Leserbrief: Wehrdienstreform: Zögern der Dreierkoalition

Leserbriefe / 25.06.2026 • 16:00 Uhr
Leserbrief: Wehrdienstreform: Zögern der Dreierkoalition

Die Welt verändert sich mit einer Geschwindigkeit, die unsere langsame Politik offensichtlich überfordert. Anstatt sich über die Wehrdienstreform einig zu werden, hat jede Partei ihre eigenen Vorstellungen. Die SPÖ möchte sechs Monate Grundwehrdienst plus zwei Monate Milizübungen. Sechs Monate Grundwehrdienst sind angesichts des neuen Bedrohungsbildes und der modernen Waffensysteme des Bundesheeres zu kurz. Die Neos liebäugeln mit der schwedischen Wehrpflicht für Frauen und Männer, die 12 Monate dauert. In Schweden werden nur besonders geeignete und motivierte Wehrpflichtige als Soldatinnen und Soldaten ausgebildet. Das österreichische Bundesheer und der Zivildienst sind jedoch auf eine große Anzahl von Männern angewiesen. Nach einer gründlichen Beurteilung hat die Wehrdienstkommission das Modell 8 plus 2 vorgeschlagen. Der Miliz fehlen rund 45 Prozent der Offiziere und 65 Prozent der Unteroffiziere. Das Modell 8 plus 2 bietet auch für den Miliz-Kader eine gute Basis. Selbst wenn in den nächsten Monaten eine Entscheidung über die Wehrdienstverlängerung fällt, wird es Jahre dauern, bis einsatzfähige Kompanien und Bataillone verfügbar sind. Für den Aufbau neuer Einheiten müssen Personal, Waffensysteme und entsprechende Infrastruktur vorhanden sein. Die Zeit des Zögerns ist vorbei. Wenn die Politik weiterhin untätig bleibt, wird die Realität die Entscheidung treffen.

Kurt Gärtner, Wels