Austria und Altach im großen Derbycheck

Im ersten Bundesliga-Derby der Saison zwischen Austria Lustenau und SCR Altach ist alles offen.
Lustenau, Altach Es ist angerichtet, wenn Austria Lustenau als Bundesligaaufsteiger SCR Altach am Samstag, 17 Uhr, zum großen Derby empfängt. Die Zutaten für ein hoffentlich großes Fußballfest in der Sun Minimeal Arena sind allemal gegeben. Erstmals in einem Pflichtspiel ist die Heimstätte der Grün-Weißen mit 5138 Zuschauern restlos ausverkauft. Zudem bringt das Spiel viel Brisanz mit sich: Altach kommt als Tabellenletzter, könnte mit einem Sieg an den Lustenauern in der Tabelle vorbeiziehen. Die Austria kann ihrerseits mit einem vollen Erfolg den Vorsprung auf den Erzrivalen auf fünf Zähler ausbauen und gleichzeitig den Rheindörflern keine schöne Länderspielpause bescheren. Drei Wochen lang auf die Tabelle als Letzter zu blicken, wäre alles andere als mutmachend.
Die VN-Sportredaktion hat im Vorfeld des elektrisierenden Derbys beide Teams und deren Protagonisten genau unter die Lupe genommen, um herauszufinden, wer eventuell am Ende der 90 Minuten die Nase vorn haben könnte. Interessant: Ein Blick in die Seiten der Wettbüros ergibt, dass die Buchmacher die Altacher leicht im Vorteil sehen.
Tor

Im Tor von Austria Lustenau steht der wohl beste Tormann der 2. Liga der letzten Jahre. Zudem zeigte der gebürtige Salzburger auch in den zwei Saisonen von 2022 bis 2024 mit der Austria in der Bundesliga, dass er ohne Weiteres mit den besten Goalies der Liga mithalten kann. Zeichnen den 32-Jährigen, seit 2019 in Grün-Weiß, vor allem sein Spiel auf der Linie und seine lautstarke Kommunikation mit den Vorderleuten aus, trübten Emotionen manchmal seine Leistungen. Die rote Karte bei Sturm Graz in Runde vier als Beispiel. Für ihn gilt: die Nerven im Zaum halten.
Beim SCR Altach steht mit Dejan Stojanvic die Verlässlichkeit in Person zwischen den Pfosten. Seit Sommer 2023 hütet der gebürtige Feldkircher, der es über den FC Lustenau bis zum FC Middlesbrough in die englische zweite Liga schaffte, das Tor. Der mittlerweile 33-jährige Familienvater hat sich erst im Sommer voll zum SCRA bekannt, indem er lukrative Angebote aus dem Ausland ausschlug und dafür seinen Kontrakt bis 2029 verlängerte. Bislang unterliefen dem Musterprofi so gut wie keine Fehler. Seine Strafraumbeherrschung kann ein wichtiger Faktor für sein Team im Derby werden. Vorteil: SCR Altach
Verteidigung

Austria Lustenau setzt in der Defensive auf eine Viererkette. Bei der 1:2-Niederlage bei Austria Wien standen mit Anilson, Emmanuel Chukwu, Niklas Pertlwieser und Danilo Soares nur Sommer-Neuzugänge in der Startelf. Chukwu ist fraglich (Knöchelverletzung), für ihn steht Kapitän Matthias Maak parat. Um zusätzliche Erfahrung in die Defensive zu bekommen, bietet sich auf der rechten Seite Fabian Gmeiner mehr als an. Der hat mittlerweile schon 56 Bundesligaspiele in den Beinen. Insgesamt elf Gegentore, nur der GAK hat mit 14 mehr erhalten, zeugen von wenig Stabilität in der Abwehr.
Im Rheindorf hat Trainer Ognjen Zaric an der von Vorgänger Fabio Ingolitsch eingeführten Dreier- bzw. Fünferkette festgehalten. Das Herzstück bilden Lukas Jäger, Benedikt Zech und Filip Milojevic. Auf den Außenbahnen agieren Benjamin Böckle und Niklas Niehoff. Durch die Rückkehr von Zech erhält die Defensive des SCRA einen großen Schub. Zudem haben die Neuzugänge auf den Seiten aufgezeigt, vor allem Niehoff zeigte im Offensivspiel starke Momente. Doch vier Niederlagen am Stück und insgesamt zehn Gegentreffer sprechen keine gute Sprache für die Abwehr des SCRA. Ausgeglichen
Mittelfeld

