Leserbrief: Vorarlberg im Rückwärtsgang – ein politisches Debakel

36 Tage Wartezeit auf eine MRT-Untersuchung, lange Wartezeiten bei Ärzten, fehlende Pflegeplätze, explodierende Wohnkosten und Verkehrsprobleme: Vorarlberg gleicht zunehmend einer Baustelle, auf der jahrelang notwendige Maßnahmen verschleppt wurden. Jetzt rächen sich diese Versäumnisse bitter. Im Fußball würde man von einem Debakel sprechen. Politisch ist es ein Armutszeugnis. Natürlich trägt nicht allein die Landesregierung die Verantwortung. Doch wer seit Jahren regiert, muss sich die Frage gefallen lassen, warum sich die Probleme nicht lösen, sondern verschärfen. Besonders beim Wohnen: Die Mieten nähern sich Schweizer Verhältnissen – nur ohne Schweizer Löhne. Dass leistbares Wohnen kein Naturgesetz, sondern auch eine Frage politischer Entscheidungen ist, scheint in der Landespolitik in Vergessenheit geraten zu sein. Und die Koalitionspartner? Sie wirken eher wie Statisten als wie eine wirksame politische Kontrolle. Wer Verantwortung für die Menschen und dieses Land beansprucht, muss sie auch übernehmen. Ankündigungen und Selbstzufriedenheit ersetzen keine Lösungen. Vorarlberg war einmal ein Land, auf das man stolz sein konnte. Heute stellt sich zunehmend die Frage, ob es politisch noch vorwärtsgeht oder längst im Rückwärtsgang unterwegs ist. Wie lange will die Politik noch zusehen – und wie lange lässt sich die Bevölkerung das gefallen?
René Dobler, Feldkirch