“Julia war die Wegbereiterin”

Erfolgstrainer Günter Bresnik über Zusammenarbeit mit Julia Grabher, ihre Rolle im österreichischen Frauentennis und das Potenzial von Joel Schwärzler.
Dornbirn/Wien Seit sieben Jahren arbeiten Günter Bresnik und Julia Grabher intensiv zusammen. Der erfahrene Tenniscoach schätzt an der Dornbirnerin vor allem ihre professionelle Einstellung. “Julia ist für mich als Trainer eine sehr angenehme Spielerin, weil sie an den Sport extrem professionell herangeht. Sie trainiert gerne und viel, dadurch hat sie sich zu einer Top-Athletin entwickelt.” Manchmal müsse er ihren Trainingseifer sogar bremsen. “Sie steigt nach den US Open in Wien aus dem Flieger und ruft an, wann wir wieder trainieren können.” Bresnik bedauert deshalb, Grabher nicht schon früher betreut zu haben. “Ich finde es sehr schade, dass ich sie nicht schon mit zwölf Jahren unter meine Fittiche nehmen konnte. Es wäre vielleicht viel mehr möglich gewesen bei ihr.”
Große Fortschritte, aber noch Luft nach oben

Spielerisch habe sich Grabher in den gemeinsamen Jahren enorm entwickelt. “Als wir gestartet haben, ist sie quasi ohne Rückhandschlag dagestanden. Da hat sie sich enorm verbessert.” Auch ihre Vorhand, schon immer eine Stärke, sei mittlerweile ihr Winner-Schlag. Dennoch sieht Bresnik noch Potenzial – vor allem bei der Fehlerquote und im mentalen Bereich. “Weil Julia eine Perfektionistin ist, steht sie sich dabei auch manchmal selbst im Weg. Denn Tennis ist die Kunst, mit Fehlern richtig umgehen zu können. Da hadert sie mir noch zu viel mit schlechten Schlägen. Das fehlt ihr auf die Weltspitze.” Als Gegenbeispiel nennt er Aryna Sabalenka: “Eine Sabalenka denkt nicht lange nach über einen vergebenen Schlag, die zieht ihr Ding gnadenlos durch.”
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Das Alter von mittlerweile 30 Jahren sieht Bresnik nicht als entscheidenden Faktor. Wichtig sei vielmehr, dass Grabher körperlich stabil bleibt. Auch bei der Betreuung während langer Turnierreisen sieht er Verbesserungspotenzial. “Es bringt nichts, wenn sich ein Tour-Coach selbst verwirklichen will, derjenige soll an den erarbeiteten Dingen in den Trainings weiter aufbauen. Da kann Julia in Zukunft noch sehr viel herausholen.”
Wegbereiterin des österreichischen Aufschwungs

Dass Grabher mit Lilli Tagger, Anastassija Potapowa und Sinja Kraus mittlerweile starke Konkurrenz aus dem eigenen Land hat, sieht Bresnik gelassen. “Erst mal weiß Julia um den großen Altersunterschied. Alleine schon deshalb freut sie sich total mit deren Erfolgen mit. Da gibt es überhaupt keinen Neid.” Vielmehr schreibt er Grabher eine wichtige Rolle beim Aufschwung des österreichischen Frauentennis zu. “Julia war in meinen Augen die Wegbereiterin des Aufschwungs des Damentennis in Österreich. Sie hat es nach einer gefühlten Ewigkeit wieder als Österreicherin geschafft, in Richtung Top-50 zu kommen. Profitiert davon haben alle.”

Diesen Aufschwung erlebt Bresnik seit Sommer 2026 auch aus einer neuen Perspektive. Der 65-Jährige arbeitet bis vorerst Sommer 2027 als Experte für Sky Sport Austria und kommentiert vor allem Matches mit österreichischer Beteiligung. Sein Eindruck: “Da hat das Damentennis in Österreich das Herrentennis überholt.”
Bresnik mit kritischem Blick auf Schwärzler
Auch Vorarlbergs Talent Joel Schwärzler war Thema des Gesprächs. Bresnik hält viel vom 19-Jährigen, sieht dessen Entwicklung zuletzt aber kritisch. “Ich finde ihn einen super Spieler. Aber in letzter Zeit habe ich von ihm wenig gesehen, obwohl er dann immer wieder mal ein Turnier gewinnt. Das Potenzial ist, wie man sieht, vorhanden.” Sorgen bereiten ihm vor allem die Entwicklung und die wiederholten Trainerwechsel. “Ein guter Trainer gibt einem Spieler, was er braucht – und nicht, was er will”.
Für Grabher bleibt Bresnik trotz der gestiegenen Konkurrenz optimistisch. Das Ziel für die kommenden Jahre ist klar: “Für Julia selbst ist das Ziel klar: in den nächsten Jahren konstant in den Top-100 sein. Das Zeug dazu hat sie allemal.”