Leserbrief: “Aufklärung statt Belehrung”

Leserbriefe / 05.05.2026 • 13:05 Uhr
Leserbrief: "Aufklärung statt Belehrung"

Zum VN-Kommentar von Julia Ortner, VN vom 5. Mai:

Die Kommentare von Julia Ortner lese ich regelmäßig und schätze sie sehr. Umso mehr fällt auf, dass dieser einen blinden Fleck hat. Sie schreibt zu Recht über Vertrauensverlust, Algorithmen und die Verantwortung des Journalismus. Doch sie meidet das Unbequemste: Warum haben viele Menschen das Vertrauen in etablierte Medien verloren? Nicht nur wegen Zuckerberg und Musk – sondern auch wegen uns selbst. Der ORF, für dessen Online-Redaktion Frau Ortner verantwortlich zeichnet, ist eine mit Gebühren finanzierte Institution, deren politische Unabhängigkeit – Stichwort Kurz-Ära, Stiftungsrat, parteinahe Führungsposten – seit Jahren ernsthaft in Frage steht. Wer aus dieser Position über Pressefreiheit schreibt, ohne einen Satz der Selbstkritik einzufügen, betreibt keine Aufklärung – sondern Lobbyarbeit in eigener Sache. Echter Journalismus würde heute zuerst die eigene Glaubwürdigkeit befragen – nicht die der Algorithmen. Damit rückt zwangsläufig die Frage in den Mittelpunkt: Haben wir dieses Vertrauen eigentlich verdient?

Hans Mohr, Dornbirn