Warum zwei Bahnstudien zu völlig anderen Ergebnissen kommen

VN / 05.07.2022 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Warum zwei Bahnstudien zu völlig anderen Ergebnissen kommen
Zweifel gibt es an der Notwendigkeit des dreigleisigen Ausbaus zwischen Lauterach und Bregenz, auch bei Elmar Rhomberg. VN, Mehr am See

Bei Ausbauplänen der Bahn im unteren Rheintal droht ein Expertenstreit.

Bregenz Der 5. Juli 2021 war für Verfechter einer Unterflurlösung der Bahn zwischen Wolfurt und der Staatsgrenze bei Hörbranz ein Freudentag. Im Bregenzer Rathaus wurde die Machbarkeitsstudie “Eisenbahntrasse Großraum Bregenz” den Medien präsentiert. Die Studienautoren der ARGE Rhomberg-Zierl-BDO bestätigten sowohl die Machbarkeit einer unter der Erdoberfläche verlaufenden Bahntrasse als auch die Finanzierbarkeit der kalkulierten 1,5 Milliarden Euro Baukosten. Die Laune war bestens. Genau ein Jahr später hat sich das Blatt gewendet. Eine neue Studie, ein anderes Ergebnis und lange Gesichter bei den Befürwortern.

Der Grund ist ein am Montag präsentiertes Zwischenergebnis einer Variantenprüfung für den Bahnausbau im unteren Rheintal. “Werner Consult” kam im Auftrag der ÖBB und des Landes Vorarlberg in seiner Analyse zum Schluss, dass die Machbarkeit einer kompletten Tieflage von Lochau bis Wolfurt aus Sicht der Bauphase, wie es im Bericht heißt, nicht gegeben sei. Die Unterflurvariante wird dabei regelrecht zerrissen. Neben mehrjährigen Streckensperren wurde auch das Schleifen von 121 Bauwerken, darunter auch Wohnhäuser, skizziert.

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Zwei Studien, völlig unterschiedliche Ergebnisse und ein drohender Expertenstreit: Der Bahnausbau lässt die Wogen hochgehen. Warum aber liegen die beiden Analysen inhaltlich so weit auseinander? Der Unterschied liegt in der Anzahl an Gleisen. So geht die Machbarkeitsstudie 2021 von einer “zweigleisigen Unterflurführung der Eisenbahn unterhalb der Bestandstrasse von der Staatsgrenze Hörbranz bis Lauterach kurz vor der Gemeindegrenze von Wolfurt” aus. Die ÖBB-Studie sieht zwei Gleise lediglich zwischen Bahnhof Lochau-Hörbranz bis Bregenz vor. Danach wird mit Platzbedarf für zumindest drei unterirdisch verlegte Gleise kalkuliert. Dabei beruft sich die Studie auf eine Bedarfsanalyse für die Infrastruktur 2040 und 2050+, die im März publik wurde.

Warum zwei Bahnstudien zu völlig anderen Ergebnissen kommen

Unterschiedliche Annahmen, vermutlich auch tendenziöse Ansätze, lassen die Ergebnisse der Studien auseinanderdriften. Erst vor wenigen Wochen haben sich die Bürgermeister von Wolfurt, Lauterach, Bregenz, Lochau und Hörbranz zur “Interessengemeinschaft Unterirdischer Bahntrassenausbau im Großraum Bregenz” (IGUB) zusammengeschlossen. Deren Sprecher Elmar Rhomberg wünscht sich, dass sich die Autoren beider Studien an einen Tisch setzen. In einigen Bereichen würden Äpfel mit Birnen verglichen. Am Ende gibt es mehr Fragen als Antworten.

Lauterachs Bürgermeister und seine Amtskollegen wollen etwa wissen, ob es ein drittes Gleis tatsächlich brauche und warum der Platzbedarf dafür so üppig bemessen worden sei. So werfen überdimensional große Querschnitte des Tunnelbaus bei den Unterflurtrassen-Befürwortern Zweifel auf. “Wenn das alles auf dem Tisch liegt, kann man es auch bewerten”, sagt Rhomberg. Auch auf Nachfrage habe er zur Notwendigkeit des dritten Gleises bisher keine plausible Antwort erhalten.

Dass eine Unterflurvariante in der Bauphase schwierig ist, sei allen klar. Dafür entstehe danach ein unvergleichbarer Lebensraum. “Das ist bei der Bevölkerung auf viel Zustimmung gestoßen. Ob ein drittes Gleis oberirdisch zwischen Bregenz und Wolfurt den Bewohnern vermittelt werden kann, halte ich vorsichtig gesagt für schwierig”, so Bürgermeister Rhomberg weiter.