Leserbrief: Rohrkrepierer mit Ansage

Neun Monate an der Waffe, in der Kaserne, bei Truppen- und Milizübungen – oder neun Monate Zivildienst. Gleicher Preis, ungleiche Last – wer entscheidet sich da noch für die Waffe? “Fast ein Fünftel mehr Zivildiensterklärungen” meldet Vorarlberg im ersten Halbjahr 2026 – und das, bevor die Reform überhaupt gilt. Genau das haben Kritiker vorhergesagt, unter ihnen Landeshauptmann Wallner: Das Verhältnis kippt Richtung 1:1, zulasten des Bundesheeres. Die Reform soll das Heer füllen. Ihre bloße Ankündigung leert es. Zwar soll der Zivildienst später verpflichtend auf elf Monate steigen. Doch das greift erst, nachdem zu wenige zum Heer gekommen sind. Der Schaden kommt zuerst, die Korrektur danach. Und Gesetz ist das bis heute nicht. Die Koalition hat lediglich ihren Entwurf beschlossen; für die Umsetzung fehlt die Zwei-Drittel-Mehrheit, FPÖ und Grüne sind nicht an Bord. Es gibt keine Verlängerung – es gibt eine Aussendung. Noch hat es das Parlament in der Hand. Doch schon jetzt lenkt ein Vorhaben, über das es nicht entschieden hat, Tausende junge Männer in die falsche Richtung. Der Schuss ist nicht einmal gefallen – und reißt schon Lücken in die eigenen Reihen. Ein Rohrkrepierer mit Ansage.
Hans Mohr, Dornbirn