“Es wäre schön, wenn ich mit meinem Mann alt werden könnte”

27.07.2026 • 14:41 Uhr
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Trotz ihrer schweren Krankheit hat Joka Traby ihre Lebensfreude nicht verloren.

Joka Traby (45) aus Bregenz lebt seit drei Jahren mit metastasiertem Brustkrebs.

Bregenz Joka Traby (heute 45) plagten ein halbes Jahr lang starke Rückenschmerzen. Der Arzt verschrieb der Bäckereiverkäuferin Medikamente. Die nahmen ihr aber nicht die Schmerzen. Im August 2023 brach die Bregenzerin in der Bäckerei in Langen bei Bregenz zusammen. “Mein Chef brachte mich zur Dorfärztin Nina Isenberg-Haffner. Sie gab mir zunächst Spritzen, doch weil diese nicht halfen, schickte sie mich zur CT- und MRT-Untersuchung.” Dabei wurde ein großer Tumor in der Wirbelsäule entdeckt. Aber das war nicht die einzige Hiobsbotschaft. Bei Joka wurde metastasierter Brustkrebs diagnostiziert. Der Krebs hatte bereits gestreut – in die Wirbelsäule, in die Lunge, die Nieren und die Leber.

Diese niederschmetternde Diagnose überforderte Joka. “Ein halbes Jahr lang lebte ich wie in einem Tunnel. Ich habe bis heute kaum Erinnerungen an diese Zeit.” Nur langsam begriff Joka, dass sie unheilbar krank ist und der Krebs jederzeit weiterstreuen kann. Bei einer Freundin, die selbst schwer krank war, konnte sie sich ausweinen. “Du brauchst jemanden, bei dem du weinen kannst.”

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Dieses Trio versteht sich. Joka Traby mit ihrem Ehemann Franz und Hund Mia.

Das erste Jahr nach der Diagnose war für Joka schlimm, “weil ich dachte, dass ich nicht mehr lange lebe”. Alles drehte sich um den Tod. “Ich dachte, dass ich alles zum letzten Mal erlebe, meinen Geburtstag zum Beispiel oder Weihnachten.” Doch Joka sprach auf die Chemo in Tablettenform gut an. “Der Krebs hat eine Pause eingelegt”, sagt sie, und jetzt umspielt ein zaghaftes Lächeln ihre Lippen.

Die Bregenzerin lernte, mit dem Krebs zu leben. “Man kann auch mit ihm gut leben.” Die kleinen Dinge im Leben wurden auf einmal kostbar. “Ich kann mich über eine Tasse Kaffee und das Vogelgezwitscher freuen. Selbst der knirschende Kies unter meinen Füßen fühlt sich wie ein kleines Wunder an.” Joka kostet jeden Augenblick bewusst aus. “Das Leben ist schön. Ich freue mich über jeden neuen Tag.” Freilich: Durch den Krebs ist ihr Leben eingeschränkt. Sie kann vieles nicht mehr machen: wandern, Ski fahren, Eislaufen, Trampolinspringen. Es gibt auch Tage, da merkt sie, dass sie krank ist. “Manchmal schmerzt der Wirbel so sehr, dass ich nicht einmal gehen, kochen oder mir die Haare waschen kann.”

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Joka Traby (links) mit einem Menschen, der ihr in der schwersten Zeit Halt gab. Karin Hämmerle ist Koordinatorin des Vereines “Frauenselbsthilfe nach Krebs Vorarlberg”. Alexandra Tschirnich

Joka kann den Krebs nicht wegzaubern. “Aber ich kann schauen, dass der Rest meines Lebens schön ist.” Wegen ihrer schweren Erkrankung musste Joka ihre Arbeit als Verkäuferin aufgeben und in Invaliditätspension gehen. Das kränkte sie sehr. Denn: “Ich bin immer gerne arbeiten gegangen.” Aber sie hat eine neue Aufgabe gefunden. Durch diese ist sie aufgeblüht. Joka engagiert sich seit einigen Monaten für den Verein Frauenselbsthilfe nach Krebs Vorarlberg. “Ich leite eine Gruppe in Bregenz. Wir Frauen unternehmen viel gemeinsam. Wir gehen Minigolf spielen, spazieren oder frühstücken.” Bei der Selbsthilfegruppe fand die krebskranke Frau Halt. “Ich fühlte mich nicht länger allein – eine große Last fiel von meinen Schultern.”

Obwohl mit dem Krebs ein Damoklesschwert über ihrem Leben hängt, gibt die schwer kranke Frau nicht auf. “Man darf den Kopf nicht in den Sand stecken und muss die Krankheit als ständigen Begleiter akzeptieren.” Aber ihre Träume lässt sie sich vom Krebs nicht nehmen. “Ich wünsche mir ein langes Leben. Es wäre schön, wenn ich mit meinem Mann Franz alt werden könnte.”

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Joka Traby lächelt in die Kamera.

Betroffene können sich an den Verein “Frauenselbsthilfe nach Krebs Vorarlberg” wenden: Tel. 0664/3034803.