Butterbrot mit Blume

Die „Aufblüherei“ trotzt dem allgegenwärtigen Spardruck mit inklusiver Naturpädagogik.
Feldkirch Drinnen ist es trocken und behaglich, draußen nass und kühl. Die Mädchen und Buben der Kleinkindbetreuung „Aufblüherei“ in Feldkirch-Altenstadt drängen jedoch hinaus ins Freie. Sie wollen in den Garten, in dem sie nach Herzenslust die Natur erkunden und dabei gleich noch von Beeren und Blumen naschen können. Die Kleinkindbetreuung ist das jüngste Projekt des Vereins „Aufblüherei“. Am 1. Februar wurde damit begonnen. „Der Start war aufgrund des überall herrschenden Spardrucks mit großer Unsicherheit verbunden“, erzählt Obfrau Stefanie Egle-Fiel. Doch das Team wollte Eltern und Kinder nicht enttäuschen. Heute ist sie froh, den Schritt gewagt zu haben. Die 12 Betreuungsplätze für Herbst sind belegt, die Warteliste läppert sich. Egle-Fiel möchte Mut machen: „Trotz unklarer Entwicklung in der Förderung bei der Kinderbetreuung sind neue Einrichtungen sinnvoll, um Kindern von Anfang an mit vielfältigen Angeboten ein breites Wissen und Kompetenzen mitzugeben.“

Garten der vielen Möglichkeiten
Der Verein wurde 2022 gegründet. Er hat inzwischen zehn Mitarbeitende, wobei über den Sommer zusätzlich 13 Personen angestellt sind, und knapp 100 ehrenamtliche Helfer. Das Herzensthema von Stefanie Egle-Fiel ist die inklusive Naturpädagogik. Die praktiziert sie in einem rund 1000 Quadratmeter großen Garten, der vieles ermöglicht. An Initiativen gibt es eine ganzjährig geöffnete Kinderbetreuung, MINT-Projekte für Kindergartenkinder und Volksschüler sowie Jugendprojekte. Großen Wert legt Egle-Fiel außerdem auf Kooperationen mit sozialen Organisationen. Integra beispielsweise betreut die Gartenanlage. Einen Raum schaffen, wo Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen einen Platz haben, ist es, was Stefanie antreibt. „Ich höre oft, wie schwierig es ist, soziale Projekte umzusetzen“, sagt sie und will die Problematik auch gar nicht kleinreden, aber: „Wir glauben, dass Veränderungen ebenso wie Krisen Chancen sind und haben erlebt, dass mit einer positiven Einstellung und dem Vertreten unserer Werte viel zu erreichen ist.“

Schüler als Schneckenpolizei
Bis der Verein seinen engagierten Plan in die Tat umsetze, gab es in Feldkirch-Altenstadt keine Kleinkindbetreuung. Jetzt wuseln im alten Kindergarten zwölf Mädchen und Buben fröhlich durch die bunt geschmückten Räume, am liebsten jedoch durch den Garten, der so viel an Entdeckungen und Köstlichkeiten bereithält. Benjamin, Jakob, Mario und Klara haben es sich mit ihren Betreuerinnen Marina und Monika im Pavillon gemütlich gemacht. Zur Jause gibt es Butterbrot mit Blütenbelag. Gegessen wird, was aus dem Garten kommt. „Wir haben extra fünf Beete mit essbaren Blumen angelegt“, erklärt Stefanie lächelnd. Die Kleinen langen kräftig zu. Kurz darauf beleben Volksschüler die Szenerie. Sie sind gekommen, um den Garten von gefräßigen Schnecken zu befreien, werden deshalb liebevoll die Schneckenpolizei genannt.

Tag der offenen Tür
Auch die Schüler mögen den Garten. „Man fühlt sich hier so frei“, sagt Irma. Mitschülerin Elisa befindet: „Es ist schön, wenn man die Blumen blühen sieht und das Gemüse probieren darf.“ Finja schätzt, dass „man viele verschiedene Gemüsesorten anbauen kann“, und Ilvy ist es wichtig, durch den Garten die Natur besser kennenzulernen und ihr damit helfen zu können. Stefanie Egle-Fiel geht beim Betrachten der Kinder das Herz auf: „Selbst, wenn weitere Einsparungen stattfinden, werden wir immer wieder Wege des sozialen Miteinanders finden, einfach weil es richtig ist.“ Ein solcher Weg eröffnet sich Interessierten morgen, Freitag, von 14.30 bis 17.30 Uhr beim Tag der offenen Tür.





