“Ich habe nur in der Nacht geweint”

Brigitte Bachmann verlor in den vergangenen sechs Jahren vier enge Angehörige.
Gargellen Brigitte Bachmann (80) aus Gargellen ist seit sechs Jahren ständig mit dem Tod konfrontiert. Im Jahr 2020 starb ihre Mutter in einem Pflegeheim in Klagenfurt. “Sie wurde fast 100 Jahre alt.” Brigitte hatte ein enges Verhältnis zu ihr. “Ich führte 40 Jahre lang die Frühstückspension Wulfenia in Gargellen. Mama ist oft aus Kärnten angereist. Sie hat mir viel Arbeit abgenommen und mir beim Kochen und Backen geholfen.”
Im Jahr 2022 musste Brigitte, eine gebürtige Kärntnerin, die mit 17 Jahren als Friseurin nach Gargellen gekommen war, abermals von einem engen Angehörigen Abschied nehmen. Ihr Sohn Werner starb im 55. Lebensjahr an einem Schlaganfall. “Er ist am 14. Dezember 2022 umgefallen und war tot.” Werner war das Sorgenkind der dreifachen Mutter. Er lebte in einem Pflegeheim. “Es ist furchtbar, wenn dein Kind stirbt”, sagt sie und zeigt mit feuchten Augen sein Sterbebild.

Nur wenige Wochen nach dem Verlust von Werner musste sie sich auch von ihrem Mann Helmut für immer verabschieden. Mit ihm, einem ehemaligen Skilehrer, war Brigitte 59 Jahre zusammen. “Helmut ist mit 84 Jahren innerhalb von drei Monaten dement geworden. Er war nicht mehr er. Zum Schluss hat er nur noch mich erkannt.” Auch sein Tod am 11. Jänner 2023 erschütterte sie tief. “Ich habe sehr getrauert um ihn, aber nur innerlich. Ich wollte die Trauer nicht nach außen bringen, weil ich den Rest der Familie nicht belasten wollte. Deshalb habe ich nur in der Nacht geweint.”
Ein Jahr später dann der nächste Schlag. Brigittes Tochter Marina erkrankte an ALS, einer fortschreitenden, meist tödlich verlaufenden Erkrankung des Nervensystems. Dabei gehen Nervenzellen, die Muskeln steuern, nach und nach zugrunde, was zu Muskelschwäche, Lähmungen sowie Problemen beim Sprechen, Schlucken oder Atmen führt. “Marina konnte plötzlich nicht mehr richtig sprechen”, erinnert sich Brigitte an die ersten Anzeichen der Krankheit. Die Mutter musste schmerzlich mitansehen, wie ihr Kind immer mehr verfiel. “Das Schlimme war, dass man ihr nicht helfen konnte.”

Als Marina am 2. Februar 2026 den letzten Atemzug tat, war Brigitte zugegen und hielt ihre Hand. “Marina schlief friedlich ein. Sie war noch keine 60 Jahre alt. Dabei wollte sie so alt werden wie ihre Omi.” Nach ihrem Tod verspürte Brigitte einen starken Wunsch, ihren Lieben nachzufolgen. “Ich wollte wieder mit ihnen zusammen sein.”
Doch Brigitte glaubt, dass sie auf Erden noch eine Aufgabe hat. “Meine Familie braucht mich noch.” Ihr Enkel Michael lebt mit seiner Frau und seinen beiden minderjährigen Kindern bei ihr. “Sie sind sehr lieb zu mir und lenken mich ab von der Trauer um meine Lieben.” Aber die 80-Jährige freut sich schon auf den Tag, “an dem ich zu ihnen in den Himmel komme”. Der Tod ängstigt sie kein bisschen. “Dann ist da nur noch totaler Friede.”