Der Trend, vorwiegend auf Neuzugänge zu setzen, trifft auch auf Austrias Mittelfeld zu. Da konnten aber Spieler wie Dion Kacuri, Lord Afrifa und vor allem Dominik Weixelbraun bereits überzeugen. Dazu zeigte auch Seydou Diarra auf. Kacuri dient als Denker und Lenker vor der Abwehr, Diarra und Weixelbraun sorgen für Schwung über die Seiten. Letztgenannter hat bei der Austria richtig eingeschlagen, drei Tore und ein Assist belegen dies. Der Leihspieler von SK Rapid kann zum entscheidenden Faktor im Derby werden. Einziges Manko bisher in der Saison: fehlende Kaltschnäuzigkeit.
In Altach setzt Coach Zaric mit Mike Bähre und Vessel Demaku auf zwei Sechser vor der Abwehr. Deren Auftrag ist klar: das Zentrum schließen und umgekehrt Angriffe einleiten. Dafür brauchen beide aber die Unterstützung der Seitenspieler Böckle und Niehoff. Diesbezüglich läuft das Werkl der Altacher noch nicht wirklich rund. Zwar zeigten die Rheindörfler durchwegs gute Phasen in den Spielen, doch über die gesamten 90 Minuten gelang es im Rahmen der Meisterschaft noch nicht, Tempo und Genauigkeit aufrechtzuhalten und so Druck zu erzeugen. Vorteil: Austria Lustenau
Angriff

Austrias Trainer Markus Mader hat mit Antonio Verinac, der eine Einberufung ins kroatische U21-Nationalteam bekam, seinen Zielspieler an vorderster Front gefunden. Der 21-jährige Deutsch-Kroate hält bei zwei Toren und einem Assist, ist zudem aufgrund seiner Laufarbeit und Leidenschaft zu einem ganz wichtigen Teil der Mannschaft geworden. Er soll mit seinem wuchtigen Körper Räume für die nachstoßenden Weixelbraun und Diarra sorgen. Dazu hat Coach Mader mit Precious Benjamin einen pfeilschnellen Stürmer, den er nachschießen kann. Der Ex-Altacher brennt sicherlich auf das Derby.
Der SCRA verfügt mit Patrick Greil über den besten Kicker in Vorarlberg. Der 30-Jährige ist in der Offensive das Um und Auf. Obwohl der offensive “Freigeist” noch nicht zu der Form gefunden hat, die ihn letzte Saison so stark gemacht hat, kann der Salzburger ein Spiel im Alleingang entscheiden. Dazu rührt Yann Massombo nach seinem Eklat als Box-to-Box-Spieler richtig um, wird sich im Derby mehr als nur zerreißen. Mit Ousmane Diawara agiert eine “Wundertüte” an vorderster Front, auf deren Explosion viele im Lager des SCRA schon lange warten. Ob ihm diese im Derby gelingt, bleibt abzuwarten. Vorteil: SCR Altach
Fazit
Einen Favoriten für das Derby auszumachen, ist beinahe unmöglich. Das bestätigten auch beide Trainer im Rahmen der Pressekonferenz bei der VKW vor dem großen Derby, sprachen unisono davon, “dass ein Derby eben seine eigenen Gesetze schreibt”. Austria Lustenaus Topscorer Dominik Weixelbraun erklärte, “dass bei solchen Spielen die Tagesverfassung immer eine große Rolle spielt. Wir gehen bestens vorbereitet ins Spiel, wollen unseren treuen Fans unbedingt den Sieg schenken. Das haben sie sich hier am meisten verdient”. Altachs Kapitän Lukas Jäger, der aufgrund seiner vielen Lokalduelle auf reichlich Erfahrung zurückgreifen kann, weiß, “dass diejenige Mannschaft, die bereit ist, alles auf dem Platz liegen zu lassen, als Sieger vom Platz geht. Da geht es um Kleinigkeiten, die am Ende aber eben den Unterschied ausmachen können”. Die brisante Ausgangssituation vor dem Spiel lässt psychologische Spielchen zu. So sprach Austria-Coach Mader von “einem angeschlagenen Gegner, der besonders gefährlich sein kann”. Sein Pendant ging nicht groß auf die Provokation ein, meinte nur, “dass die Ausgangslage uns vielleicht in die Karten spielen kann”.
In der VN-Sportredaktion sind die Prognosen ebenfalls gespalten. Von einem Sieg der Austria über Remis bis hin zu einem Auswärtssieg der Altacher war alles dabei.