Ein Tag mit der Pistenrettung: Wenn Organisation über Leben und Tod entscheidet

Noch vor Tagesanbruch beginnt im Skigebiet Silvretta Montafon der Arbeitstag der Pistenrettung. Kontrollen, zunehmender Wind und ein Verletzteneinsatz bestimmen einen Wintertag am Berg.
St. Gallenkirch Noch ist es dunkel, als sich an der Talstation der Valisera Bahn die ersten Teams versammeln: Pistenretter, Liftpersonal, vereinzelte Mitarbeiter der Gastronomie. Um 6.45 Uhr fahren die ersten Gondeln an. Wenige Minuten später liegt das Skigebiet über ihnen – leer, ruhig, ausschließlich in der Hand jener, die für Sicherheit und Betrieb verantwortlich sind.

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Schilder, Kontrolle, Verantwortung
Zu Beginn stimmt sich das Team kurz ab. Zuständigkeiten werden festgelegt, jede Piste ist klar zugeordnet – die Nummern sitzen. Anschließend fahren die Pistenretter ihre Bereiche ab, kontrollieren Markierungen und prüfen, ob die Sicherungen korrekt gesetzt sind.
Passt alles, führt der Weg über die Mittelstation zurück nach oben, später weiter mit dem Skidoo. Einer der Erfahrensten im Team ist Gerhard Sälly, seit Jahrzehnten Pistenretter. “Organisation ist alles”, sagt er – ein Satz, der den Ablauf dieses Vormittags prägt.

Digitale Organisation und Lawinenlage
In der Pistenretter-Station werden die Abläufe digital gebündelt. Jeden Morgen gegen 9 Uhr geht eine zentrale E-Mail aus der Rettungszentrale ein. Sie enthält die aktuelle Wetterlage, eine Prognose für den Folgetag, die Lawinenwarnstufe sowie Informationen zu Wind und Sichtverhältnissen.

Jede Pistenkontrolle wird elektronisch dokumentiert. Die Pistenretter erfassen per Tablet oder Mobiltelefon, welche Strecke geprüft wurde und in welchem Zustand sie sich befindet. Der Einsatz ist damit lückenlos nachvollziehbar – insbesondere an Tagen mit starkem Wind und wechselnden Bedingungen.
Sturm, Sperren – und Diskussionen
An diesem Tag zeigt sich das Wetter von seiner rauen Seite. Der Wind nimmt spürbar zu, so stark, dass ein Lift aus Sicherheitsgründen gesperrt werden muss. Mit dem Skidoo rückt das Team aus, stellt Sperrschilder auf und informiert die Gäste direkt auf der Piste. Nicht jeder zeigt Verständnis – Diskussionen bleiben nicht aus. Spätestens hier wird klar: Neben Ski und Funkgerät braucht es als Pistenretter vorwiegend eines – Geduld.

Einsatz über Funk
Kurz darauf meldet sich der Funk: Ein Snowboarder hat sich am Bein verletzt. Die Pistenretter rücken aus, routiniert, konzentriert, bringen die Trage zur Unfallstelle. Der verletzte deutsche Urlauber wird versorgt und gesichert. Bergauf wird die Trage an den Skidoo gehängt, am Lift der Betrieb kurz angehalten. Der Patient wird verladen und per Gondel ins Tal gebracht, wo ein weiteres Team übernimmt.

Bei Kollisionen wird zusätzlich die Pistenpolizei hinzugezogen. Sie rekonstruiert den Unfallhergang und arbeitet dabei eng mit der Pistenrettung zusammen. An diesem Tag bleibt es bei diesem einen Einsatz.
Schlussrunde und Fazit
Nach 16 Uhr beginnt der letzte Rundgang. Die Pisten werden noch einmal abgefahren, Markierungen überprüft, umgefallene Schilder aufgestellt. Es wird kontrolliert, ob sich noch jemand im Skigebiet befindet. Erst danach fahren die Pistenretter ins Tal.

Der Tag im Skigebiet zeigt, dass Pistenretter weit mehr sind als reine Ersthelfer. Neben der Versorgung Verletzter beobachten sie Wetter und Schneelage, sperren Pisten und sorgen für reibungslose Abläufe. Organisation und Sicherheit haben dabei oberste Priorität.