Gassenverkauf statt Komposthaufen

Gärtnereien verkaufen ihre Pflanzen nun in Selbstbedienung.
Schwarzach „Zum Glück gibt es wenigstens das“, merkt eine ältere Dame im Vorbeigehen an und entschwindet am geschlossenen Blumengeschäft vorbei in dessen Außenbereich. Dort sind schon am frühen Vormittag zahlreiche Frauen und Männer damit beschäftigt, Gemüse- und Zierpflanzen auszusuchen und einzupacken. Danach listen sie den Einkauf auf einem bereitgelegten Zettel auf, schreiben den Preis dazu und deponieren die Summe in einer bereitgestellten Kasse. Viele Gärtnereien haben aus der Not eine Tugend gemacht und bieten ihre Ware in Selbstbedienung an. Das funktioniert offensichtlich gut. „Die Leute sind total ehrlich“, bestätigt Martina Köb von „flora“ in Schwarzach. Auch der Innungsmeister der Vorarlberger Gärtner, Reinhard Brunner aus Höchst, lobt die Zahlungsmoral: „Unsere Kunden agieren vorbildlich und hochanständig.“
Kontaktloser Absatz
Die Maßnahmen im Zusammenhang mit der Coronakrise haben neben vielen anderen Unternehmen besonders die Gärtnereien buchstäblich kalt erwischt. Dort grünt und blüht es seit Wochen, die Zeit des Pflanzens musste nur noch kommen. Stattdessen kam das Virus. Doch alles einstampfen oder kompostieren kam nicht infrage. Es wurde nach einer Möglichkeit des kontaktlosen Absatzes gesucht und im Gassenverkauf gefunden. „Wir bewegen uns damit zwar ein bisschen in einem rechtlichen Graubereich“, räumt Reinhard Brunner ein, stellt jedoch gleichzeitig klar: „Wir folgen den Richtlinien der Wirtschaftskammer, also Verkauf ohne Kontakt zu Personen und Einhaltung der gängigen Hygieneregeln.“ Deshalb sehen sich die Gärtner mit ihrem Selbstbedienungsangebot auch auf dem Boden der Rechtmäßigkeit.
Gut fürs Gemüt
Den Hobbygärtnern und Blumenfreunden kommt diese Art des Verkaufs ebenfalls gelegen. Gerhard hat zwei Steinpflanzen um 6,40 Euro erstanden. Im Normalfall schätzt er Beratung, aber: „Es geht auch einmal ohne, wenn man weiß, was man will.“ Martina Köb von „flora“ ist überzeugt, dass Blumen und die Gartenarbeit dem Gemüt der Menschen insgesamt guttun. Und zumindest leise klingelt es auch in den Kassen.
