Von Psychologie bis zur Schneekönigin – der VN-Überblick für die kommenden Tage

Vorarlberg / HEUTE • 10:44 Uhr
Von Psychologie bis zur Schneekönigin – der VN-Überblick für die kommenden Tage

Was es dieses Wochenende (und darüber hinaus) in Vorarlberg alles zu erleben gibt.

In Vorarlberg passiert viel. Da kann man schnell den Überblick verlieren. Daher gehen die VN jeden Freitag weit über das Format der bloßen Event-Ankündigung hinaus. Persönlich und kompetent geben Redakteurinnen und Redakteure ihre Empfehlungen für Familienunternehmungen, Sport, Kultur, Events, Gastronomie, Bücher, Musik und mehr ab.

Spitze Pfeile und die Schneekönigin

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Michael Prock ist Politik-Leiter bei den VN, Vater einer sechsjährigen Tochter, Fußballer und ein großer Freund der Popkultur. Seinen jeden Freitag erscheinenden Newsletter kann man unter https://www.vol.at/newsletter abonnieren.

Man soll auf Faschingspartys ab einer gewissen Uhrzeit wohl keine spitzigen Gegenstände mehr erlauben. Gut, dass in Götzis zuerst der spitze Gegenstand und dann die Party im Vordergrund steht. Ich habe leider keine Zeit am Samstagabend, aber hätte ich Zeit, würde ich in die Töbelehalle gehen. Weil der FC Götzis am Samstag zwei Dinge kombiniert, die ich mag: Fasching und Dart. Um 17 Uhr beginnt ein Dartturnier, bei dem jeder mitmachen kann. Danach steigt eine Faschingsparty. Verkleidete Dartspieler sind also schon zuvor willkommen.

Allerdings steht Kinderprogramm auf dem Plan. Zum Beispiel am Sonntag das Schneekönigin-Musical im Festspielhaus. Meine Kleine freut sich schon sehr darauf. Und vielleicht gefällt’s sogar mir. Aber was tut man nicht alles für die Kinder.

Ein Dauerbrenner auf Social Media

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Paloma Mock ist Jungredakteurin bei VOL.AT, liebt Fantasy-Bücher, entdeckt beim Gaming neue Welten und trinkt am liebsten Grüntee. Ihren jeden Donnerstag erscheinenden Newsletter kann man unter https://www.vol.at/newsletter abonnieren.

Auf BookTok taucht es seit Jahren zuverlässig auf, zwischen Markerstrichen, Haftnotizen und sehr persönlichen Leselisten: „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl. Ein Sachbuch, das dort fast wie ein Roman gelesen wird – weil viele Leserinnen und Leser sich erstaunlich direkt erkannt fühlen.

Stahl, Diplom-Psychologin und erfahrene Therapeutin, greift ein Konzept auf, das in der Psychologie lange bekannt ist, hier aber besonders zugänglich erklärt wird: das „innere Kind“. Gemeint sind emotionale Prägungen aus der Kindheit, die unser Selbstwertgefühl, unsere Beziehungen und unsere Konfliktmuster bis heute beeinflussen. Das Buch unterscheidet zwischen einem verletzten und einem gesunden inneren Kind – und zeigt, wie beide Anteile unser Erwachsenenleben lenken, oft ohne, dass wir es merken. Der Ton bleibt dabei bewusst sachlich und klar. Statt schneller Heilversprechen gibt es viele Beispiele, Reflexionsfragen und konkrete Übungen, mit denen Leserinnen und Leser eigene Muster erkennen können.

Gerade dieser nüchterne Ansatz macht den Erfolg des Buches aus: Es verlangt Mitarbeit, aber keine Vorkenntnisse. Kein leichtes, aber ein zugängliches Buch – und vielleicht genau deshalb ein Dauerbrenner auf Social Media und darüber hinaus.

„Lola Blau“ im Landestheater

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Andreas Marte leitet die Kulturredaktion der VN, wo er seine größte Leidenschaft – neben seiner Familie – zu seinem Beruf gemacht hat. Seinen jeden Donnerstag erscheinenden Newsletter kann man unter https://www.vol.at/newsletter abonnieren.

Am Sonntag ist um 19.30 Uhr im Vorarlberger Landestheater Georg Kreislers 1971 uraufgeführtes Monodrama „Lola Blau“ zu erleben. Das Werk ist kein Musical im herkömmlichen Sinn, sondern ein musikalisches Porträt einer jüdischen Schauspielerin aus Wien, deren Lebensweg durch das Jahr 1938 jäh unterbrochen wird.

Die Figur der Lola Blau steht exemplarisch für eine Generation, deren künstlerische Ambitionen durch die politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts beschädigt wurden. Zugleich bleibt sie eine individuelle Gestalt, geprägt vom Wunsch nach Anerkennung und Zugehörigkeit. Kreisler erzählt diese Geschichte ohne falsches Pathos, mit präziser Sprache, scharfem Witz und einer musikalischen Form, die Chanson, Kabarettlied und kommentierende Zuspitzung miteinander verbindet.

Die Flucht in die USA erscheint dabei nicht als Befreiung, sondern als erneute Bewährungsprobe. Lola findet sich in einer Unterhaltungsindustrie wieder, die Anpassung belohnt und Eigenständigkeit nur dann akzeptiert, wenn sie sich reibungslos vermarkten lässt. Erfolg wird möglich, bleibt jedoch brüchig und erkauft.

