“Die härteste Analyse kommt aus Dornbirn von Oma und Opa”

ÖFB-Nationalspieler Paul Wanner gibt im exklusiven Gespräch mit den VN Einblicke in seine Gefühlswelt.
Windischgarsten Nach der Weltmeisterschaft ist vor der Europameisterschaft. Österreichs Nationalteam bereitete sich im Rahmen des ersten Spieles in der Nations League gegen Israel (heute, 20:45 Uhr in Linz) im oberösterreichischen Windischgarsten vor. Mittendrin statt nur dabei: Paul Wanner. Der gebürtige Dornbirner und der ÖFB gestatteten den Vorarlberger Nachrichten erstmals ein Exklusiv-Gespräch, in dem der erst 20-Jährige einen Einblick in seine Gefühlswelt gibt, die er seit seinem Nationen-Wechsel von Deutschland nach Österreich durchmachte.

Vor etwas mehr als 200 Tagen, im März dieses Jahres, entschied sich Wanner für Österreich. Ein Entscheid, “der natürlich einen großen Einschnitt in meinem Leben bedeutete. Denn es war eine Entscheidung für immer. Man darf ja nicht vergessen, dass ich beim DFB alle U-Nationalmannschaften gespielt habe, eine starke Verbindung zum deutschen Fußball hatte. Doch am Ende war es eine wahre Herzensangelegenheit”, gibt Wanner zu. Um gleichzeitig anzuhängen, “dass auch Teamchef Ralf Rangnick eine wichtige Rolle gespielt hat”.

Blickt der nun 20-Jährige auf die letzten 200 Tage zurück, räumt er klar ein, “dass eigentlich alles aufgegangen ist”. Wanner wurde sofort zu einem wichtigen Bestandteil der Nationalmannschaft, “auch weil es mir die Mannschaft extrem einfach gemacht hat, schnell hineinzuwachsen. Es war immer und von allen Seiten Rückendeckung für mich zu spüren”. Den Trip zur Weltmeisterschaft sieht er klar als Krönung seiner bisherigen Karriere. “Ich durfte so viele unglaubliche Erfahrungen in den USA machen. Allein das Spiel gegen Spanien, die beste Mannschaft der Welt, oder das Duell gegen Argentinien mit Lionel Messi. Unvergesslich”, so Wanner, der trocken und mit verschmitztem Lächeln anfügt, “dass ich gegen Messi so schnell nicht mehr spielen werde”.

Der Weg von Amtzell am Bodensee, wo Wanner aufwuchs, bis zur WM in die USA war objektiv betrachtet zwar kein temporär langer, “aber ich muss mich manchmal schon selbst kneifen, wenn ich an die Zeit zurückdenke, als ich mit zwölf Jahren in die Jugend des FC Bayern gewechselt bin und was bis jetzt alles passiert ist”. Der zentrale Mittelfeldspieler kann im Gespräch diesbezüglich nicht oft genug betonen, welche große Rolle seine Eltern gespielt haben. “Sie sind mit mir nach München umgezogen, ohne sie hätte ich das wohl nicht alles geschafft. Mama und Papa haben dafür gesorgt, dass ich mich immer wohlgefühlt habe, am Boden geblieben bin und an meinem Traum arbeiten konnte”.

Die Bodenständigkeit und vor allem Unaufgeregtheit im Umgang in Sachen Medien um seine Person, Wanner wurde mit etwas mehr als 16 Jahren zum jüngsten Bundesligakicker der Geschichte des deutschen Fußballs, habe er von seiner Familie übernommen. “Ich denke, das hat man mir vorgelebt. In meiner Familie ist keiner, der groß auf sich aufmerksam machen möchte. Deswegen lautet mein oberstes Prinzip: Wichtig ist auf dem Platz”.

Sollte er einmal etwas “ausufern”, sorgen vor allem seine in Dornbirn wohnhaften Großeltern dafür, dass er schnell wieder am Boden der Tatsachen angelangt. “Opa und vor allem Oma sind meine größten Kritiker. Die zwei analysieren jedes Spiel von mir, und wenn ich mit Opa telefoniere, bekomme ich im Hintergrund klar die Meinung von Oma zu hören”, lacht Wanner, der es gleichzeitig vermisst, nicht öfter in Dornbirn vorbeischauen zu können: “Seitdem ich in Eindhoven bin, ist es schwer geworden. Früher war klar: Wenn ich in der Nähe war, ging es schnurstracks zu den Großeltern”.

Sportlich befindet sich Wanner seit seinem Wechsel 2025 vom FC Bayern München zum PSV Eindhoven auf einem Höhenflug. Mit damals 19 Jahren avancierte er schnell zum Stammspieler und war mitverantwortlich für den Meistertitel in den Niederlanden. Die Gründe für den Aufstieg, den er in kürzester Zeit hinlegte, hat Wanner schnell parat: “Ich musste und durfte beim FC Bayern ganz schnell lernen. Es bleibt dir auch keine Wahl, wenn du da bestehen willst”. Rückwirkend sieht Wanner seine Zeit bei Elversberg in der 2. deutschen Liga als enorm prägend, “weil dort alles anders war als bei den Bayern. Umgezogen haben wir uns in Containern, ich musste mich zuerst in der Mannschaft selbst beweisen, um dann in dieser knochenharten Liga zu bestehen. Diese Zeit war wichtig.” Einen weiteren Lernfaktor in seiner Karriere sieht Wanner im Abstiegskampf mit dem SV Heidenheim. “Ich kann heute auf alles, was im Fußball zählt, zurückblicken. Spiele mit Bayern oder Eindhoven um Titel, aber ich weiß auch, was Abstiegskampf bedeutet”.
Großes Lob von ÖFB-Legende
Im Nationalteam will das “Beinahe-Christkind”, Wanner kam am 23. Dezember 2005 auf die Welt, “zu einem wichtigen Bestandteil werden. Klar, es gibt aktuell einen Umbruch, aber das ist für jeden hier eine Chance, sich zu zeigen. Wir verfügen über so viele gute Spieler, und es macht unglaublich Spaß, für Österreich zu spielen”, erklärt der Linksfuß. Dass ÖFB-Legende Andreas Herzog in ihm “die Zukunft des österreichischen Fußballs” sieht, ehrt ihn “und gibt mir Motivation, dies auch umzusetzen”.