
Mordfall Janine G.: Wie Social-Media-Auswertungen Anklage ausgebremst haben
Diese Woche jährt sich der grausame Mord an Janine G. Eine Anklageschrift steht noch immer aus. Gründe dafür gibt es mehrere. Einer davon liegt in den USA.
Lustenau Am Grab stehen ein halbes Dutzend Kerzen mit aufgedruckten Fotos, Blumen und Engelfiguren. “Für immer unvergessen, Janine”. Auch ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod der 30-jährigen Dornbirnerin Janine G. bewegt das Verbrechen viele im Land. Und noch immer laufen die Ermittlungen. Eine Anklage steht weiter aus. Gründe dafür gibt es mehrere, wie VN-Recherchen zeigen.

Die Ermittlungen laufen seit dem 5. März 2022 auf Hochtouren. Rasch wurden zwei Tatverdächtige, ein 19-jähriger Lustenauer und ein 25-jähriger unsteter Vorarlberger als dringend tatverdächtig ausgeforscht und später festgenommen. Während der heute 26-Jährige zu dem Tatvorwurf noch monatelang eisern schwieg, belastete der Jüngere der beiden bei der Einvernahme seinen Kollegen schwer.
Gründe für die Verzögerung
Zunächst war ein langwieriger komplexer Dienstweg des gerichtsmedizinischen Gutachtens an die Staatsanwaltschaft Feldkirch für erste Verzögerungen verantwortlich. Obwohl der Obduktionsbericht des gerichtsmedizinischen Instituts in Innsbruck am 20. April fertig war und am Tag darauf bei der Staatsanwaltschaft Feldkirch eintraf, wollte das eminent wichtige Dokument seine Letztadressaten nicht sofort erreichen.
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Ausgebremst wurde die Anklage schließlich durch umfangreiche Erhebungen zu den Social-Media-Aktivitäten der Tatverdächtigen und des Mordopfers, die Monate zurückliegen. Der Mutterkonzern von WhatsApp und Co hat seinen Firmensitz allerings in den USA, was die Kommunikation äußerst schwierig machte. Die Ermittler haben nach VN-Informationen schließlich die Reißleine gezogen.

Rechtsanwalt German Bertsch, der den hauptverdächtigen Untersuchungshäftling vertritt, bestätigte den Sachverhalt jetzt gegenüber den VN und erklärte: „Diese Erhebungen sind abgebrochen worden und werden mittlerweile nicht weiterverfolgt, da sie sich als zu aufwändig erwiesen haben.“ Inzwischen seien aber sämtliche Gutachten, das gerichtsmedizinische sowie das gerichtspsychiatrische, eingetroffen.

Bertsch: „Ausgehend von der Staatsanwaltschaft steht der Anklageerhebung nur noch eine ergänzende Einvernahme meines Mandanten durch die Ermittler im Wege. Darin geht es um die Abklärung einiger noch offener Fragen, ansonsten sind die Ermittlungen abgeschlossen. Ein Termin für diese letzte Einvernahme steht derzeit noch nicht fest. Im Anschluss erwarte ich dann die Anklageschrift.“
Dennoch kein Zeitdruck
Grundsätzlich gilt nach der Verhängung der Untersuchungshaft eine Frist von sechs Monaten bis zur Anklageerhebung. Gibt es nach einem halben Jahr noch keine Anklage, ist das Verfahren hinfällig und der Beschuldigte frei.
Anders im Fall Janine G.: Denn liegt wie in diesem Fall der Verdacht eines Verbrechens vor, das mit einer fünf Jahre übersteigenden Freiheitsstrafe bedroht ist, kann die Untersuchungshaft auf ein Zeitkorsett von zwei Jahren verlängert werden.
So geschah das Verbrechen
Am 5. März des Vorjahres wurde im Lustenauer Ried die Leiche der 30-jährigen Dornbirnerin Janine G. aufgefunden. Schon kurz darauf war klar, dass die Frau bereits am 3. März einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war. Nur eine Woche später befanden sich ein 19-jähriger Lustenauer und ein 25-jähriger unsteter Vorarlberger als dringend Tatverdächtige in Untersuchungshaft in Feldkirch.

Die Leiche der Dornbirnerin wurde dann irgendwann zwischen der Tat und ihrem Auffindungszeitpunkt zwei Tage später in einem Wassergraben im Lustenauer Ried abgelegt.
Für eine Überraschung sorgte dann im Mai die Entlassung des 19-jährigen Lustenauers aus der Untersuchungshaft. Der Grund: Laut Erkenntnis des Oberlandesgerichtes Innsbruck lag kein dringender Tatverdacht mehr gegen den jungen Mann vor. Ihm werden dem Vernehmen nach allerdings weiters die Vergehen der Störung der Totenruhe und der Beweismittelunterdrückung vorgeworfen.

Der 25-jährige Hauptverdächtige brach erst Anfang August sein Schweigen. Seine Angaben gegenüber dem Landeskriminalamt liegen der Staatsanwaltschaft Feldkirch schriftlich vor. Darin ist der Untersuchungshäftling nicht geständig, das Opfer umgebracht zu haben. Es steht Aussage gegen Aussage.
Seitens der Staatsanwaltschaft Feldkirch wurde den VN am Dienstag bestätigt, dass die Anklage noch aussteht. Die Ermittlungen sind im Gange, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Heinz Rusch.
Für beide Tatverdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.
Mitarbeit: Matthias Rauch, Michael Gasser
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