Bitteres WM-Aus für Piovesana

Austro-Britin gibt Sieg im Topduell in den letzten 22 Sekunden aus der Hand.
Baku Lubjana “Lulu” Piovesana ist bei der Judo-WM in Baku früh ausgeschieden. Die 29-jährige Wahl-Lochauerin besiegte zunächst Yeli Kim, unterlag danach aber Ex-Weltmeisterin Joanne Van Lieshout und blieb unplatziert.

Für Österreichs Nummer eins in der Klasse bis 63 kg (48 TN) endete die WM damit früher als erhofft. Piovesana, die als Nummer zwölf der Weltrangliste nach Baku gekommen war, musste sich in Runde zwei Joanne Van Lieshout geschlagen geben. Für die Austro-Britin ist es seit ihrer Einbürgerung im Oktober 2022 die vierte Weltmeisterschaft. Nach Rang fünf 2023 in Doha blieben 2024 und 2025 Platzierungen aus.

Dabei sprach lange vieles für Piovesana. Zum Auftakt setzte sie sich gegen die Koreanerin Yeli Kim nach 3:05 Minuten mit Sankaku-jime (Würgegriff) durch. Gegen Van Lieshout zeigte die Olympia-Fünfte von Paris anschließend einen deutlich verbesserten Auftritt als bei den bisherigen Duellen in diesem Jahr. Piovesana ließ der Niederländerin kaum Möglichkeiten und ging nach 1:47 Minuten mit einem Yuko nach Seoi-nage (Schulterwurf) in Führung.

Doch in der Schlussphase kippte der Kampf: 22 Sekunden fehlten Piovesana noch, um den Vorsprung ins Ziel zu bringen. Stattdessen verlor sie in den letzten Sekunden die Kontrolle und musste sich mit Waza-ari-awasete-ippon geschlagen geben.

“Es ist jammerschade. Lubjana hat den Griff dominiert und der Niederländerin keine Chance gelassen”, analysierte Trainerin Yvonne Snir-Bönisch. Die Führung hätte ihrer Einschätzung nach zum Sieg gereicht.
Auch ÖJV-Martin Poiger zeigte sich nach dem bitteren Ende enttäuscht: “Eine Weltklasse-Athletin ihres Formats dürfte diesen Kampf eigentlich nicht mehr verlieren.” Piovesana selbst machte ihre Nervosität für die entscheidende Szene verantwortlich: “Ich habe die Panik bekommen und instinktiv falsch reagiert. Ich hätte nie und nimmer angreifen dürfen. Das war ein schwerer Fehler.”
Damit bleibt aus Baku vor allem die Erkenntnis, dass Piovesana mit einer Weltklasse-Gegnerin über weite Strecken mithalten kann – am Ende aber Kleinigkeiten entscheiden. Und der Weg geht weiter: Die WM ist zugleich der Startschuss für die lange Olympia-Qualifikation Richtung Los Angeles 2028.