Besonders deutlich wird dies bei der Rückkehr nach Europa. Sie führt nicht zu Versöhnung, sondern legt Mechanismen der Verdrängung offen: routinierte Höflichkeit, das Ausbleiben von Verantwortung und ein Schweigen, das mehr über Schuld verrät als offene Ablehnung. In diesem Moment wird „Lola Blau“ zu einer Reflexion über Exil und Erinnerung, über Kunst und Markt, über Haltung und den Preis, den Anpassung fordert.

Getragen wird der Abend von Tamara Stern, die dem Stück seit Jahren ihre Stimme und Bühnenpräsenz leiht. Ihre Interpretation verleiht „Lola Blau“ eine präzise Gegenwärtigkeit und macht das Monodrama zu einem konzentrierten Beitrag im Spielplan.

Abwärts!

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Christian Adam ist Sportchef bei den VN. Sein Herz schlägt für den Fußball, seine Expertise geht jedoch weit darüber hinaus. Seinen jeden Samstag erscheinenden Newsletter kann man unter https://www.vol.at/newsletter abonnieren.

Sie wollen Vorarlbergs aufstrebenden Freeride-Star in Aktion sehen? Kein Problem, am Samstag bietet sich dazu, quasi vor der Haustür, die beste Gelegenheit. Denn Jem Müller, kommt als frischgebackener Vizeweltmeister U18 ins Montafon zur nächsten Station der Open-Faces-Tour. Da wird der 17-jährige Feldkircher beim Junior 3***-Contest mit von der Partie sein. Die Zamangspitze bietet das ideale Gelände für die Nachwuchselite, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Mit Steilheiten von bis zu 60 Grad, technischen Lines und anspruchsvollem Gelände biete das Face des Berges perfekte Voraussetzungen für spektakuläre Runs. Gleich im Anschluss erwartet die Zuschauer der heimische „Klassiker“ auf der legendären Heimspitze. Dabei bietet die Piste 10 „Grasjoch“ allen Interessierten beim Juniorbewerb beste Einblicke ins Geschehen. Beim Challenger sorgt zusätzlich die Public Area in der Novastoba mit Live-Viewing und DJ-Sound für echte Event-Atmosphäre. Der Stellenwert des Bewerbs unterstreicht auch die Tatsache, dass mit dem Open Faces Challenger in der Silvretta Nova der Startschuss in die neue Freeride World Tour fällt. Für alle Teilnehmer:innen ist es die erste große Standortbestimmung, denn die Challenger-Serie ist die letzte und entscheidende Qualifikationsrunde auf dem Weg in die Freeride World Tour. Und weil ein Müller selten allein kommt, startet auch der ältere Bruder von Jem Müller. Jack ist für den Challengerbewerb gemeldet. Das Montafon bildet für beide die perfekte Bühne, sich vor heimischer Kulisse zeigen zu können.

Keine roten Rosen

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Felix Holzer ist Artdirector bei den VN. Seine Interessen gelten dem Spannungsfeld zwischen der Sub- und der Hochkultur – und der Geschichte, speziell der lokalen.

100 Jahre wäre sie jetzt schon alt – Hildegard Frieda Albertine Knef, geboren am 28. Dezember 1925 in Ulm, war weit mehr als nur die lasziv-rauchige Stimme hinter einem unsterblichen deutschen Chanson. Schauspielerin, Bestseller-Autorin, Boulevardlegende und – ach ja – Sängerin, die mit ihrem Leben schon lange vor dem ersten Ton wusste, dass Glück nur Minuten kennt und der Rest der Wartesaal ist. Nach Auftritten am Broadway, Skandalen wie „Die Sünderin“ und der Arbeit am autobiografischen Megaseller „Der geschenkte Gaul“ kehrte die Knef ins Tonstudio zurück, um mit KNEF ein Werk vorzulegen, das so kompromisslos, charmant und paradox ist wie ihre Person selbst. Was soll man sagen? Dieses Album, aufgenommen im Dezember 1969 und im Februar 1970 veröffentlicht, ist keine nostalgische Schlagersammlung und kein seichtes Easy-Listening für anesthesierte Ohren. Nein: KNEF ist eine Wegwerf-Schachtel voll mit zwölf überwältigenden Chansons, die zwischen Jazz, Beat, Folk und dieser unnachahmlich deutschen Verve oszillieren – tief melancholisch, doch mit einem Augenzwinkern, das einem noch im Nacken sitzt, wenn der letzte Ton verhallt ist.

Hinter allem steht Hildegard selbst: Texterin, Interpretin, Kaschmir-verkleidete Ironikerin mit der Stimme einer Frau, die schon zu viel erlebt hat, um noch Illusionen zu pflegen. Sie singt von Müdigkeit und Leidenschaft, von nächtlichen Spaziergängen durch Berlin, von der Sehnsucht, die niemals stillsteht. Da ist kein Platz für Harmlosigkeit – nur für Ehrlichkeit, die so scharf ist wie ein Bourbon auf nüchternem Magen.

Und während andere Stars auf gescheitelte Harmonien und seelenlose Reime setzten, schrieb Knef ihre eigenen Texte. Sie starrte dem deutschen Schlager ins angestrengte Gesicht und sagte: Nicht mit mir. Die Arrangements von Hans Hammerschmid weben um ihre Stimme ein Netz aus Jazz- und Pop-Elementen, das gleichzeitig nostalgisch und geradezu rebellisch wirkt. KNEF ist kein Album für nette Sonntagnachmittage. Es ist ein Plädoyer für die Ambivalenz, ein Vexierspiel aus Schmerz und Humor – und ein Beweis, dass echte Kunst dort entsteht, wo man wehtut und trotzdem lächelt. Wer dieses Album hört, versteht plötzlich, warum die Knef nicht nur Diva war, sondern ein dichterischer Golem im Chanson-Universum. Eine zeitlose Hörempfehlung!