“Ich drücke der Austria mehr die Daumen”

Trainer-Legende Edi Stöhr drückt aus seiner Heimat Berlin der Austria die Daumen, während er seinem neuen Hobby frönt.
Lustenau, Berlin Er war nie um einen Spruch verlegen. Auch nicht, als ihn die VN am Mittwoch in seiner Heimat Berlin am Telefon erreichten. Die Rede ist von Edi Stöhr, Trainer-Legende in Vorarlberg, der einen verfrühten Glückwunsch zum Geburtstag kategorisch ablehnte: “Können Sie machen, werde ich aber nicht annehmen. Ich habe erst am 17. September Geburtstag.”
Ein Siebtel des Lebens in Vorarlberg
Und nicht irgendeinen, es ist der 70. Der ehemalige Dreifach-Trainer von Austria Lustenau (1994 bis 1999, 2001 bis 2003, 2009 bis 2011) und Einmal-Coach (2012) des SCR Altach war hörbar erfreut darüber, dass das Interesse an ihm aus dem Ländle nach wie vor gegeben ist. “Immerhin habe ich ein Siebtel meines Lebens in Vorarlberg verbracht. Und es waren wunderbare Zeiten”, schwelgt Stöhr in Erinnerungen, ohne aber zu vergessen, schelmisch darauf hinzuweisen, “dass aber, wie wir alle wissen, nicht alles Gold ist, was glänzt”.

“Unglaubliche Zeit”
Und lässt eben diese Phasen seines Lebens noch mal Revue passieren. “Die ersten fünf Jahre mit der Austria waren einfach unglaublich. Da feierten wir unglaubliche Erfolge, mit dem leider faden Nachgeschmack, dass ich dann nicht freiwillig den Verein verließ”, lässt sich Stöhr einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen.

Zu seiner zweiten Amtszeit fiel dem Geburtstagskind der knapp verpasste Wiederaufstieg in die Bundesliga ein, “als Zoran Vujic den entscheidenden Elfmeter im Heimspiel gegen Untersiebenbrunn vergeben hat. Leider hat Theo Grüner, Gott habe ihn selig, der unser Einser-Schütze war, Vujic den Vortritt gelassen, weil er ihn zum Torschützenkönig machen wollte. Bitter”.

Das abermalige Comeback in Grün-Weiß von 2009 bis 2011 verbindet Stöhr klar mit dem Einzug ins ÖFB-Cupfinale, “das sicher ein Highlight meiner Trainerkarriere war. Leider lief die Vorbereitung auf dieses Match nicht ideal, und wir haben gegen die SV Ried verloren”. Dass er mit dem SCR Altach 2012 den Aufstieg in die Bundesliga verpasste, war in seinen Augen “den Ausfällen meiner damals zwei besten Spieler Philipp Netzer, der sich die Nase gebrochen hat, und Tomi Correa geschuldet. Am Ende ging uns die Puste aus, und wir verloren auch noch das Derby gegen Austria Lustenau”.

Lob für die Arbeit im Ländle
Das anstehende Lokalduell kann der Berliner nicht live verfolgen, “weil ich hier in Deutschland Sky Sport Austria nicht mehr zu sehen bekomme. Und ich glaube nicht, dass ich hier in Berlin eine Kneipe finde, die österreichischen Fußball überträgt”, so Stöhr lapidar. Wobei verfolgen wird er das Match auf jeden Fall, “denn ich muss sagen: À la bonne heure, was im Ländle abgeht. Zwei Klubs in der Bundesliga – da wird richtig gut gearbeitet”.

Vor allem freut es ihn, dass ehemalige Schützlinge wie Philipp Netzer, Martin Kobras, Danilo Soares, Benedikt Zech oder Pius Grabher tolle Karrieren hinlegten. Auch den aktuellen Co-Trainer der Austria, Martin Schneider, ließ Stöhr unter sich schwitzen: “Den habe ich damals aus Hohenems geholt, und heute ist er Co-Trainer bei der Austria. Den Markus Mader wollte ich damals auch, da hat mir aber die Führungsetage einen Strich durch die Rechnung gemacht”, blickt Stöhr zurück.
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Abstrakte Malerei als neues Hobby
Während Stöhr den Ländle-Fußball aus der Ferne verfolgt, frönt er seinem neuen Hobby. Die abstrakte Malerei à la Gerhard Richter hat es ihm angetan. Vor fünf Jahren begann er damit. “War es anfangs nur sporadisch, bin ich mittlerweile reingekippt”, und legt mit verschmitztem Lächeln nach: “Ich bin in meinen Augen auch besser geworden. Sagen wir so: Es gibt gute und weniger gute Künstler. Ich bin ein Heranwachsender”.
Einen Tipp für das Derby wollte Vorarlbergs Trainer-Legende nicht abgeben, nur so viel: “Dass ich aufgrund der langen Tätigkeit in Lustenau schon eher der Austria die Daumen drücke”.