Latein ist wertvoll

06.02.2026 • 12:46 Uhr
Latein ist wertvoll

VN-Kommentar von Walter Fink.

Wenn man offenen Auges durch Rom geht – und man sollte die ewige Stadt am besten zu Fuß erkunden –, dann fallen einem immer wieder vier Buchstaben auf: SPQR. Sie stehen für das lateinische „Senatus Populusque Romanus“ (Senat und das Volk von Rom), ein Kürzel, der schon in der Antike verwendet wurde und das enge Verhältnis vom regierenden Senat und dem Volk zeigen sollte. Noch heute findet sich dieses antike Hoheitszeichen auf vielen öffentlichen Plätzen, natürlich auf frühen Zeugnissen, aber auch auf Brunnen und Inschriften, genau so auf so profanen Dingen wie Kanaldeckeln, Bussen oder Mülleimern. Ein Begriff, der sich über mehr als zweitausend Jahre erhalten hat und für das antike genauso wie für das heutige Rom steht. Lateinisch im römischen Alltag also – als ein Beispiel von vielen. Latein begegnet einem aber nicht nur in Rom, es ist auch Voraussetzung für eine ganze Reihe von Studienfächern auf der Universität, allen voran Medizin oder Pharmazie, ebenso die philosophischen Fächer.

Nun aber hat Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) für Herbst einen kompletten Umbau des Bildungssystems angekündigt, darunter eine Kürzung des Lateinunterrichts in den Oberstufen des Gymnasiums. Er will dafür vor allem der Künstlichen Intelligenz mehr Raum in den Stundeplänen einräumen. Dagegen wehren sich viele Künstler und Wissenschaftler in Österreich, darunter Elfriede Jelinek und Peter Handke, Nobelpreisträger für Literatur, und Anton Zeilinger, Nobelpreis für Physik. Sie meinen in einer Petition: „Wir sind auf Grund unserer Ausbildung und unseres Wissens davon überzeugt, dass die humanistische Bildung, die den Blick über Jahrtausende der Geistesgeschichte ermöglicht, einen unverzichtbaren Beitrag zur Heranbildung mündiger, selbst denkender Staatsbürger:innen leistet. (…) Unsere Bitte, die auch als Forderung verstanden werden kann, lautet also: Der Unterricht in den klassischen Sprachen Latein und Altgriechisch soll uneingeschränkt weitergeführt werden.“

Nicht nur die weltbekannten Nobelpreisträger sind dieser Meinung, auch die wichtigen Autorinnen und Autoren des Landes haben diese Petition unterstützt, auch jene aus Vorarlberg: Monika Helfer, Reinhold Bilgeri, Arno Geiger, Michael Köhlmeier (der vor wenigen Tagen mit dem Max-Frisch-Preis ausgezeichnet wurde), dazu viele andere – und jede Stunde werden es mehr.

Eine gute Überprüfung ist auch immer die Frage an sich selbst: Habe ich vom Lateinunterricht profitiert. Ganz einfach: Ich habe – obwohl ich kein guter Schüler war. Beispielsweise habe ich die Grammatik der deutschen Sprache erst verstanden, als ich die lateinische lernen musste. Ich habe überhaupt viele Worte erst verstanden, als ich sie nach dem Lateinischen (oder natürlich ebenso sehr aus dem Griechischen) ableiten konnte. Und noch heute, nach langen Ehejahren, kann ich bei meiner Frau Eindruck schinden, wenn sie mir sagt: „Leite mir dieses Fremdwort ab.“ Dann kommt mein Rest-Latein zum Tragen – und ich denke mir: Ich hätte noch viel mehr Latein lernen sollen.