeit mit der Familie, weil ich da meine Ruhe finde. Ich habe hier den See und die Berge, was will man denn mehr? Leider habe ich heuer für die Festspiele keine Karten mehr bekommen“, erzählte Estre den VN.  KUN