Ein lauter Knall gegen leiser werdende Kritik

Die Hauptröhre des Stadttunnels wird gebohrt. Zum Auftakt feierten die Verantwortlichen den Start – und sich selbst.
Feldkirch Es machte bumm, natürlich lauter. Und mehrmals. Landesstatthalter-Gattin Julia Bitschi ist es als Tunnelpatin vorbehalten, mit einer symbolischen Sprengung offiziell den Bau des Feldkircher Stadttunnels einzuleiten. Vor dem großen Knall sind es große Worte, die über die Tunnelbaustelle in der Felsenau hallen. Politik und Tunnelbauer geben sich kämpferisch: Wir bohren. Allen Widerständen zum Trotz.

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Wobei die Widerstände sehr an Kraft verloren haben. Vielleicht liegt es am Sicherheitspersonal, das rund um die Baustelle positioniert ist. Vielleicht auch daran, dass mit der symbolischen Sprengung endgültig Tatsachen geschaffen werden. Kein Transparent hängt am Baukran, keine Zwischenfälle stören den Ablauf, niemand klebt auf der Straße. Bis auf eine kleine Gruppe, die vor dem Eingang einem Journalisten einen offenen Brief überreicht, bleibt es eine geschlossene Feier.

Die Politik lässt sich diesen Meilenstein in Vorarlbergs Straßenpolitik – aus Sicht der Teilnehmer – nicht entgehen. Hochrangige Vertreter von Stadt und Land aus ÖVP und FPÖ beklatschen die “fidelen Straßenbauer”, die den Auftakt musikalisch begleiten. Als Erster betritt Bernhard Braza das Podium, Projektleiter des Stadttunnels. Er blickt nach oben und sagt: “Sehen Sie den Kran? Sehen Sie die Container, die Anlass für einen fünfmonatigen Baustopp waren? Der Kran steht noch immer, die Container sind noch da. Wir geben nicht auf!” UVP stehe für “Unheimlich viel Papier”, sagt er und kritisiert den gerichtlichen Instanzenzug, der viel Zeit und Geld koste.

Der Vormittag dient den Rednern vor allem dazu, das Projekt – und damit auch sich selbst – zu bestätigen. Ihre Botschaften richten sie an Gegner, die nicht anwesend sind.
Landesstatthalter Christof Bitschi und Landeshauptmann Markus Wallner stehen ebenfalls am Rednerpult. Zehn Jahre hätten die Verfahren gedauert, nun müsse gebaut werden, sagt Wallner. “Demokratischer geht es nicht. Man kann gar nicht noch mehr beteiligen und planen, als wir es gemacht haben. Trotzdem gibt es immer noch solche, die laufende Arbeiten behindern wollen.” Und weiter: “Wenn wir so weit kommen, dass wir höchstgerichtliche Urteile nicht akzeptieren, wird es bedenklich.” In diesen Urteilen sei auch geprüft worden, ob die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sorgfältig durchgeführt worden sei.



Nicht erwähnt wird: Im Sommer des vergangenen Jahres verfügte die UVP-Behörde im Landhaus einen Baustopp, weil die Container eben nicht nach UVP-Bescheid aufgestellt wurden. Sie wollte klären, wie sich das auf den gültigen Bescheid auswirkt. Der Druck auf die Behörde soll so groß geworden sein, dass die zuständige Sachbearbeiterin ihre Zuständigkeit zurücklegte. Die Entscheidung verzögerte sich, die Baustelle stand fünf Monate still.




Nun wird weitergebaut – zur Freude von Josef Tschofen, Vertreter der Bauunternehmen. Er erinnert an den Achraintunnel, der ebenfalls heftig kritisiert worden sei. Heute stelle dessen Nutzen niemand mehr infrage. So werde es auch beim Stadttunnel sein. Wallner verweist auf frühere Großprojekte, etwa die zweite Röhre durch den Pfänder. “Auch damals war die finanzielle Situation angespannt.” Bei Generationenprojekten stelle sich nicht die Frage, ob sie im Moment richtig oder falsch seien, sondern nur: “Umsetzung ja oder nein? Auch wenn es etwas kostet.” Auch Feldkirchs Bürgermeister Manfred Rädler spricht von einem Erfolg: “Gegen all die Widerstände wurde konsequent am Feldkircher Jahrhundertprojekt festgehalten.”


Dann Auftritt der Sprengmeisterin. Vor dem Plakat “Julia-Tunnel” überreichen die Baumeister der Tunnelpatin den metallenen Sprengkasten. Ein paar Mal dreht sie an der Kurbel. Eine kurze Pause. Bumm. Der Bau beginnt. Die Diskussion bleibt.










