Nach der Schule der nächste Tiefschlag für Partenen

Nicht nur die Zukunft der Volksschule ist in Frage gestellt, sondern auch das Grundlegendste.
Gaschurn Wenn ein Ort seine Schule verliert, kommt es einem Todesurteil gleich, denn Nahversorger und Gasthäuser werden als nächstes folgen. So warnte Anfang der Woche noch ein betroffener Vater zur Schulschließung in Partenen. Und tatsächlich steht der nächste Dolchstoß gegen den Montafoner Ort an.

Denn mit Jahreswechsel steht Peter Knöferl ohne Lieferant da. Bislang konnte er keine der Lebensmittelketten überzeugen, ihn weiterhin mit Waren zu beliefern. Dabei wäre er bereit, die sprichwörtliche letzte Meile selbst zu organisieren. So ist im Hauptort Gaschurn eine Spar-Filiale. “Ich habe ihnen angeboten, dass ich die Ware in Gaschurn hole. Ich will kein Geld von ihnen, nur Ware kaufen”, versichert Knöferl. “Das müsste doch möglich sein, der Lkw fährt doch eh jeden Tag bis nach Gaschurn”, hofft auch Bürgermeister Daniel Sandrell.
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Seit Ende 2019 kämpfen Knöferl und sein Team um den Erhalt des Nahversorgers im Ort am Ende des Montafons. Das Konzept sah vor, den Laden gemeinsam mit der angrenzenden Pizzeria zu betreiben, um Synergien zu schaffen. Zuvor gab es eineinhalb Jahre keinen Nahversorger im Ort. Während der Pandemie sprang Knöferl selbst ein, um den Laden am Leben zu erhalten. Doch nun sieht sich das Handelshaus Wedl mit Jänner nicht mehr in der Lage, die Nah&Frisch-Märkte in Vorarlberg zu bedienen und Alternativen zeichnen sich nicht ab.

“Vonseiten der Gemeinde haben wir die größtmögliche Unterstützung, die man sich wünschen kann”, betont Knöferl. Doch der Handel konzentriere sich auf die eigenen Premiumstandorte, die Randlagen kommen unter die Räder. “Jetzt haben wir die Schule verloren und ich habe keine Ahnung, wie wir im nächsten Jahr tun sollen”, sieht Knöferl eine düstere Zukunft für Partenen. “Klar ist es nicht einfach für so ein Lädele. Aber wenn es weg ist, stirbt das Dorf aus”, macht sich Sandrell nichts vor.
“Wir haben, was ihr braucht”
Für Parzellen und Ortschaften wie Partenen wird es immer schwieriger, ein attraktives Lebensumfeld zu bieten. Viele Junge versuchen aktiv, ihr Dorf am Leben zu erhalten, weiß sich Sandrell glücklich. Mit Sozialwohnungen will man Menschen im Ort halten, diese seien auch fast alle bewohnt, betont er die Erfolge im Kampf gegen die Abwanderung. “Aber es ist nicht mehr viel da, das sie nutzen können”, weiß er. Lang ist es her, dass es einen Bäcker oder eine Metzgerei in Partenen gab. Heute gibt es nur mehr den Nah&frisch.

“Ich gehe sicher nicht in einen Ort ohne Geschäft, weder zum Wohnen noch auf Urlaub”, bringt es Knöferl auf den Punkt. Trotz Vollsortiment kann er nicht immer alles und zu dem Preis anbieten, der gewünscht ist. “Wir haben, was ihr braucht, und was wir nicht haben, braucht ihr nicht”, lacht der Nahversorger. Das Brot muss er aus Bludenz beziehen, im Tal fand sich kein Lieferant. Doch Einwohner und Gäste sind froh, dass es ihn gibt. Doch nun steigen die Kosten, dazu die Probleme mit dem Lieferanten. “Das es keine gemähte Wiese ist, habe ich gewusst”, betont Knöferl. Es geht aber um mehr als Idealismus, damit der Laden funktioniert.
Sandell hofft nun auf eine verstärkte Unterstützung vonseiten des Landes für die Nahversorger und den kommenden Selbstversorgergipfel. Und auch Knöferl will sich mit einem Ende im Dezember nicht abfinden.