“Viele haben damit nicht mehr gerechnet”

Sport / 26.08.2026 • 15:00 Uhr
"Viele haben damit nicht mehr gerechnet"
Albin Gashi und die Lustenauer Austria holten ein Remis bei Sturm Graz. gepa

Der lange Weg des Albin Gashi in die höchste Liga Österreichs.

Lustenau Er galt als großes Rapid-Talent und spielte mit Konrad Laimer und Xaver Schlager in den ÖFB-Nachwuchsteams, dennoch musste er fast 200 Zweitligaspiele bestreiten, bevor er sich mit 29 Jahren beim SC Austria Lustenau endlich seinen Traum erfüllen konnte – Albin Gashi über seinen langen Weg in die ADMIRAL Bundesliga.

Haben Sie damit gerechnet, dass es mit 29 Jahren doch noch mit der Bundesliga klappt?

Gashi Es war ein langer Weg, viele haben damit nicht mehr gerechnet. Vor allem nach meinem Wechsel nach Wels haben viele gedacht, es ist vorbei. Aber dann habe ich dort, wenn’s nach der Statistik geht, meine beste Saison gespielt. Jetzt bin ich froh, dass ich mein großes Ziel – und das war immer die Bundesliga – doch noch geschafft habe, und werde versuchen, das Beste daraus zu machen. Da gilt der Dank auch Austria Lustenau. Der Klub hat mir die Chance gegeben, was in meinem Alter sicher nicht verständlich ist.

Warum ist es mit 13 Toren und 9 Assists ausgerechnet in Wels so gut gelaufen?

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Bei Hertha Wels hatte Albin Gashi wohl seine beste Zweitligasaison. gepa

Gashi Trainer Heinle hat mir sicher sehr geholfen, das System ist mir auch zugutegekommen, ich habe endlich frei aufspielen können. In der Vergangenheit hat man nicht so sehr darauf Wert gelegt, dass ich meine Stärken ausspiele, sondern dass ich daran arbeite, was ich nicht so gut kann.

Sie haben die Bundesliga lange warten lassen, obwohl Sie schon früh als großes Rapid-Talent gegolten haben. Wie sind Sie als Hollabrunner überhaupt zu Rapid gekommen und nicht in die Austria-Akademie?

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Albin Gashi durchlief alle Nachwuchsstationen bei SK Rapid. gepa

Gashi Das haben mich schon einige Leute gefragt, aber es war so, dass wir mit der U11 ein Freundschaftsspiel gegen Rapid gehabt haben. Wir haben zwar ziemlich hoch verloren, aber Rapid hat mich danach zum Probetraining eingeladen, nach dem ich fix aufgenommen wurde. Die Austria ist erst eine Woche später gekommen und wollte mich überzeugen, dass es doch praktischer mit ihrer Akademie vor der Haustür wäre, aber da war ich schon fest entschlossen, den Schritt zu Rapid zu machen.

Warum hat es nach 75 Spielen für Rapid II nie für einen Einsatz bei den Profis gereicht?

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Albin Gashi im Testspiel bei den Rapid-Profis gegen den Hamburger SV.

Gashi Zoki Barisic hat mich schon mit 16 zum Training mit den Profis raufgeholt. Ich war auch bei einigen Testspielen dabei, und mir wurde viel versprochen. Ich hätte auch erwartet, dass ich irgendwann in einem Bewerbsspiel zum Einsatz komme und reinschnuppern kann, aber dazu ist es leider nie gekommen. Ich bin auch einige Male verliehen worden, deshalb war mein Weg anders als normal.

Mit 21 waren Sie bei Den Bosch in der zweiten holländischen Liga, was haben Sie davon mitgenommen?

Gashi Es war eine lehrreiche Zeit, Liga und Mannschaft hatten gute Qualität, wir waren auch Herbstmeister und haben um den Aufstieg gespielt, aber für mich persönlich ist es nicht so gut gelaufen. Ich war jung, ganz ohne Familie, und es war alles komplett anders. Ich habe die Umstellung nicht geschafft und bin nur zu wenigen Einsätzen gekommen.

Bei Ihrer zweiten Auslandsstation, beim FK Kukesi in Albanien, lief es besser?

Gashi Ich war damals schon beim FAC, als ich das Angebot von Kukesi bekommen habe. Peter Pacult war im Aufsichtsrat des FAC und ein paar Jahre davor Trainer von Kukesi. Er hat mir viel Positives berichtet und mir geraten, es zu probieren. Meine Eltern kommen aus dem Kosovo, deshalb war die Sprache kein Problem, auch sportlich ist es am Anfang gut gelaufen. Kukesi war damals ein Spitzenklub, ich habe Europa-League-Qualifikation gespielt, aber dann ist der Präsident ausgestiegen und es ist finanziell bergab gegangen. In der abgelaufenen Saison wären sie fast in die 3. Liga abgestiegen. 

Sie haben mit Konrad Laimer, Xaver Schlager, Stefan Posch und anderen WM-Startern im ÖFB-Nachwuchs gespielt. War es für Sie hart, sie bei Spitzenklubs zu sehen, während Sie in der 2. Liga gespielt haben?

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Albin Gashi als Jugendnationalspieler Österreichs.

Gashi Nein, so habe ich nie gedacht. Die Jungs haben es sich verdient. Sie haben so viel drauf, bei ihnen war es immer nur eine Frage der Zeit, bis sie so weit oben sind. Ich denke, ich hätte es mir auch schon früher verdient, in der Bundesliga zu spielen. Aber es ist, wie es ist. Mein Beispiel zeigt vielleicht, dass man es trotzdem schaffen kann, wenn man nicht aufgibt, auch wenn es schon unrealistisch scheint.

Wie überrascht sind Sie vom Saisonstart der Austria, vor allem nach dem Auftritt bei Sturm Graz?

Gashi Das haben uns sicher nicht viele Leute zugetraut. Doch der Umstand, dass wir alle schon von Tag eins der Vorbereitung zusammengearbeitet haben, ist in meinen Augen ausschlaggebend für den guten Start. Vor allem, wenn man sich anschaut, wie viele neue Spieler so schnell integriert werden konnten. Das ist auf die großartige Atmosphäre in Mannschaft und Verein zurückzuführen. Also, ich habe mich vom ersten Tag an in Lustenau wohlgefühlt. Obwohl die Umstellung von Wien auf Vorarlberg keine kleine ist (lacht).

Was trauen Sie der Austria noch alles zu?

Gashi Vieles. Wir gehen, wie man nicht nur in Graz gesehen hat, immer top vorbereitet und eingestellt in die Spiele. Ein ganz großer Faktor ist, dass jeder Spieler enorm hungrig nach Erfolg ist. Das sehe ich in jedem Training, da ist richtig Zug drinnen – und das macht nicht nur mir Lust auf mehr.